Jübar/Dahrendorf. Derzeit wird an einem Acker bei Dahrendorf eine neue Drainageleitung verlegt. Da dieses Gebiet geschichtsträchtig ist, wurden die Jungen Archäologen der Altmark im Auftrag des Landesamtes für Archäologie gebeten, eine Notgrabung vorzunehmen. Dabei entdeckten sie unter anderem ein etwa 5000 Jahre altes Steinbeil.

Vier verschiedene Siedlungsflächen der Vorfahren sind nahe Dahrendorf bereits bekannt. "Die unwahrscheinliche Siedlungsdichte ist schon erstaunlich", sagt Ulf Rosenthal, ehrenamtlicher Beauftragter für archäologische Denkmalpflege in der Altgemeinde Lagendorf und Mitglied des Vereins Junge Archäologen der Altmark. Deshalb nahm er gemeinsam mit Hartmut Bock, Harald Jentschke, Jan Angerhöfer, Maximilian Peltner, Lisa, Paul, Max und Thomas Janikulla eine etwa zwei mal 0,5 Meter große Fläche genauer unter die Lupe, die bei den Arbeiten für die neue Entwässerung berührt wurde. Bei der Notgrabung werde versucht, die Situation vor Ort einzumessen und herauszufinden, ob es sich um eine ganze Siedlungsfläche handele. Unter einer etwa zehn Zentimeter dicken Scherbenschicht fand sich eine sieben bis zehn Zentimeter starke Ascheschicht. "Wir wissen noch nicht, ob es sich um ein Einzelgehöft handelt oder ob noch mehr in diesem Bereich gestanden hat", sagt Ulf Rosenthal. Eine Antwort würde nur eine intensive Grabung geben, bei der ein größeres Areal untersucht werde.

Bei der Notgrabung fanden sich viele Scherben aus der Eisenzeit (etwa 2500 Jahre alt), aber auch ein Steinbeil aus der älteren Trichterbecherkultur, das etwa 5000 Jahre alt sei. "Es ist richtig aus Stein. So etwas habe ich schon lange gesucht, aber bisher noch nicht gefunden", erzählt der 54-Jährige, dessen Interesse für die Archäologie durch ein Buch über das 19. Jahrhundert geweckt wurde. In diesem las er über Funde in Dahrendorf. Seit dem Jahr 2003 ist er auch Mitglied im Verein Junger Archäologen: In jenem Jahr entdeckten diese 24 Gräber aus der römischen Kaiserzeit nahe Dahrendorf, quasi vor der Haustür von Ulf Rosenthal. "Es ist schon ein Unterschied, ob man über Geschichtliches liest oder ein Zeugnis vergangener Zeiten selbst in die Hand nehmen kann", beschreibt er. Bei den Gassi-Runden mit seinem Hund in Dahrendorf schaut er interessiert zu Boden und hat schon so manche Entdeckung gemacht. Da steige der Adrena-linspiegel, wenn er dann solch eine Rarität wie das Steinbeil zu Gesicht bekomme. "Dieses Hobby geht aber nur, weil meine Frau es toleriert", gesteht Ulf Rosenthal. Die Garage diene als Zwischenlager für die Funde, die das Landesamt für Archäologie einmal im Jahr abholt.

Dahrendorf sei übrigens fast durchgängig seit der Steinzeit besiedelt gewesen. Nur auf Bewohner in der Bronzezeit gebe es wenig Hinweise.

In der vergangenen Woche erfolgten die letzten Untersuchungen. "Damit der Bauer dann mit der Frühjahrsbestellung beginnen kann", sagt Ulf Rosenthal. Die Kooperation funktioniere prima. Leider gebe es im benachbarten Harpe (Niedersachsen) keine archäologischen Erkenntnisse. Der Dahrendorfer vermutet, dass die einstige Besiedlung dort weitergehe. "Aber uns sind da die Hände gebunden, weil es ein anderes Bundesland ist", schildert der Dahrendorfer.

Die Funde der Notgrabung würden übrigens ins Zentralarchiv überführt und genauer untersucht. Derzeit werde an einem Katalog gearbeitet, in dem die Zeugen der Vergangenheit zusammengefasst werden. Denn das Entdeckte würde nicht nur beim Landesamt in Halle lagern, sondern auch im Salzwedeler Danneilmuseum.