Auf ihrer Tour durch Senioren- und Behinderteneinrichtungen des Altmarkkreises machten die Mitglieder des Kreisseniorenbeirates gestern im Beetzendorfer Caritas-Heim Station. Dort erfuhren sie, wie die geistig behinderten Menschen betreut und gefördert werden.

Beetzendorf. Vor acht Jahren waren die Mitglieder des Kreisseniorenbeirates, der damals noch Kreisseniorenvertretung hieß, schon einmal im Beetzendorfer Caritas-Heim. "Doch seitdem hat sich sehr viel verändert", staunte Vorsitzender Günther Haase beim erneuten Abstecher gestern Vormittag. Vor allem die umgestaltete Außenanlage mit der neuen Freilichtbühne und den großzügigen Grünflächen beeindruckte die Besucher.

Heimleiter Alexander Haase und die pädagogische Mitarbeiterin Julia Morys führten die Kreisseniorenbeiräte durch die Einrichtung, in der 84 erwachsene Menschen mit geistigen und schwerst mehrfachen Behinderungen untergebracht sind. Neben den sechs Wohngruppen im Haupthaus gehören zum Heim außerdem zehn Bewohner im Werthmannhaus, 16 in dezentralen Wohngruppen, die sich in der Friedensstraße und am Audorfer Weg befinden, sowie das Wohnheim in Letzlingen mit 26 Plätzen, in dem unter anderem geistig behinderte Kinder und Jugendliche untergebracht sind.

100 Mitarbeiter sind sieben Tage die Woche rund um die Uhr für die Heimbewohner da. "Unser Personalschlüssel liegt bei eins zu 1,8, so dass wir uns auch individuell um einzelne Bewohner kümmern können", berichtete Alexander Haase. Eine Minutenberechnung für einzelne Tätigkeiten wie in Pflegeheimen finde nicht statt.

Besonderen Wert legt das Heim auf die Qualität und die Zufriedenheit der Mitarbeiter. "Bei uns gibt es nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die überwiegend zwischen 30 und 35 Stunden in der Woche arbeiten. 63 Prozent sind Fachkräfte", erläuterte der Heimleiter. Die Personalfluktuation sei minimal, was besonders den Bewohnern zugute kommt. Sechs Mitarbeiterinnen befinden sich derzeit in Elternzeit - ein Ausfall, der der Heimleitung alles andere als Sorgen bereitet. "Wir unterstützen den Kinderwunsch und nutzen in der Zwischenzeit die Gelegenheit, neue Mitarbeiter auszutesten und ihnen eine Chance zu geben, anschließend von uns übernommen zu werden", erklärte Haase. Niemand, der wegen eines Kindes aussetzt, brauche Angst vor einer Entlassung zu haben.

Die Heimbewohner sind im Ort voll integriert. Das Gelände an der Friedensstraße ist für jedermann offen und donnerstags ab 14 Uhr besteht für die Beetzendorfer sogar die Gelegenheit, zum Kaffee in der Begegnungsstätte Haus Heinrich vorbeizukommen. Einige Bewohner der Außenwohngruppen nehmen an Seniorenkreisen teil und auch die jährlichen Veranstaltungen wie die Caritas-Festspiele im Park oder der Tag der offenen Tür werden von den Beetzendorfern sehr gut angenommen. "Beetzendorf ist eine behindertenfreundliche Gemeinde", lobte Alexander Haase.

Angebote von Töpfern bis Reittherapie

Wie in Seniorenheimen gibt es auch in der Caritas-Einrichtung einen Bewohnerbeirat. "Er wurde 2009 für vier Jahre gewählt und besteht aus fünf Bewohnern, denen ein Begleiter zur Seite gestellt wird", berichtete der Heimleiter. Themen, die der Beirat anspricht, drehen sich durchaus nicht nur um das Thema Verpflegung. "Letztens ging es beispielsweise um die Fernsehprogramme. Einige Bewohner wünschten sich zusätzliche Sender, um bestimmte Sportsendungen sehen zu können. Das konnten wir im Zuge der Umstellung von analogen auf digitalen Empfang ermöglichen", erzählte Julia Morys.

Neben dem Chor "Heimdrosseln" gibt es in der Einrichtung auch eine Theater- und eine Karaokegruppe. Zudem können sich die Bewohner, die allesamt nicht werkstattfähig sind, in der eigens eingerichteten Tagesstätte "Haus Elisabeth" auf dem Heimgelände mit Malen, Basteln und Töpfern beschäftigen. Dreimal in der Woche gibt es die Möglichkeit zur Reittherapie, ein Entspannungsraum lädt zum Ausruhen ein und bei der Physiotherapeutin im Haus kann die Motorik geschult werden.

Günther Haase zeigte sich im Namen der Kreisseniorenbeiräte beeindruckt von den Betreuungsangeboten im Caritas-Heim. "Es ist auch wichtig, dass wir uns das angesehen haben und miteinander ins Gespräch gekommen sind. Denn wer nichts weiß, kann auch nichts sagen", meinte der Vorsitzende. Der Beirat will über den Besuch und seine Eindrücke vom Heim einen Bericht schreiben und diesen an den Kreistag weiterleiten. Denn dem sind die Kreisseniorenbeiräte seit vergangenem Jahr offiziell unterstellt.