Das 20. Schlittenhunde-Wagenrennen in Kunrau ist Geschichte. Der Schlittenhunde-Sportclub Niedersachsen (SSCN) hat traditionell mit diesem die Saison am Sonnabend und Sonntag am Kunrauer Hahnenberg beendet. Gleichzeitig war es der Abschluss der norddeutschen Meisterschaft.

Kunrau. Aufgeregtes Bellen schallt durch den Wald. Gleich geht\'s los! Die Schlittenhunde sind kaum noch zu halten, denn es ist Renntag. Wie jedes Jahr einmal kurz vor Frühlingsbeginn im Wald bei Kunrau seit 20 Jahren. Und wie jedes Jahr ist es eine andere, eine völlig neue Herausforderung für Veranstalter wie für Sportler. Musste beispielsweise die Strecke noch im vergangenen Jahr wegen Eis und Schnee verkürzt werden, um Fahrer und Tiere nicht zu gefährden, waren es diesmal die frühlingshaften Temperaturen, derentwegen zeitweise auf einer kürzeren Strecke gefahren wurde: Wenn die Quecksilbersäule auf einen Wert von mehr als 10 Grad Celsius steigt, wird auf einer kürzeren Strecke gefahren, bei mehr als 15 Grad Celsius wird das Rennen ganz abgesagt.

Rennleiter ist der SSCN-Vorsitzende Herbert Trümper. Er hat selbst über 14 Jahre mit seinen Tieren an Hundeschlittenrennen teilgenommen und weiß, warum dies notwendig ist: "Schlittenhunde sind natürlich an Kälte gewöhnt, sind auf sie eingestellt. Wenn es zu warm wird, dann laufen sie zwar das Rennen mit, machen danach aber schlapp." Zwar erhole sich ein Tier normalerweise davon schnell wieder - dies sei aber ein unnötiger Stress für den Hund. Da der größte Teil der Strecke im Schatten des Waldes verlief, hielte sich die Belastung für Sportler und Hunde allerdings in einem erträglichen Rahmen, so Trümper.

Dass bei Frühlingswetter keine Schlitten mit Kufen, sondern mit Rädern auf der ursprünglich auf 5,7 Kilometer festgelegten Strecke unterwegs sind, leuchtet ein. Gewertet wird in unterschiedlichen Klassen, die sich an der Anzahl der Hunde orientiert. Neben der offenen Klasse mit unbegrenzter Anzahl an Tieren gibt es die mit sieben oder acht Schlittenhunden als die größten Gespanne. Doch es geht auch ganz ohne Schlitten beim Schlittenhunderennen: In einigen Kategorien gehen die Sportler mit Hunden und Fahrrädern an den Start, und auch Läufer mit Hunden bilden eine Gruppe.

Keine Schwierigkeiten hatten die Musher - so nennen sich die Führer der Hundeschlitten - indes mit den Folgen des Schneebruchs im Wald. Die Organisatoren hatten eine Strecke herausgesucht, die frei geräumt war. "Und wenn doch einmal ein Ast auf der Strecke liegt, dann entspricht das ja durchaus den Verhältnissen in der Wildnis", sagt Trümper.

Das Rennen in Kunrau war übrigens der letzte Wertungslauf der Norddeutschen Schlittenhundemeisterschaft in dieser Saison. Unabhängig von der Wertung gibt es in der Region noch eine Veranstaltung im Harz - und dann steht für Hunde und Halter über mehrere Monate einzig das Training auf dem Plan. Für Kunrau angemeldet hatten sich über 70 Starter aus der Altmark, vor allem aber auch aus dem benachbarten Niedersachsen. Doch auch Nummernschilder aus Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen waren auf dem Gelände von Start und Ziel zu sehen.

Nachdem es nach dem 19. Rennen im Jahr 2010 ein paar ungeklärte Fragen zwischen Verwaltung, Waldeigentümern und Veranstaltern gegeben hatte, konnten die Unklarheiten laut Herbert Trümper inzwischen aus der Welt geräumt werden, so dass das 20. Jubiläumsrennen stattfinden konnte. Und auch eine 21. Auflage im kommenden Jahr sei denkbar.