Klötze. Die Kameraden der Klötzer Feuerwehr fühlen sich durch die Kommunalreform schlechter gestellt. Das brachte während der jüngsten Jahreshauptversammlung der Klötzer Wehr (wir berichteten) Feuerwehr-Senior Volker Tegge in der Diskussion zum Ausdruck.

Seine Argumentation: "Im Gesetz zur Kommunalreform heißt es, dass keinem Bürger Nachteile durch die Reform entstehen dürfen. Wir Feuerwehrkameraden sind auch Bürger dieses Landes und uns entsteht ein Nachteil", entgegnete Tegge auf die Antwort von Einheitsgemeindebürgermeister Matthias Mann.

Stein des Anstoßes sind die freien Liegeplätze auf dem Friedhof für Feuerwehrkameraden, die mindestens 30 Jahre ehrenamtlich tätig waren. Seit 1993 gewährte die Stadt Klötze ihnen die kostenfreien Grabstellen. Mit Beschluss der neuen Friedhofssatzung, die für alle Ortsteile der Stadt einheitlich ist, ist das nun Geschichte. Matthias Mann begründete: "1993 gab es lediglich einen Beschluss im Hauptausschuss, der aber nie durch den Stadtrat in die Satzung aufgenommen wurde", und deshalb seien die freien Grabstellen nun gestrichen worden. Er selbst halte sich bei dem Thema auch lieber zurück, "denn wenn wir es in Klötze machen, müssen wir es überall machen". Die Rechnung sei ganz einfach, "wenn ich irgendwo etwas dazugebe, muss ich woanders etwas wegnehmen".

Diese Antwort stellte Tegge aber nicht zufrieden. "Die Feuerwehrmänner opfern über Jahre ihre Freizeit, sind zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit zu helfen und keiner weiß, wann er von einem Einsatz nach Hause kommt und ob er selbst verletzt wird." Er rechnete vor: Wenn die Stadträte, die ihre Ämter auch freiwillig ausübten, eine Wahlperiode lang Sitzungsgeld bekommen, "sind deren Grabstellen bereits bezahlt". Volker Tegge bat Matthias Mann eindringlich, die Regelung noch einmal zu überdenken, denn "dass werden wir uns so nicht gefallen lassen".

Wie der Feuerwehr-Senior auf Nachfrage der Volksstimme erklärte, sei er seit seinem 15. Lebensjahr Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Damals, es war das Jahr 1959, "mussten Mutter und Vater noch unterschreiben, dass ich mitmachen durfte". Jetzt ist Volker Tegge 67 Jahre alt, kann mittlerweile auf 52 Dienstjahre bei der freiwilligen Feuerwehr zurückblicken und gehört nach seiner aktiven Zeit nun zur 18 Frauen und Männer zählenden Altersabteilung. Während seiner aktiven Dienstzeit hat er viele schwierige Situationen erlebt und gemeistert, zum Beispiel, als sich Anfang der 1990er Jahre ein Mann vor dem Polizeirevier selbst in Brand gesetzt hat. Gut zwei Jahre habe er gebraucht, um das Geschehen zu verarbeiten.

Auch heute erleben die Feuerwehrmänner und -frauen immer wieder heikle Situationen, wenn sie zum Beispiel Menschen nach Verkehrsunfällen nur noch tot bergen können.

Dem entsprechend hatte Ortswehrleiter Rüdiger Wührl in seinem Jahresbericht zum Ausdruck gebracht, dass die Arbeit der aktiven Einsatzkräfte der Feuerwehr nicht mit anderen Hobbys gleichzusetzen sei. Wührl: "Brandschutz ist eine Pflichtaufgabe der Stadt." Gewisse Vergünstigungen wie reduzierte Preise für Saisonkarten in den Schwimmbädern oder auch die freien Grabstellen für langjährige Kameraden seien ein deutliches Zeichen, dass das Engagement der ehrenamtlichen Retter öffentlich anerkannt werde.