Die "Boßelbosse" liegen in diesem Jahr beim Trippiglebener Boßeln vorn: Mit 80 Punkten haben sie die "Jägermeister" geschlagen. Diese benötigten 84 Würfe für die Strecke nach Quarnebeck und zurück. Neben bester Stimmung bei einem gelungenen Familiennachmittag gibt es für die diesjährige Auflage der Veranstaltung auch den Verlust einer Kugel zu vermelden.

Trippigleben. Die Kugeln rollen lassen haben Trippiglebener und Gäste am Sonnabend: Einmal im Jahr startet vor dem Dorf ein Boßelturnier. In diesem Jahr war es die siebte Auflage der Veranstaltung. Jürgen Schulz ist einer der Mitorganisatoren und freut sich. Er sagt: "Diesmal sind 65 Besucher aus Trippigleben, aber auch Gäste von außerhalb mit von der Partie." Das ist ein Teilnahmerekord. Unter den Besuchern sind neben den 55 Erwachsenen auch 10 Nachwuchs-Boßeler.

Den Tagesrekord haben an diesem Sonnabend die "Boßelbosse" aufgestellt: Sie bewältigten mit 82 Würfen die rund 3,5 Kilometer lange Strecke vom Ortsausgang Trippigleben nach Quarnebeck und wieder zurück. Auf den Plätzen folgten die "Jägermeister" mit 84 Würfen, die "Tarzancrew XX" mit 89 Würfen, das Team "Fuchsschwanz" mit 90 und die "Nackedeis" mit 91 Würfen.

Während alle Mitspieler wohlbehalten wieder in Trippigleben ankamen, ging zwischendurch eine Kugel verloren: Sie versank im Flötgraben und wurde im Wasser nicht wiedergefunden. Jürgen Schulz gibt sie aber noch nicht verloren: In Kürze solle ein weiterer Bergungsversuch unternommen werden.

Ob die ungewohnt hohe Zahl an Teilnehmern - Jürgen Schulz hatte zunächst mit 30 bis 40 Besuchern gerechnet - am sonnigen Winterwetter lag, ist nur eine Vermutung. Die meisten Teilnehmer jedenfalls hatten sich bereits zu einer Teilnahme am Trippiglebener Straßenboßeln entschieden, als der Wetterbericht noch keinen Sonnenschein und klares Wetter für den Boßel-Termin prognostiziert hatte.

Vielmehr könnte es auch das Gesamtprogramm sein, das in Trippigleben die Familien vor die Tür gelockt hat: Es handelt sich keineswegs um einen verbissenen Wettkampf - vielmehr um einen heiteren Familienausflug mit Schmalzstullen und heißen Getränken zur Halbzeit und einer zünftigen gemeinsamen Mahlzeit mit Kaßler, Bregenwurst und Grünkohl zum Abschluss im Trippiglebener Saal. Start des Boßelns war kurz nach 14 Uhr, kurz vor 19 Uhr war die Veranstaltung dann beendet.

Das Boßeln ist ein Sport, der vor allem in Nordwestdeutschland verbreitet ist. In der Altmark ist er eher die Ausnahme. "Mitgebracht hat die Idee - samt gebrauchten Spielgeräten - vor einigen Jahren Fritz Henneick aus Ostfriesland", erinnert sich Jürgen Schulz. Diese Idee hat sich seitdem zu einem Höhepunkt im Trippiglebener Dorfleben entwickelt.

Die ältere Rechte am Boßeln haben in der Region allerdings andere: In Röwitz wenige Kilometer weiter wird bereits seit Mitte der 90er Jahre einmal im Jahr geboßelt.

Spielregeln

In Trippigleben wird angelehnt an die friesischen Regeln für das Straßenboßeln gespielt. Ziel des Spieles ist es, die vorgegebene Strecke mit so wenig wie möglich Würfen zu absolvieren. Zwei bis drei Mannschaften mit jeweils bis zu 15 Teilnehmern spielen in Gruppen, die Würfe erfolgen jeweils im Wechsel. Protokoll führt jeweils ein Spieler der gegnerischen Mannschaften.

Als Spielgerät werden Kunststoff- und Gummikugeln in verschiedenen Klassen genutzt, deren Durchmesser zwischen 9,5 und 12 Zentimetern und deren Gewicht zwischen 710 und 1220 Gramm liegt. In Trippigleben kommen zum Boßeln 11-Zentimeter-Gummikugeln mit Stahlkern zum Einsatz. Ein wichtiges Spielutensil ist zudem der Grabber - ein Korb an einer Holzstange, mit dem Kugeln, die in einen Graben gefallen sind, geborgen werden können.