Kunrau. "Oh, da muss ich heute mal ein wenig improvisieren!" Hilde Heimann ist in der Drömlingausstellung des Fremdenverkehrsvereins im Kunrauer Schloss eine begehrte Ausstellungsführerin. Dass die Mädchen und Jungen der dritten Klasse der Kunrauer Grundschule jetzt aber etwas darüber wissen wollen "wie es früher war", ist doch sehr allgemein. "Sonst gehe ich ja speziell auf unsere Region, den Drömling, oder auf unser historisches Klassenzimmer ein", erzählt sie. Jetzt also das Leben von früher. Klar, dass es dann vor allem um den Alltag der Menschen geht. Beste Gelegenheit, diesen zu zeigen, sind die Ausstellungsstücke, die in einem Raum wie in einer Puppenstube arrangiert sind: Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer sind da zu sehen.

"Was haben denn die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten als erstes am frühen Morgen gemacht?", will Hilde Heimann von den 15 Kindern wissen, die sich an dem Absperrband vor der historischen Küche versammelt haben. "Sie haben gefrühstückt!", lautet eine der Antworten. Oder: "Sie haben sich gewaschen!" Nach ein paar Versuchen der richtige Tipp: "Sie haben erst einmal Feuer gemacht!" "Genau", sagt Hilde Heimann. "Und das war alles andere als einfach. Erst einmal musste das Brennmaterial herangeschafft werden, und dann musste das Feuer entzündet werden. Dazu hatte man einen Kienspan angezündet", sagt Hilde Heimann und hält den Mädchen und Jungen wie zum Beweis ein Stück hin. "Und dann ist damit von Ofen zu Ofen gegangen, bis überall, wo man es brauchte, Feuer gebrannt hat." Da sei es nicht einfach an dem gewesen, das Thermostat der Heizung hochzudrehen. Zudem sei es keine solch saubere Angelegenheit gewesen wie heute: "Deshalb waren die Küchen früher auch immer verrußt", erzählt die Ausstellungsführerin.

Gut, wenn man einen Zeitzeugen wie sie mit dabei hat. Denn sie kennt sich auch aus mit dem Rösten der Gerste, zeigt den Schülern die entsprechende Gerätschaft. "Und was ist das hier?", fragt Hilde Heimann beim nächsten Exponat? Diesmal wissen alle die Antwort: So sah früher ein Bügeleisen aus. "Das ist mit Kohle gefüllt worden. Halte es einmal fest, wie schwer das ist!"

"So etwas haben wir doch auch noch Zuhause!"

Das nächste Ausstellungsstück ist wieder ein Rätsel. Eines, das - wie auch Horst Kricheldorf, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins, und Begleiter bei diesem Rundgang zu bestätigen weiß - auch bei vielen erwachsenen Besuchern zu Schulterzucken und fragenden Blicken führt: Hilde Heimann hält eine Glasglocke in der Hand. Auf deren unterer Seite wölbt sich der Rand nach innen zu einer Wulst. Eine Käseglocke? Eine Glashaube für eine Kerze? "Ich weiß es!", sagt Jaqueline Nauendorf, während sie sich meldet. "Das ist eine Fliegenfalle", sagt sie. "Woher hast du das denn gewusst?", will die Ausstellungsführerin von dem Mädchen wissen. "So etwas haben wir doch auch noch Zuhause!", sagt die Drittklässlerin. Überhaupt: auch bei einigen anderen altertümlichen Exponaten wissen die jungen Leute Bescheid, haben so etwas zu Hause schon einmal auf dem Dachboden oder bei den Großeltern gesehen.

Nach einem Abstecher ins Schlafzimmer, dem Bericht darüber, wie früher gesponnen und gestickt wurde, geht es dann doch noch in das Klassenzimmer. Natürlich hat dieses früher auch zum Alltag gehört, gerade zu dem der Kinder und Jugendlichen. Die 15 Mädchen und Jungen zwängen sich in die engen Bänke und schauen auf die Tafel, auf der mit für sie unbekannter Sütterlinschrift ein Spruch geschrieben steht. Hinter ihnen hängt an der Wand eine alte Karte der Altmark, auf den Tischen liegen Schiefertafeln. Hilde Heimann erklärt den Kindern, wie man diese benutzte, wie sehr man aufpassen musste, dass die Hausaufgaben nicht verwischt wurden und was es mit den unterschiedlichen Längen der Schnüre, an denen Schwamm und Lappen am Schulranzen hingen, auf sich hat. "Und jetzt zeige ich euch mal, wie der Unterricht funktioniert hat. Steht mal alle auf!", sagt Hilde Heimann. Das kleine Einmaleins ist angesagt. "Was ist fünf mal sechs?" Sinmon Habelitz ist der Erste, der ruft: "30!" Er darf sich als erster setzen. Nicht alle der 15 Schüler müssen eine richtige Lösung finden, bis sie sich hinsetzen dürfen. Denn dazu fehlt sie Zeit, innerhalb der Unterrichtsstunde möchte Hilde Heimann noch mehr vom früheren Alltag erzählen.

Der Besuch in der Ausstellung des Schlosses ist für die Kunrauer Schüler indes nicht das einzige unter der Überschrift "Wie es früher war". "Wir haben in den vergangenen Wochen im Sachkundeunterricht uns schon mit dem Thema beschäftigt", weiß beispielsweise Laura Dietrich zu berichten. Am heutigen Freitag wird im Klassenraum aus diesem Grunde auch eine kleine Ausstellung eröffnet. Wie Klassenlehrerin Christa Grabow erzählt, haben die Mädchen und Jungen ihrer Klasse in den vergangenen Wochen allerhand Material zusammengetragen: "Wir haben alte Bücher und Hefte, wir haben aber auch altes Spielzeug und kleine Dosen."