Viel Spaß hatten die Mitglieder des Oebisfelder Heimatvereins am Sonnabendabend bei der Führung durch die nächtlichen Straßen der Oebisfelder Altstadt. Mit Stab, Laterne und Horn ausgestattet hatte der Vereinsvorsitzende Ulrich Pettke mit seinem Team zur Nachtwächterführung eingeladen. Die stieß nicht nur auf großes Interesse bei denVereinsmitgliedern, sondern auch bei einem Team des mdr.

Oebisfelde. "Ich lade sie ein, gemeinsam mit dem Nachtwächter zu schauen, ob in der Stadt auch alles mit rechten Dingen zugeht", begrüßte Pettke die Gäste der Nachtwächterführung. Vom großen ging es zunächst zum kleinen Burghof, wo es Erläuterungen zur Burg, zum Burgturm, zum Kaminzimmer und natürlich auch zu den Gefangenen im Verließ im Tonnengewölbe gab. Wem bei den Ausführungen zu den Foltermethoden mit Daumen- und Zehenschrauben, Knochen brechen, Ohr abschneiden und dergleichen nicht schon Schauer über den Rücken liefen, der gruselte sich spätestens, als das Geschrei eines von Schmerzen geplagten Gefangenen zu hören war.

Weiter ging es zur Stadtmauer in Richtung Braunschweiger Tor, das eines von drei Stadttoren gewesen war. Dort erfuhren die Anwesenden, woher der Begriff Torschlusspanik stammt. "Im Mittelalter wurden abends die Stadttore geschlossen, um die Bewohner zu schützen. Wer außerhalb der Stadt war, durfte den Torschluss nicht verpassen. Wer nach Torschluss kam, musste zum Beispiel in Leipzig bis 1824 eine Einlassgebühr zahlen. Wer Torschlusspanik hat, hat Angst, zu spät dran zu sein."

Durch die Achterstraße, der Straße mit der größten Konzentration an Fachwerkhäusern im Ort, ging es weiter. Der Nachtwächter erzählte, dass er schon in siebenter Generation Nachtwächter sei, klagte über sein karges Gehalt, welches er von den Stadtoberen bekomme. Dabei müsse er sich ja so mit dem Pöbel herumplagen, der nicht mal Ahnung vom Tuten und Blasen habe, so wie es ein Nachtwächter oder auch ein Kuhhirte haben müsse. Man stelle sich vor, die könnten das nicht, dann wüsste niemand im Volke, ob gerade für eine Bekanntmachung oder wegen eines großen Feuers geblasen werde. Oder bei den Kühen. Werde dort falsch getrötet, wüssten die Bauern nicht, ob das vom Kuhhirten oder vom Schweinehirten kommt und würden womöglich die falschen Tiere aus den Ställen auf die Straße treiben.

Der Nachtwächter musste aber auch gut bei Stimme sein. Er trötete nicht nur in sein Horn sondern rief auch: "Oebisfelder, geht nach Haus. Wir machen bald die Lichter aus. Lasst das Lärmen, lasst das Lachen, Wir müssen nun die Stadt bewachen. Soweit war es dann aber doch noch nicht. Denn über den Kirchplatz und den Schildplatz ging es die Mauerstraße und Badestubenstraße entlang an der Magdeburger Straße zum Markt, wo es jeweils umfangreiche Erklärungen zu Besonderheiten gab. Begegungen mit Halunken und Bettlern, Wasch- und Hausfragen waren bei der sehr gelungen nächtlichen Führung wie der abschließende Umtrunk inklusive.

"Lassen Sie sich (ver)führen" heißt es auch wieder am Sonnabend, 9. April, in Oebisfelde. Ab 20 Uhr führt der Oebisfelder Nachtwächter seine Besucher durch die Burg und Altstadt. Anmeldungen können in der Buchhandlung Hoffmann, (039002)42157, abgegeben werden. Die Teilnehmerzahl ist auf 50 Personen begrenzt.

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