Der Binder Schweinezüchter Adrian Straathof hat vom Landesverwaltungsamt einen Bußgeldbescheid in Höhe von fast 500 000 Euro und die Aufforderung, Teile des Betriebes in den kommenden Monaten stillzulegen, erhalten. Auslöser des Verfahrens: Straathof hatte während der ersten Erweiterung der Schweineställe aus DDR-Zeit Gebäude ohne Baugenehmigung errichtet. Mehr als 30 000 Sauen und Ferkel werden in den Ställen, die nur 350 Meter Luftlinie entfernt von Binde liegen, gehalten. Eigentlich wollte die holländische Familie Straathof diese Anlage für rund 55 000 Schweine erweitern.

Binde/Halle. Der Bogen ist überspannt. Zumindest für das Landesverwaltungsamt in Halle. Seit Herbst 2008 forscht die Behörde in Sachen Schwarzbauten in der Binder Schweinezuchtanlage. Luftbilder hatten damals die Vermutung aufkommen lassen, dass zumindest ein Stall 2006 zuviel gebaut wurde. Diesem Hinweis ging die Behörde nach. Akribisch.

Sie stieß beispielsweise im Sommer 2010 auf noch mehr Ungereimtheiten. Fahrsilos für die Biogasanlage waren ohne behördliche Rücksprache vergrößert worden. Aus einem mobilen Technikcontainer wurde ein festes Gebäude, in "Garagen" wurde die Steuerungstechnik für die Solaranlage untergebracht. Anscheinend unbekümmert ist an der Schweinezuchtanlage gebaut worden. Frei nach dem Motto: Die Kontrollbehörde, sprich das Landesverwaltungsamt, ist mit ihrem Sitz in Halle weit entfernt.

500 000 Euro als Bußgeld verhängt

Mitnichten. Das Landesverwaltungsamt hat jetzt das Ordnungswidrigkeitsverfahren abgeschlossen. Es schickte an Straathof einen Bußgeldbescheid. Fast 500 000 Euro soll er für die Schwarzbauten zahlen. Obendrein wurde eine Nutzungsuntersagung für jene Gebäude ausgesprochen, die ohne Baugenehmigung errichtet wurde. Die Palette reicht vom Schweinestall über Biogasanlage bis zum Heizhaus. "Mit einer gewissen Frist, weil Säue noch trächtig sind oder noch Ferkel haben", erklärte Gabriele Städter von der Stabsstelle Kommunikation des Landesverwaltungsamtes.

Für den holländischen Schweinezüchter alles andere als erfreuliche Post. Er legte Widerspruch ein – gegen die Höhe des Bußgeldes, nicht aber gegen den Bescheid an sich, betonte Städter. Das Landesverwaltungsamt hat nun weitere Unterlagen von Straathof angefordert, die seit Wochenanfang vorliegen und jetzt geprüft werden.

Offen ist, wie sich die verhängte Nutzungsuntersagung auf den Betrieb auswirken wird. Nur mit einem nachträglich eingereichten Genehmigungsantrag könnte der Schweinezüchter das Problem vom Tisch bekommen. Doch ein solcher Antrag liegt dem Landesverwaltungsamt bislang nicht vor. "Dabei war doch ausreichend Zeit dafür", so Gabriele Städter.

Zwischenzeitlich ermittelte aber auch die Stendaler Staatsanwaltschaft gegen Straathof. Es war Anzeige erstattet worden. Binder befürchten, dass durch die Schweinezuchtanlage auch Gewässer verunrei-nigt wurden. Die Staatsanwaltschaft stellte zwar Mitte November das Verfahren ein, schickte aber nach einer Beschwerde darüber die Akten zum Kreis-Umweltamt weiter. Das soll nun eine Stellungnahme abgeben.

Riesenanlage in Mecklenburg

In Mecklenburg-Vorpommern werden die Vorgänge rund um den Binder Betrieb von Straathof aufmerksam verfolgt. Denn der Schweinezüchter hat im Oktober vergangenen Jahres die Erlaubnis für den Bau der größten europäischen Schweinezuchtanlage in Alt Tellin erhalten. 10 500 Sauen sollen dort jährlich bis zu 250 000 Ferkel werfen. 15,6 Millionen Euro will Straathof in die Anlage investieren, die jährlich etwa 100 000 Kubikmeter Wasser verbraucht.

Bürgerinitiativen und Naturschutzorganisationen hatten vergeblich versucht, die Ställe zu verhindern. Bauleiter in Alt Tellin ist ein in Binde Altbekannter: Peter Meyer. Er hat in Binde die erste Stallerweiterung umgesetzt – mit den Schwarzbauten.