Die Aufarbeitung der Wälder kann beginnen. Gerhard Fiebig, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Kunrau, und Helmut Jachalke, Leiter des Betreuungsforstamtes Klötze, informierten am Donnerstag in Steimke über die Aufgaben für die kommenden Monate.

Steimke. Voller Saal in Steimke: Mit so vielen Waldbesitzern, die in der Forstbetriebsgemeinschaft Kunrau (FBG) organisiert sind und die an diesem Abend den Weg zur Mitgliederversammlung suchen, hat der Vorstand offensichtlich nicht gerechnet. Noch ein paar zusätzliche Stühle müssen her, dann kann es losgehen. Zielstrebig und zügig führt der FBG-Vorsitzende dann durchs Programm. Die FBG Kunrau hat 273 Mitglieder, denen 910 Hektar Wald gehören. Die Mehrzahl der FBG-ler aus Kunrau und Umgebung besitzt Flächen zwischen einem und drei Hektar Wald.

Ein Blick in die Wälder in der Umgebung macht deutlich, warum das Interesse so groß ist: In allen Waldstücken hat der Winter bereits jetzt in Form von Schneebruch seine Spuren hinterlassen. Wie soll es nun weitergehen in den beschädigten Waldstücken? Welche Hilfen gibt es, wer sind die richtigen Ansprechpartner? Fragen, auf deren Beantwortung die im Saal versammelten Menschen hoffen. Antworten gibt es nicht allein von Gerhard Fiebig. Auch der Leiter des zuständigen Betreuungsforstamtes Klötze, Helmut Jachalke, ist mit der für das Gebiet Kunrau zuständigen Försterin Diana Fiedler zur Mitgliederversammlung erschienen.

"Werden Wälder danach kaum wiedererkennen"

"Es gibt keine Fläche in unseren Wäldern, in der keine Schäden zu beklagen sind", konstatiert Fiebig. Dabei gibt es Wälder mit vergleichsweise geringen Schäden, aber eben auch solche, in denen der Wald komplett ruiniert ist. "Je nach dem Schadensbild muss individuell entschieden werden, wie es weitergehen soll", so der FBG-Vorsitzende. Zusätzlich zu den bereits vor diesem Schneewinter beantragten Durchforstungen wird dies nun in den meisten Wäldern notwendig sein. Dazu werden während der Versammlung Formulare herumgereicht, in denen die Waldbesitzer ihren Bedarf eintragen können.

An erster Stelle müsse es jetzt um das wertvolle ältere Holz gehen, welches nicht als Industrie- oder Energieholz auf den Markt kommt. Fiebig: "Für uns ist wichtig, dass es keine Qualitätsverluste bei der Ernte des geschädigten Holzes gibt." Und da das Holz blau wird, wenn es nicht rechtzeitig geerntet wird, stehen die höherwertigen Bäume zunächst im Vordergrund. Fiebig: "Beim Industrieholz ist eine Verfärbung ja völlig unwichtig."

Allerdings wird das übliche Durchforsten des Waldes bei den besonders stark geschädigten Flächen nicht ausreichen. In diesen werde nicht wie gewohnt die Holzerntemaschine, der Harvester, zum Einsatz kommen. Hier müssten Bagger ran, die mit Knipsern die umgeknickten und entwurzelten Stämme abschneiden. Die Bäume werden dann zum Trocknen abgelegt und später zu Holzhackschnitzeln weiterverarbeitet.

"Denken Sie bitte daran: Sicherheit geht vor"

Fest steht nicht allein bei den Flächen, die auf diese Weise komplett leergeräumt werden, dann gepflügt und neu bepflanzt werden müssen, sondern auch bei jenen, in denen sich die Schäden in Grenzen halten: Selten ist der Wald in so kurzer Zeit so grundlegend verändert worden. Gerhard Fiebig fasst dies so zusammen: "Wir werden unsere Wälder danach kaum wiedererkennen."

All die notwendigen Arbeiten werden von der Forstbetriebsgemeinschaft auf Wunsch organisiert. "Wer die Möglichkeit hat, kann natürlich auch selbst die Arbeiten vornehmen. Allerdings denken Sie bitte daran: Sicherheit geht vor", erklärt der FBG-Vorsitzende.

Dies ist auch ein Anliegen von Helmut Jachalke. Dieser verweist darauf, dass es aufgrund der besonderen Situation schon mehrere schwere Unfälle, teils mit tödlichem Ausgang, gegeben hat. Jachalke: "Bedenken Sie bitte immer, dass die Stämme nicht wie bei einem Sturm in eine Richtung umgekippt sind, sie sind gefallen, wie es ihr Schwerpunkt vorgab." Die Folge sei, dass das Holz mancherorts viel mehr unter Spannung steht, als bei Sturmbruch. Zur Demonstration zeigt Jachalke Dia-Bilder, an denen er verbogene Äste zeigt, die bei unvorsichtigem Hantieren schnell zur tödlichen Gefahr werden können, wenn sie bei einer Veränderung der Lage oder der umliegenden Hölzer zurückschnellen.

Eine weitere Gefahr gehe insbesondere in den Wäldern mit älteren Baumbeständen von abgebrochenen Kronen aus. Auch dazu zeigt Jachalke Dias. "Zum Teil hängen die Kronen nur noch in den Zweigen. Wenn Sie also einen Baum fällen, kann es sein, dass neben Ihnen die abgebrochene Krone eines anderen herunterkommt. Seien Sie bloß vorsichtig!", so der Appell des Leiters aus dem Betreuungsforstamt auch zu diesem Thema.

Unabhängig vom Plan, nach und nach in den kommenden Monaten die Wälder durchzuarbeiten, steht indes für die Waldbesitzer eine andere Aufgabe. Diese müssen sie auf Eigeninitiative angehen. Es geht darum, dass die Wege freigeräumt werden müssen. Denn bald beginnt die Waldbrandsaison. Dies bedeutet, dass die Wege frei sein müssen für Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge, die im Falle eines Brandes oder eines Unfalls in die Wälder gelangen müssen. Mit Bildern vom verheerenden Waldbrand unweit der Salzwedeler Ortschaft Osterwohle im vergangenen Jahr macht Jachalke deutlich, wie wichtig solche Wege sind. "Zum Glück sind die Wege dort gut freigeräumt gewesen", so der Forstfachmann. Sonst wären die Schäden noch höher gewesen.

Finanziell zugute kommen den Waldbesitzern die derzeit guten Holzpreise: Nachdem noch vor einem Jahr der zur Wirtschaftskrise eingebrochene Absatz und gesunkene Holzpreis Kopfzerbrechen bereitete, haben sich die Preise und die Nachfrage erholt. Nicht ohne Stolz berichtet Gerhard Fiebig davon, dass die FBG bei ihren Verhandlungen Holzpreise erzielt habe, wie sie selten zuvor erzielt worden seien. Ursache dafür dürfte nicht zuletzt der Umstand sein, dass der Schneebruch in der Altmark ein lokales Ereignis war. Helmut Jachalke nannte eine Zahl von 150 000 Festmetern, die wegen des Winters unerwartet zu Buche schlagen dürften. Mit Blick auf die gesamte Nachfrage sei dies dennoch eine überschaubare Menge. Weitere finanzielle Hilfen könnten, so Fiebig, für die Wiederaufforstung individuell mit dem Steuerberater geklärt werden.

Mit Blick auf die Aufarbeitung der Schäden im Wald zum Beispiel durch den Schneewinter werben sowohl Helmut Jachalke als auch Gerhard Fiebig für die Forstbetriebsgemeinschaften als zweckmäßigem Mittel für Besitzer kleiner Waldflächen, um den Wald zu bewirtschaften.

Einstimmig beschließen die Mitglieder der FBG eine Senkung ihrer Beiträge an ihre Organisation auf acht Euro pro Hektar. Wie Gerhard Fiebig erläuterte sollen damit die Forderungen der Berufsgenossenschaft an die Waldbesitzer ausgeglichen werden, die in der Vergangenheit von der FBG beglichen wurden. "Das hätten wir auch gern so beibehalten, allerdings konnten wir uns mit dieser Forderung nicht durchsetzen", erklärt der FBG-Vorsitzende.

Lesen Sie in einer der kommenden Ausgaben über die Aussichten zum Schädlingsbefall in den Wäldern.