Oebisfelde (jpi). Das vor allem im Winter auf hartgefrorenen Böden gespielte Boßeln gehört eigentlich zum hohen Norden Deutschlands. Doch mittlerweile ist das Werfen mit der Holz- oder Hartgummikugel in der Mitte der Republik angekommen. Auch in Oebisfelde. Zumindest bei den dritten Handballfrauen des SV Oebisfelde und ihren Partnern. "Wir sind bereits seit sechs Jahren auf Boßel-Tour. Eignet sich das Wetter nicht zum Spiel, geht es trotzdem los. Dann auf Wanderschaft", sagte am Sonntag Rainer Pratesi, Trainer der Handballfrauen und Boßel-Anführer.

Am Sonntag herrschte jedoch Kaiserwetter. Daher hieß es um 11 Uhr am Gehege: Boßel frei. Der offizielle Start erfolgte dann am Apfelweg. "Zum Boßeln ist der ausgebaute Weg natürlich bestens geeignet", so Pratesi. Auch die weitere Wegstrecke, der ebenfalls ausgebaute Kalkweg entlang der Bahnlinie bis Weddendorf, erwies sich für die Frauen und Männer als ideal. Aber bevor es in Richtung Weddendorf ging, war auf dem Kalkweg Pause angesagt. An Verpflegung mangelte es nicht. Denn zum Boßeln gehört immer auch ein mitgeführter Bollerwagen. Gefüllt ist der nicht nur mit fester Nahrung, sondern auch mit Warmmachern. Werden allerdings zu viele von den kleinen Fläschchen geleert, kommt der Klootsoeker, auch Grabber genannt, ins Spiel.

Der Grabber ist eine lange Stange mit einem daran befestigten Korb. Er ist dazu gedacht, die vom Weg getrudelte Boßelkugel aus dem Graben zu fischen. "Bei zu vielen Warmmachern wird der Grabber aber auch als Stütze vom betroffenen Boßler genutzt", erklärte Pratesi schmunzelnd und fügte hinzu: "Bei uns ist das aber noch nie vorgekommen." Wie dem auch sei. Nach der Kalkwegstrecke ging es auf dem Stadtweg zurück zum Gehege. Endstation war der Rosengarten einschließlich deftigen Essens und Auswertung. "Wir spielen nicht streng nach Regeln. Gewonnen hat die Mannschaft, der zum Schluss der weiteste Wurf gelingt. Als Preis erhält sie vom Verlierer eine Runde umsonst im Rosengarten", erläuterte der Boßel-Chef zum Abschluss.

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