Michaela Trebe und ihr Mann Torsten Spinn, Besitzer des ehemaligen E-Werkes in der Schulstraße, haben vor kurzem auf ihrem Grundstück eine sehr gut erhaltene Grabplatte aus dem 18. Jahrhundert entdeckt. Am Donnerstag nahmen die Platte die Oebisfelder Archivare Friedrich-Karl Sonntag und Horst Schröder in Augenschein.

Oebisfelde. "Die Platte haben wir bereits vor geraumer Zeit ausgegraben. Sie diente als Trittstein vor dem Eingang zum Haus. Allerdings lag die Seite mit den Inschriften und Verzierungen nach unten, so dass wir uns keine Gedanken machten. Als wir die Platte jetzt aber umdrehten, sind wir auf die interessanten Fakten gestoßen", erklärte Torsten Spinn am Donnerstag. Das Ehepaar informierte daraufhin den Heimatverein.

Der Verein reagierte sofort, mobilisierte die Archiv-Spezialisten Friedrich-Karl Sonntag und Horst Schröder. Ihr erstes Fazit: "Genaues können wir natürlich noch nicht sagen. Wir müssen die Inschrift erst in Ruhe auswerten. Auf jeden Fall ist es ein sehr interessanter Fund", sagte Sonntag.

Aber es gibt erste, vermutete Details. Die Platte diente als Grab- oder Gruftabdeckung für einen Oebisfelder. Sein Vorname lautete Friedrich. Sein Hintername vermutlich Kovens. Geboren ist er im September 1635, verstorben im 77. Lebenjahr, im Februar 1712. Der Oebisfelder muss vermögend gewesen sein, denn eine Grabplatte von dieser Größe einschließlich der vielen Verzierungen konnte sich das gemeine Volk nicht leisten.

Der vermutliche Name Kovens ist den beiden Archivaren allerdings unbekannt. Um einen ehemaligen Bürgermeister, wie zuerst vermutet, handelt es sich nicht."Zu seinen Lebzeiten waren Bertrend Holste, Andreas Heinecke, Johann Ernst Rudolphie und Johann Viktor Meine die Stadtoberhäupter", erläuterte Archivar Sonntag.

Ein Ansatzpunkt wegen der Namensähnlichkeit könnte der Bürgermeister Georg Gebhard Kove sein. Er führte die Kommune von 1718 bis 1719. "Wie gesagt, wir müssen die Inschrift erst genau studieren und anschließend die erhaltenen Stadtunterlagen aus der in Frage kommenden Zeit durchsehen", fasste Sonntag zusammen.

Völlig unklar ist dagegen, wie die Sandsteinplatte auf das Gelände des im August 1908 eröffneten E-Werkes gekommen ist. "Das werden wir wohl nie herausfinden", sagte Archivar Schröder. Schulterzucken ebenfalls bei Ulrich Pettke, Vorsitzender des Heimatvereins. Pettke hat zum E-Werk eine besondere Beziehung. Er wohnte mit seinen Eltern, Vater Wolfgang war Maschinist, viele Jahre im Werk. "Weder meine Eltern noch ich hatten Ahnung von diesem geschichtsträchtigen Treppenstieg", sagte der Vereinschef auf Anfrage.

Die Zukunft der Grabplatte scheint indes gesichert zu sein. Sie soll auf dem großen Burghof vom Verein als Ausstellungsstück präsentiert werden.

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