Gardelegen/Klötze. Gitarrenlehrer Jürgen Genz übte am Mittwoch mit seinen beiden Schülern Anne und Malte Fischer. Seit rund zwei Jahren lernen die beiden Gardeleger schon Gitarre an der Kreismusikschule. Einmal in der Woche kommen sie zur Außenstelle am Holzmarkt.

Einen Schnupperkurs brauchten die beiden musikalischen Kinder nicht, um sich für die Gitarre zu entscheiden – Malte spielt zudem schon seit Jahren Klavier. Doch wer an der Musikschule nur mal ausprobieren will, ob ihm ein Instrument liegt oder vielleicht doch nicht, ist fehl am Platz. "Das sieht unsere Satzung nicht vor", sagt Schulleiter Falk Kindermann: "Der Unterricht steht im Vordergrund. Schnupperstunden sind da nicht vorgesehen."

Die Musikschule sei mit privaten Einrichtungen nicht zu vergleichen, die solche Schnupperstunden teils sogar kostenfrei anbieten. "Wir sind da eher eine Regelschule", so Kindermann. Da schnuppere man auch nicht mal hinein.

Dennoch verweist er auf die Möglichkeit, an der Musikschule mal Instrumente auszuprobieren: "Wir haben das Instrumentenkarussell." Kinder lernten dabei über mehrere Wochen alle Instrumente kennen, hätten immer zwei bis drei Stunden bei einer Lehrkraft. "So lernen sie alles kennen", sagt Kindermann.

Anders bei der Musikschule von Marko Scholz in Klötze. "Wer ein Instrument erlernen möchte, kann sich erst informieren, wie es bei uns läuft", erläuterte Mitarbeiterin Annette Klopp. Interessenten werden dann zu einer kostenlosen, unverbindlichen Probestunde eingeladen. Wer danach meint, dieses Instrument ist das richtige, kann einen Probevertrag über ein Vierteljahr abschließen. Erst danach muss die Entscheidung fallen.

Wer in Gardelegen ein Instrument erlernen oder seine Fertigkeiten festigen will, muss einen Ein-Jahres-Vertrag unterschreiben. Das Vertragverhältnis kann nur zum Ende eines Schuljahres beendet werden, heißt es in der Satzung. Wer nach zwei Monaten entdeckt, dass das Instrument doch nicht das richtige ist, hat Pech gehabt und zahlt weiter.

Die Musikschule der Stadt Wolfsburg geht andere Wege, kundenfreundlichere Wege.

Dort wird in Trimestern gelernt, der Fachunterricht beginnt dort nicht nur einmal im Jahr, sondern alle vier Monate, am 1. Mai, am 1. September und am 1. Januar, erklärte Mitarbeiter Hans Sekulla. Entsprechend seien auch die Zahlungstermine. Schüler dort können also nach vier Monaten entscheiden, ob sie weitermachen wollen oder nicht. Und sie können alle vier Monate mit einem Kurs anfangen.

Ausgewiesene Schnupperkurse gibt es keine im Adam-Ileborgh-Haus, dem Sitz der Musik- und Kunstschule Stendal. Doch die Musikschule, getragen von der Stadt und dem Kreis, bietet ihren Schülern in den ersten drei Monaten eine kurzfristige Kündigung an, wie Sekretärin Andrea Müller erklärte: "Innerhalb der ersten drei Monate ist der Vertrag jeden Monat kündbar." Der Unterricht beginnt dort zweimal im Jahr, nach den Sommerferien und zum 1. Januar.

Schnuppern ist in Stendal oder den beiden Außenstellen Tangermünde und Tangerhütte also möglich, auch wenn es nicht so heißt. "Für Kinder ist das wichtig", sagte Müller. Kostenlos sei das Angebot aber nicht.

Nach dieser Probephase gebe es zwei Kündigungstermine im Jahr. Eine Neuaufnahme der Schüler ist in Stendal entsprechend – anders als in Salzwedel und Gardelegen – auch zweimal im Jahr möglich. Nach den Sommerferien und zum 1. Januar kann es losgehen.

Kostenfreie Schnupperstunden erlaubt die Satzung der Musikschule des Landkreises Börde ebenfalls nicht. Doch 10 bis 15 Minuten könnten Kinder dort mal "reinschnuppern", erklärte eine Mitarbeiterin. Aber auch dort sind die Möglichkeiten, während des Jahres zu beginnen, besser als in Salzwedel und Gardelegen. Wie in Stendal können die Schüler dort nach den Sommerferien und im Januar mit ihrem Unterricht beginnen – oder ihn nach einem Halbjahr auch beenden, was das finanzielle Risiko vermindert, falls es den Kindern doch nicht gefällt.

Die Bördekreismusikschule hat zudem zahlreiche Außenstellen. Dort würden Schüler in den Grundschulen betreut, was gerne angenommen werde, wie die Mitarbeiterin weiter sagt. Denn die Busverbindungen ließen es oft nicht zu, dass die Schüler in die Hauptstelle kommen würden. Auch wenn es keine direkten Schnupperstunden gibt, so "arrangieren wir doch auf jeden Fall für Kinder, die ein Instrument ausprobieren wollen, ein Treffen mit dem Fachlehrer", so die Mitarbeiterin.

"Für Schnupperstunden ist kein Freiraum bei uns", so Salzwedels Schulleiter Kindermann: "Die Lehrer sind alle ausgelastet", es gebe keine Freistunden. So sei das im öffentlichen Dienst.

Der Einstieg ins laufende Schuljahr sei ebenfalls nicht möglich. Schuljahresbeginn sei nach den Sommerferien. Wenn die Verteilung der angemeldeten Schüler vollzogen sei, sei "kein Platz mehr frei". Lediglich, falls während des Schuljahres jemand aufhöre, könnte wer nachrücken, sagt Kindermann. Das seien aber nur Ausnahmefälle. Auch ein Einstieg während des Schuljahres in den Gruppenunterricht sei nicht möglich, weil die anderen Schüler dann bereits fortgeschrittener seien: "Das passt dann nicht."

Hans Sekulla von der Wolfsburger Musikschule zur Praxis in Salzwedel: "So was könnten wir uns gar nicht leisten."