Des einen Freud, des anderen Leid: Während die Rohrberger über die Abwendung des geplanten Windparks vor ihrer Haustür mittels des geänderten Regionalplans jubeln, herrscht in Apenburg-Winterfeld gedrückte Stimmung. Der gleiche Plan stuft die ebenfalls von Firmen für einen Windpark auserkorene Fläche zwischen Apenburg und Recklingen als Vorranggebiet ein.

Apenburg. Die Errichtung eines Windparks zwischen Apenburg und Recklingen, gegen die sich die Gemeinde seit einigen Jahren zur Wehr setzt, rückt näher. Wie Bürgermeister Harald Josten am Dienstagabend im Apenburg-Winterfelder Rat bekanntgab, hat die Regionalversammlung der Regionalen Planungsgemeinschaft Altmark den Entwurf des sachlichen Teilplans Wind als Ergänzung des Regionalen Entwicklungsplanes beschlossen, in dem besagte Fläche als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen wird. Damit ist grundsätzlich der Weg frei für die Firma aus dem niedersächsischen Edemissen, die hier acht Windkraftanlagen errichten will (wir berichteten).

Drei Bauanträge liegen vor, das Landesverwaltungsamt hatte das Genehmigungsverfahren jedoch zunächst ausgesetzt, bis die Regionale Planungsgemeinschaft über die Verteilung der sogenannten Weißflächen, auf denen Windräder errichtet werden können, entschieden hat. Das ist jetzt geschehen. "Die Entscheidung für das Vorranggebiet fiel in der Regionalversammlung mit zwei Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme. Die restlichen Mitglieder haben sich enthalten", informierte Harald Josten.

Nur wenige Tage nach dem Beschluss kommt offenbar bereits Bewegung in die lange Zeit ruhenden Windparkpläne. Nicht nur, dass Vertreter der Betreiberfirma derzeit wieder rund um Apenburg unterwegs sind, um Grundstückseigentümer von einer Verpachtung ihrer Flächen zu überzeugen. Nach unbestätigten Berichten hat die Regionale Planungsgemeinschaft inzwischen auch dem Landesverwaltungsamt empfohlen, seinen Stopp des Genehmigungsverfahrens aufzuheben. Im Gegenzug soll die Windstrom-Firma ihre Klage gegen die Behörde wegen der Aussetzung zurückgezogen haben.

Acht Windräder sollen errichtet werden

Allerdings hat der beschlossene Teilplan Wind noch gar keinen rechtlichen Bestand, da zunächst das übliche Beteiligungsverfahren der Träger öffentlicher Belange anläuft. Binnen zwei Monaten können noch Einwände geltend gemacht werden. "Da stellt sich doch die Frage, ob trotzdem das Genehmigungsverfahren weiterlaufen und sogar schon zu einer Baugenehmigung führen kann, obwohl noch gar keine Rechtsgrundlage besteht", erklärte Harald Josten. Gerne hätten die Apenburg-Winterfelder Räte dazu einen Vertreter der Regionalen Planungsgemeinschaft befragt, doch zur Sitzung am Dienstag hatte niemand Zeit. "Wir probieren es zur nächsten Sitzung wieder", versprach der Ortschef, dem besonders sauer aufstieß, dass seitens der Regionalplaner der Vorrang privater Interessen vor denen der Kommune betont worden sei.

Von den acht geplanten Windrädern sollen fünf in der Apenburger Gemarkung, in Richtung Moto-Cross Bahn gebaut werden. Eine Anlage entsteht bei Recklingen zwischen Bahntrasse und Ort. Zudem läuft das Genehmigungsverfahren für zwei weitere Windräder. Die geplanten Windräder zwischen "Bindemanns Tann" und der Bundesstraße 71 bei Cheinitz dürften dagegen vom Tisch sein, da diese Fläche nicht Bestandteil des ausgewiesenen Vorranggebiets ist.

Die Gemeinderäte bekräftigten am Dienstag noch einmal ihre Ablehnung der Windpark-Pläne. Zudem sollen weiterhin gemeindeeigene Wege und Separationsflächen der Betreiberfirma nicht zwecks Überfahrt zur Verfügung gestellt werden, was den Bau der Anlagen erschweren dürfte. "Wir haben den Beschluss gefasst, und dabei bleiben wir", erklärte der Apenburger Peter Warlich.

Die Winterfelderin Ninett Schneider rief zu Ruhe und Besonnenheit auf, da noch die Öffentlichkeitsbeteiligung für den Wind-Teilplan aussteht. Weitere Schritte könne die Gemeinde anschließend immer noch unternehmen.