Wird in Oebisfelde über Apotheken geredet, fällt mit Sicherheit der Name Renate Hoffmann. Sie ist praktisch die Apothekenfrau in der Allerstadt. Denn seit 40 Jahren versorgen ihre Mitarbeiterinnen und sie die Oebisfelder mit Arzneien. Heute zieht Renate Hoffmann den Schlussstrich. Sie geht in den Ruhestand.

Oebisfelde l Im Gespräch ist es Renate Hoffmann anzumerken, dass ihr der Abschied sehr schwer fällt. Verständlich. Schließlich hat die 66 Jahre alte diplomierte Pharmazeutin sehr viel Herzblut in ihre Arbeit gesteckt. Vor allem nach der Wende, als sie ab dem 1. Oktober 1990 in der Apotheke in der Magdeburger Straße, die nun Burg-Apotheke hieß, für alles allein zuständig war. Und erst recht, als sie ihre neue Burg-Apotheke am 27. April 1992 im Lessingeck eröffnete. Eines hat sie in dieser ereignisreichen Zeit aber nie aus den Augen verloren: das Wohl ihrer Kunden - aus Oebisfelde und den umliegenden Gemeinden. "Das war für mich stets das Wichtigste", betonte die Oebisfelderin und merkte an: "Ich habe im Laufe der Jahre viele Oebisfelder kennen- und schätzengelernt und bin mit vielen von ihnen alt geworden. Die Verbundenheit ist daher sehr groß."

Wichtig sei ihr aber auch gewesen, dass es nach ihrem Abschied aus der Burg-Apotheke weiterläuft. Martina und Klaus-Henning Drevenstedt, die bereits in Mieste die Apotheke betreiben, werden das Medizinhaus an der Lessingstraße ab den 1. Juni übernehmen. "Ich bin froh, dass es weitergeht. Ich weiß nicht, ob ich es übers Herz gebracht hätte, die Apotheke auszuräumen", erklärte Renate Hoffmann.

Dabei wäre aus ihr fast keine Apothekerin geworden. Geboren ist Renate Hoffmann in der kleinen Gemeinde Netzow bei Glöwen. "Nach der Schule wollte ich eigentlich etwas mit Sprachen machen. Vor allem die englische Sprache hat mich interessiert. Doch zu DDR-Zeiten war es schwer, dafür einen Studiumsplatz zu bekommen. So habe ich mich, auch nach Gesprächen, für das Studium der Pharmazie entschieden und bin Apothekerin geworden. Ich habe es nicht bereut. Aus einem Nicht-Wunschberuf ist ein geliebter Beruf geworden", erinnerte sich Renate Hoffmann.

Nach ihrem Studium in Greifswald und zwei Jahren Arbeit in Ueckermünde landete sie schließlich in Oebisfelde und wurde Leiterin der Apotheke, die in einem altehrwürdigen Haus an der Magdeburger Straße untergebracht war. In dem alten Gemäuer eröffnete Johann Daniel Fieberautz am 23. Juli 1738 die erste offizielle Apotheke in Oebisfelde. Die Erlaubnis dazu erteilte König Friedrich Wilhelm I. höchst selbst. Doch wahrscheinlich schon vor der königlichen Erlaubnis seien im Haus Heilmittel zu erwerben gewesen. Bis Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts blieb das so. Dann wechselte Renate Hoffmann wie erwähnt den Standort der nunmehrigen Burg-Apotheke.

Hauptgrund für den Umzug in das neugebaute Lessingeck seien nicht die Probleme mit den Alteigentümern der alten Apotheke, sondern im Haus sei ein ordnungsgemäßer Apothekenbetrieb einfach nicht mehr realisierbar gewesen, wie Renate Hoffmann unterstrich. Denn nach der Wende seien Ansprüche und Anforderungen an eine Apotheke gestiegen. Diese umzusetzen, sei im alten, denkmalgeschützten Haus nicht möglich gewesen. So habe sich die steile Treppe zur Eingangstür mehr und mehr als Hindernis erwiesen. Speziell für ältere Kunden sowie mit Blick auf die Barrierefreiheit. Auch das Parken vor dem Haus sei nicht möglich gewesen.

"Die Arbeit mit meinen Kolleginnen und Mitarbeiterinnen im alten Haus und am neuen Standort hat sehr viel Spaß gemacht. Es waren 40 gute Jahre", blickte Renate Hoffmann auf ihr Arbeitsleben im liebgewonnenen Oebisfelde zurück.