Weniger Ausleihen als noch ein Jahr zuvor hat die Klötzer Bibliothek im vergangenen Jahr zu verzeichnen gehabt. Kein Grund zur Sorge, meint die Bibliotheksleiterin Iris Wienecke. Grund sei, dass die Einrichtung zur Sanierung lange geschlossen war.

Klötze/Kunrau. "Wollen Sie nicht erst die ersten Bände lesen?" – "Nein, die sind nicht da" – "Kleinen Moment, ich weiß, wo die sind." Eine Szene aus der Klötzer Stadt- und Kreisbibliothek, wie sie sich jeden Tag ereignet. Iris Wienecke leitet die Einrichtung, ist von ihrem Arbeitsplatz aufgesprungen und wenige Augenblicke später zurück. In der Hand hat sie die ersten beiden Bände der Krimireihe von Ann Granger. "Diese Bücher haben sich zu einem Renner entwickelt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich unter den Lesern rumspricht, wenn Bücher gut ankommen."

35 797 Entleihungen hat die Klötzer Stadt- und Kreisbibliothek im Jahr 2009 verzeichnet, im vergangenen Jahr waren es rund 2500 weniger an den beiden Standorten in Kunrau in Klötze. Sind die Altmärker des Lesens überdrüssig, besteht Grund zur Sorge? "Keineswegs", sagt die Chefin über die Bücher. Denn der Grund für den Rückgang sei in den langen Schließzeiten der Klötzer Bibliothek im Frühjahr zu finden: "Uns fehlen da einfach mehrere Wochen", sagt Iris Wienecke. Und auch in Kunrau sei wegen Bauarbeiten und aus Krankheitsgründen die Bibliothek nicht so lange geöffnet gewesen wie im Jahr zuvor. Ganz im Gegenteil: Seitdem in Klötze nachmittags häufiger geöffnet sei, habe dem ersten Eindruck nach das Interesse der Leser sogar zugenommen.

"Für Jahresbeitrag bekommt man ansonsten kaum ein Taschenbuch"

Neben der Beratung von Lesern und der Bibliotheksarbeit hatten die drei Mitarbeiterinnen der Einrichtungen in den vergangenen Monaten auch den Zusammenschluss der beiden Standorte zu einer Einrichtung zu bewältigen. "Die Zusammenarbeit klappt hervorragend", gibt die Klötzer Bibliotheksleiterin zu Protokoll. Derzeit laufe noch die Erfassung des Kunrauer Bestandes für die elektronische Datenbank in Klötze. Wenn die Kunrauer Bücher erfasst sind, ist von Seiten der Bibliothek die Vereinigung abgeschlossen.

Was dann allerdings noch ansteht, ist eine gemeinschaftliche Satzung für die beiden Bibliotheken. Nach dem bisherigen Stand soll auch hier im Wesentlichen die Regelung aus Klötze auch für die kleinere Einrichtung – in diesem Fall die im Kunrauer Schloss – übernommen werden. Das bedeutet, dass in Zukunft auch die Kunrauer Bibliotheksbenutzer Gebühren zahlen müssten. Allerdings wirbt Iris Wienecke schon einmal für diese Regelung: "Für unseren Jahresbeitrag bekommt man ansonsten ja kaum ein Taschenbuch. Unser Angebot sollte einem Leser schon diesen Beitrag wert sein dürfen", so die Leiterin der Bibliothek. Immerhin bringt das Zusammengehen mit Klötze auch den Kunrauern etwas: Schon mehrfach hat Iris Wienecke aus dem Bestand der Klötzer Niederlassung Bücher, die im dortigen Bestand nicht vorhanden sind, mit ins Kunrauer Schloss gebracht.

Das Angebot umfasst derzeit übrigens 36 735 Medien. Darunter sind neben den Büchern 4552 Hörbücher, DVDs, Kassetten und Ähnliches sowie 1210 Zeitschriftenhefte. Gefragt sind nach wie vor Hörbücher. Iris Wienecke: "Besonders gern nehmen die Bibliotheksnutzer humorvolle Hörbücher. Die hören die meisten von ihnen dann auf langen Autofahrten." Und was die gedruckten Werke angeht, so sind insbesondere Thriller und Krimis gefragt. Darunter beispielsweise die Krimis von Ann Granger. Im zurückliegenden Jahr außerordentlich begehrt waren auch die Stieg-Larssonn-Krimis: "Da arbeiten wir noch immer die Vorbestellungen ab", berichtet die Bibliotheksleiterin.

Außerdem ist Gegenwartsliteratur wie die von Dora Heldt wie in den Jahren zuvor sehr beliebt gewesen.

"Vorträge über Reisen sind bei uns immer sehr gut gelaufen"

Neben dem Verleih von Büchern, CDs, Zeitschriften und Filmen hat sich die Klötzer Stadt- und Kreisbibliothek auch einen Namen mit ihren Veranstaltungen gemacht. Diese soll es auch in diesem Jahr wieder geben. So steht für den 19. April eine multimediale Schau über eine Reise auf dem Programm: Ronald Prokein wird an diesem Tag ab 19 Uhr unter dem Titel "Kältepol" über seine Expedition in Sibirien berichten. Zum Einsatz kommen werden sowohl Dias als auch Filmsequenzen. Iris Wienecke: "Vorträge über Reisen sind bei uns immer sehr gut gelaufen."

Auch für den Monat darauf gibt es bereits einen Termin in der Klötzer Bibliothek: Am 24. Mai gibt es einen Literatur-Chanson-Abend unter dem Titel "Bei mir bist du schön" mit Charlotte Knappstein und Torsten Urban. Die beiden stellen während der Zeit des Nationalsozialismus verfemte Kunst in Musik und Texten vor.