Oebisfelde (jpi). Wie Fahrschul-Anfänger fühlten sich am Donnerstagabend knapp 40 Frauen und Männer bei der ersten Verkehrsteilnehmerschulung im Rosengarten. Eingeladen hatte dazu Oebisfeldes Fahrschullehrer Jürgen Hercht. Grund für das Anfänger-Gefühl: Hercht hatte zu Beginn der Schulung Blätter mit aktuellen Prüfungsfragen zum Erhalt des Führerscheins ausgeteilt. Ergebnis: Die Köpfe fingen bei allen "Prüflingen" an zu rauchen. Durchgekommen wäre wohl keiner. Kein Wunder. Schließlich liegen die theoretischen Fahrschul-Prüfungen der Lehrgangsteilnehmer Jahrzehnte zurück. Doch nicht nur deshalb. "Die Prüfungsinhalte haben sich gegenüber vor 30, 40 oder 50 Jahren erheblich verändert. Sie sind nicht mehr zu vergleichen", erklärte Jürgen Hercht. Außerdem sei es schwer, aus dem Stand heraus, also ohne vorher zu üben, die oft komplizierten Fragen richtig zu beantworten. Sicherlich wissen nur wenige die präzise Antwort auf die Frage wie weit muss man beim Parken außerorts vom Andreaskreuz mindestens entfernt sein oder wie lang ist der Anhalteweg nach der Faustformel, wenn 100 Stundenkilometer gefahren werden, eine Reaktionszeit von einer Sekunde zur Verfügung steht und eine normale Bremsung durchführt wird.

Hercht, der mit seinen Angestellten im Jahr zirka 800 Fahrschüler betreut, räumte aber auch mit einigen Vorbehalten auf. Zum Beispiel mit dem gefährlichsten Verkehrsteilnehmer. Es sind nicht die legendären Hutfahrer, nicht Kinder oder Rentner, auch keine Radfahrer ohne Licht und auch nicht die jugendlichen Raser. Hercht: "Den gefährlichsten Verkehrsteilnehmer gibt es ebenso wenig, wie den sichersten." Aber es gibt Risikogruppen. Der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen zählt dazu. "Diese Altersgruppe hat in Deutschland das mit Abstand höchste Unfallrisiko im Straßenverkehr", sagte Hercht und wartete mit Zahlen auf.

So verunglückten 2009 79 814 junge Frauen und Männer dieser Altersgruppe in Deutschland. 796 fanden dabei den Tod. Die Zahlen für Sachsen-Anhalt: 2572 Unfälle sowie 33 getötete Frauen und Männer.

Im längerfristigen Vergleich ist allerdings laut Statistik eine positive Entwicklung festzustellen. Seit 1991 ist die Zahl der verunglückten 18- bis 24-Jährigen in Deutschland von 134 764 auf die erwähnten 79 814 Personen zurückgegangen. Die Zahl der Getöteten sank von 2 749 auf 796. Verantwortlich für das Absinken der Zahlen ist nach Meinung Herchts unter anderem die Einführung des Führerscheins mit 17. "Das Fahren in diesem Alter mit einer verantwortlichen Begleitperson hat sich bewährt. Der so genannte Fahrriemen vor allem bei den jungen Männern ist danach nicht mehr so stark ausgeprägt", begründete der 52 Jahre alte Fahrschullehrer, der bis zum Ende des knapp zweistündigen Lehrgangs weitere interessante Fakten parat hatte.

Die Lehrgangsteilnehmer, die übrigens alle über 50 Jahre alt waren, zeigten sich indes begeistert. "Eine runde Sache. Vor allem hat man nicht nur über den Straßenverkehr Dinge erfahren, die vielen nicht bekannt waren", lobte beispielsweise Ulrich-Max Sander.

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