Stellen Sie sich vor: Ein Mensch liegt tot in seiner Wohnung in der Nachbarschaft und niemand bemerkt es. So geschehen in den vergangenen Tagen in Klötze. Zwar hat Erwin Wiechmann schon befürchtet, dass bei seinem Bekannten etwas nicht stimmt. Doch auf seine Hinweise ist nicht reagiert worden.

Klötze. Erwin Wiechmann aus dem Wohngebiet An der Wasserfahrt in Klötze ist zu 100 Prozent schwerbehindert. Er braucht Hilfe. Regelmäßig kommt deshalb ein Bekannter aus dem benachbarten Hegefeld zu ihm, um ihm zu helfen, den Alltag zu meistern. Doch plötzlich und ohne Vorankündigung bleiben die Besuche aus. Erwin Wiechmann ist beunruhigt. Alle Versuche, mit dem Bekannten Kontakt aufzunehmen, scheitern: Er geht nicht ans Telefon und die Tür bleibt verschlossen. Der Briefkasten quillt inzwischen über.

Drei Wochen lang versucht der Klötzer auf die Situation aufmerksam zu machen und Hilfe zu bekommen. Vergebens. "Ich habe keinen Ansprechpartner gefunden, der mir helfen wollte. Niemand gab mir Auskunft, wie ich mich verhalten soll", berichtet Erwin Wiechmann. Immer sei ihm nur geantwortet worden, es handele sich um einen erwachsenen Mann. Der muss sich nicht abmelden, kann auch mal verreisen oder nur die Tür nicht öffnen wollen. Wen er informiert und um Hilfe gebeten hat, mochte Erwin Wiechmann allerdings nicht sagen.

Am Mittwoch dann die traurige Gewissheit: Im Beisein der Polizei wird die Tür zur Wohnung des 54-Jährigen geöffnet. Er ist tot, wahrscheinlich schon seit drei Wochen, seit Erwin Wiechmann seinen Bekannten vermisste.

Den Fund bestätigte auch die Polizei. "Ja, es ist ein Mann tot aufgefunden worden. Das ist aber kein Fall für uns, weil es sich um einen natürlichen Tod handelt", sagte Polizeisprecher Gerd Schönfeld am Donnerstag.

Erwin Wiechmann hat der Tod seines Bekannten sehr mitgenommen. Wütend ist er, weil niemand auf seine frühen Hinweise hin geholfen hat. "Die Gleichgültigkeit der Mitmenschen ist unerträglich", beklagt Erwin Wiechmann. Schließlich habe er rechtzeitig darauf hingewiesen, dass etwas nicht stimme. Er räumt auch ein, dass sein Bekannter "sich schon einmal für zwei bis drei Tage in seiner Wohnung abgeschottet hat". "Aber das war die Ausnahme", sagt Wiechmann. Er fühlte sich mit der Situation alleingelassen und wollte doch nur helfen.

Doch was tun in einer solchen Situation? "In erster Linie sollte die Polizei verständigt werden", erklärte Kathrin Wißwedel, Ordnungsamtsleiterin der Stadt Klötze. "Dann kommt die Information dorthin, wo sie hin muss."Auch das Ordnungsamt würde den Hinweis annehmen und entsprechende Schritte in die Wege leiten. "Eventuell kann man noch den Vermieter oder Verwandte informieren."