Ein munteres und immer hungriges Quartett hat bei den Rangern des Naturparks Drömling Asyl bekommen. Familie Niewerth hatte beobachtet, dass die benachbarten Buntspechtjungen Hilfe brauchen und sofort Initiative ergriffen, um die Piepmätze zu retten.

Bösdorf/Oebisfelde l "Wir wollten diesen alten trockenen Pflaumenbaum schon längst fällen. Doch dann haben wir gesehen, dass dort Buntspechte brüten. Dann hörten wir es piepsen und wussten, dass das Nest voll besetzt ist. Wir waren uns einig, dass der Baum bleiben muss", erzählte Gabriele Niewerth, die gemeinsam mit ihrem Mann Heino im ehemaligen Umspannwerk in Bösdorf zu Hause ist. Niewerths freuten sich über die gefiederte Nachbarsfamilie. Und dann geschah das Unglück. "Es war am Morgen. Da fanden wir einen toten Buntspecht. Er war wohl gegen eine Scheibe geflogen und hat sich das Genick gebrochen", beschrieb die 67-jährige Gabriele Niewerth. Und auch der zweite Specht tauchte nicht wieder auf.

"Ich habe Panik bekommen, denn die Kleinen waren schon am Verhungern. Es ist eine ganze Generation Buntspechte, die konnten wir doch nicht sterben lassen. Jedes Lebewesen hat seinen Wert", appellierte Tochter Nadine Niewerth, die sich selbst in Sachen Naturliebe als ein "großes Weichei" bezeichnet. Tochter Nadine fuhr zum nächsten Anglergeschäft und kaufte Würmer und Maden.

Doch wie die Waisenkinder füttern, die noch tief im Inneren des Stammes saßen. Nadine Niewerth überredete ihren Vater, die Säge zu holen. Und obwohl Heino Niewerth im ersten Moment ziemlich genervt schien, zeigte er ein großes Herz für die gefiederten Sorgenkinder. Außerdem kennt er die Hartnäckigkeit seiner Mädchen, die sowieso keine Ruhe gelassen hätten. Mit vereinten Kräften vergrößerten Vater und Tochter das Loch zur Wohnung von Familie Specht.

"Es waren zuerst fünf Junge. Leider war der Kleinste schon zu schwach."

"Es waren zuerst fünf Junge. Leider war der Kleinste schon zu schwach. Er ist gestorben", bedauerten die 13-jährige Ronja und die sechsjährige Johanna, die Töchter von Nadine Niewerth. Auch die Mädchen kennen sich inzwischen schon gut in der Natur aus. "Wir müssen nicht in den Urlaub fahren. Wir reisen einfach in den Drömling und beobachten die Eisvögel, die über den Teich kreisen", sagte Nadine Niewerth. Sie und ihre Töchter nahmen die anderen vier Vogelkinder mit in ihre Wohnung nach Oebisfelde.

Mit der Pinzette fütterte die neue Pflegefamilie die Piepmätze. "Ich habe schon einmal fünf Spatzenkinder großgezogen. Jetzt wohne ich aber in einer Mietwohnung. Die Spechtkinder sind - im Gegensatz zu den Spatzen - viel lauter. Schon wenn ich die Haustür aufgeschlossen habe, hörte ich den Lärm", erzählte sie.

Dann kam die Tierliebhaberin auf die Idee, in der Naturparkverwaltung anzurufen. Ulf Damm, Mitarbeiter des Naturparks, musste nicht lange überlegen. In der Vogel-aufzuchtstation werden die vier kleinen Klopfer jetzt aufgepäppelt.

Übrigens scheint der Garten von Niewerths eine gute Adresse für alle Tiere zu sein. Wenn die Familie nach dem Abendessen im Pavillon sitzt, kommt ein freches Mäuschen aus dem Wald und holt sich die übrig gebliebenen Brotkrümel. Gleich neben dem Tisch der Niewerths hängt ein Insektenhotel am Baum und nicht weit davon wurde erst vor kurzem ein Igelhotel, Marke Eigenbau, eröffnet. Über den Köpfen der Tierliebhaber kreist ein Sperber, während Eichhörnchen sich aus den Nistkästen die Nüsse klauen. Außerdem ist Heino Niewerth ständig damit beschäftigt, junge Fledermäuse, die vom Dach durch die Rinne fallen, aus dem Rohr zu retten. Dann hängt der Fledermausfreund die künftigen Insektenjäger an die Bäume seines Gartens.

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