Obwohl Dr. Gerhard Wünn, der 2002 im hohen Alter von 92 Jahren verstorben ist, kein gebürtiger Oebisfelder war, ist er zu einem bekannten Allerstädter geworden. Vor allem wegen seines Berufes als Zahnarzt, aber auch wegen seinem Hobby - dem Malen.

Oebisfelde. Von Dr. Wünns künstlerischer Ader profitieren nun die Mitglieder des Oebisfelder Heimatvereins. Sigrid Tschuschke, 85 Jahre alte Schwägerin des Arztes, hat die künstlerische Nachlassenschaft von Dr. Wünn dem Heimatverein übergeben. Dabei handelt es sich um 17 Bilder, auf denen zum Großteil Landschaften zu sehen sind. "In Abstimmung mit der Verwandtschaft haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen", sagte Sigrid Tschuschke während der Übergabe an Horst Schröder vom Heimatverein.

Zuletzt hingen die mit Ölfarben gemalten Bilder und Kohlestiftzeichnungen in den ehemaligen Praxisräumen von Dr. Wünn im Haus an der Lindenstraße/Ecke Einfahrt Altenpflegeheim "Dr. Kurt Reuber". In diesem Haus war auch einmal die Kantorei untergebracht und die Räumlichkeiten dienten auch als Schule. Vielen älteren Oebisfeldern ist sie noch als Seeber-Schule, benannt nach dem Lehrer Herrmann Seeber, bekannt.

Dr. Gerhard Wünn ist am 3. Januar 1910 im schlesischen Wohlau geboren und hat an der Universität von Königsberg Medizin studiert. Wie Millionen anderer Deutscher musste er nach Ende des Zweiten Weltkrieges wegen der Vertreibung mit seiner Familie einen Neuanfang starten. "Mein Schwager kam 1946 verletzt aus Schlesien nach Oebisfelde", erzählt Sigrid Tschuschke. Er baute sich seine Praxis zunächst in der Langen Straße auf und wurde ein geachteter Mitbürger.

Der Malerei hat sich Dr. Wünn, so seine Schwägerin, vor allem bis in die mittleren Jahre gewidmet. Später habe ihn dann zu sehr der Arztberuf in Anspruch genommen, so dass er nur noch selten seinem Hobby frönen konnte. Die Landschaften hatten es ihm angetan - die in seiner schlesischen Heimat, aber auch an verschiedenen Urlaubsorten. Denn Familie Wünn galt als reisefreudig.

Die Bilder von Dr. Wünn sollen indes so schnell wie möglich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wo, darüber informierte Ulrich Pettke, Vorsitzender des Heimatvereins: "Der Vorraum im Aufgang zur ersten Etage vor der Burgkapelle im Burg- und Heimatmuseum könnte mit diesen Bildern gestaltet werden. Die bildmäßige Ausgestaltung hatten wir schon seit längerer Zeit ins Auge gefasst. Möglich wäre aber auch, dass wir kurzfristig eine Sonderausstellung mit den Werken von Dr. Gerhard Wünn organisieren. Auf jeden Fall möchten wir uns für die Spende der Familie recht herzlich bedanken."