Jene Seniorinnen, die regelmäßig die Treffen in der evangelischen Familienbildungsstätte (EFA) besuchen, sind musikalisch. Das haben sie in dieser Woche bei einem musikalischen Nachmittag mit Gunhild Heinrich unter Beweis gestellt.

Klötze. Frühlingslieder waren am Mittwochnachmittag im EFA-Haus zu hören. Gunhild Heinrich, die sich an der Landesmusikakademie Berlin zur Musikgeragogin hat ausbilden lassen, hatte die Seniorinnen, die sich einmal pro Woche in der EFA treffen, zum Singen eingeladen. Doch kaum war das letzte Lied verklungen, wurden Musikinstrumente, wie Trommel und Rasseln, zum gemeinsamen Musizieren verteilt. Gunhild Heinrich war ganz begeistert, wie gut die Frauen den "Entenmarsch im Frühling" oder auch den "Mexikanischen Walzer" intonierten. Und da ihr die Seniorinnen immer wieder spontan bestätigten, wieviel Spaß sie am Singen und Musizieren hatten, wartete die nächste Überraschung auf sie. "Ich möchte mit ihnen zusammen auf Veeh-Harfen musizieren", kündigte Gunhild Heinrich, eine studierte Kirchenmusikerin, an. Doch bevor die ersten Frauen sich dem Instrument widmeten, gab es eine kurze Einführung in die Instrumentenkunde.

Mit Fördergeldern Instrumente gekauft

Erdacht wurde die Veeh-Harfe von Landwirt Hermann Veeh, der in einem kleinen Ort in Franken lebt. Da er bei seinem Sohn Andreas, der mit einem Down-Syndrom auf die Welt kam, dessen Musikalität schon im frühen Kindesalter feststellte und diese auch gern fördern wollte, suchte er nach einem für Andreas passenden Instrument. Da er das unter den herkömmlich bekannten Instrumenten nicht finden konnte, entwickelte er die Veeh-Harfe.

Heute, wo Andreas Veeh Ende 30 ist, hat sich die Idee von Hermann Veeh zu einer Geschäftsidee entwickelt, von der die gesamte Familie lebt. Die Familie und auch Sohn Andreas konnte Gunhild Heinrich vor ein paar Tagen bei einem Besuch in der Veeh-Werkstatt kennenlernen. "Bei meiner Ausbildung zur Musikgeragogin in Berlin bin ich zum allerersten Mal mit der Veeh-Harfe in Berührung gekommen und war sofort total begeistert", erzählt sie. Mit ihrer Begeisterung hat sie auch Falk Kindermann, Leiter der Salzwedeler Musikschule, angesteckt. Der stellte einen Fördergeldantrag und über ein EU-Förderprogramm bekam die Musikschule die neuen Instrumente. Die haben bis vor dem Einsatz in der Klötzer EFA bei Familie Heinrich im Pfarrhaus gestanden, "und ich habe sie erst am Dienstag gestimmt, denn sie hier in Klötze sind die Ersten, die die Veeh-Harfen ausprobieren", erklärt die Salzwedelerin. Ein großes Staunen und Raunen ging durch den Raum.

Damit hatte sie wohl dann auch den Ehrgeiz der Seniorinnen geweckt. Die zeigten keine Scheu, steckten die Notenblätter hinter die Seiten und begannen, diese zu zupfen, obwohl sie vorher noch nie auf solch einem Instrument gespielt hatten. Das war auch der Grundgedanke von Hermann Veeh, als er die Idee zum Bau dieses Zupfinstrumentes hatte: Ohne Notenkenntnisse können Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten musizieren und dem Instrument einen bezaubernden Klang entlocken, wie Gunhild Heinrich erzählt.

Der Enthusiasmus der Klötzer Seniorinnen zeigte Gunhild Heinrich, dass ihr Plan, dieses Instrument jetzt öfter bei Seniorengruppen im Altmarkkreis Salzwedel zum gemeinsamen Musizieren einsetzen zu wollen, genau der richtige ist.

Zudem möchte die Salzwedelerin an ihrem Ziel, die Salzwedeler Kreismusikschule weiter zur ersten Veeh-Harfen autorisierten Musikschule im Land Sachsen-Anhalt zu entwickeln, weiter arbeiten. "Ich möchte gern ein Ensemble aus Kindern, Erwachsenen und Senioren aufbauen, die zusammen auf diesem Instrument spielen."

Im Ensemble, so die Erfahrung der Musikgeragogin, habe man mehr Möglichkeiten, das Spielen auf der Veeh-Harfe zu verfeinern: "Wenn man nur allein für sich spielt, gerät man schnell an Grenzen. Außerdem macht es ja sehr viel mehr Spaß, in der Gemeinschaft Musik zu machen", findet sie. Und das haben die Frauen, die am Mittwoch in der EFA zu Gast waren, eindringlich unter Beweis gestellt.

Bilder