234 Einwendungen gegen den geplanten Bau der Schweinemastanlage werden heute Vormittag von Mitgliedern der BUND-Ortsgruppe Kunrau persönlich zum Landesverwaltungsamt nach Halle gebracht. Weitere Einwendungen sind auf dem Postweg in die Hallorenstadt unterwegs oder dort schon eingetroffen.

Kunrau. Nein, mit einer solch großen Resonanz haben die Macher der Kunrauer BUND-Ortsgruppe nicht gerechnet: 234 Einwendungen haben sie in den vergangenen Tagen gegen den geplanten Bau der Schweinemastanlage durch eine Bad-Bentheimer-Investorengruppe für betroffene Bürger formuliert, geschrieben und/oder entgegengenommen. "Die letzten Tage waren ziemlich anstrengend", schätzten sie am Mittwochnachmittag bei einem Pressegespräch ein. Doch die Info-Veranstaltungen und die insgesamt acht Beratungstage im Schloss haben sich gelohnt, wie sie allesamt finden. "Wir haben schon gewusst, dass dieser Mastanlagen-Bau in der Bevölkerung ein großes Interesse findet, aber dass das in so einem Maße interessant ist, hat auch unsere Erwartungen übertroffen", sagte Günter Zogbaum. Denn nicht nur zu den Beratungstagen im Schloss, sondern auch auf der Straße oder beim Einkaufen seien Mitglieder der BUND-Ortsgruppe bezüglich der Einwendungen angesprochen worden. Selbst abends habe es noch vielfach an den Haustüren der Mitglieder geklingelt, weil betroffene Bürger Hinweise zum Formulieren der Einwendungen haben wollten, freute sich Günter Zogbaum. Besonders gefreut hat dabei die BUND-Gruppenmitglieder, dass etliche Bürger beim Formulieren ihrer Einwendungen Argumente angeführt haben, die bisher noch nicht im Fokus der Gruppe gestanden haben. So wusste ein Bürger von einer Studie der Uni Potsdam zu berichten, in der nachgewiesen wird, dass Gülle bei leichtem Böenwind bis fünf Meter tief ins Erdreich eindringen und das damit langfristig verseuchen kann, wie Günter Zogbaum erläuterte. Trotz der vielen Arbeit, die die BUND-Mitglieder in den vergangenen Wochen mit den Einwendungen hatten, ist die Freude darüber besonders groß, dass es nicht nur die Kunrauer waren, die diese Einwendungen geschrieben haben: "Wir haben Einwendungen von Einwohnern aus vielen umliegenden Gemeinden, aber auch aus Oebisfelde, Bernburg, Magdeburg, Potsdam, Tangeln und Mellin bekommen", zählt Gudrun Lenz auf. Jene, die heute nicht mehr in Kunrau wohnen, hätten jedoch als ehemalige Einwohner des Ortes von dem Kampf gegen die Schweinemastanlage gehört, wollen diesen durch ihre Einwendungen unterstützen, oder aber sind als Land- oder Waldeigentümer vom Mastanlagenbau betroffen.

Günter Zogbaum, Dieter Fröhlich, Roland Predehl und Friedhelm Licht werden heute Vormittag alle Einwendungen persönlich ins Landesverwaltungsamt bringen. "Wir werden uns den Eingang der Einwendungen unterschriftlich bestätigen lassen", kündigte Gruppenmitglied Wolfgang Lenz an. Immerhin soll es nicht noch einmal passieren, dass Unterlagen, wie seinerzeit die Unterschriftenlisten der Kunrauer gegen den Mastanlagenbau, plötzlich nicht mehr auffindbar sind (wir berichteten).

Bei der Übergabe der Einwendungen wird auch Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des BUND in Sachsen-Anhalt, dabei sein. Immerhin hatte der BUND in den vergangenen Wochen und Monaten den Protest der Kunrauer gegen den Mastanlagenbau maßgeblich unterstützt.

Anhörungstermin am 14. Juni

Sind die Einwendungen in Halle abgegeben (Stichtag ist der 5. April), heißt es für die Bürger den 14. Juni abzuwarten. An diesem Tag soll es am Vormittag im Kunrauer Schloss den Anhörungstermin zum Mastanlagenbau geben. "Jeder, der eine Einwendung geschrieben hat, wird an diesem Tag von unserem Rechtsanwalt bei diesem Termin vertreten. Wer es wünscht, kann sich aber auch selbst vertreten", kündigt Günter Zogbaum an. Er und seine Mitstreiter gehen davon aus, dass zu dem Anhörungstermin viele Bürger als Zuhörer anwesend sein werden, auch wenn es für viele Berufstätige fast unmöglich sein wird, dabei sein zu können. Schön, so die Gruppe, wäre es, "wenn alle die, die Einwendungen geschrieben haben, dabei sind, um noch einmal deutlich zu machen, dass wir die Mastanlage nicht wollen".