Eine Tradition ist geboren worden. Nachdem 2010 der 20. Jahrestag der Grenzöffnung zwischen Jahrstedt und Kaiserwinkel mit der Einweihung eines Gedenksteins groß gefeiert worden war, wollte Jahrstedts Ortsbürgermeister Uwe Bartels es nicht dabei belassen. Er hatte die Idee, mit einem jährlichen Treffen die Kontakte zwischen den Orten zu vertiefen.

Jahrstedt/Kaiserwinkel. "Das Fest im vergangenen Jahr hat uns gut gefallen", berichtete Eckhard Wiele, Ortsbrandmeister von Kaiserwinkel. Am Sonnabendnachmittag trafen sich deshalb Jahrstedter und Kaiserwinkler auf dem Gelände am Feuerwehrhaus zu einem gemeinsamen Frühlingsfest. Eingeladen zu der lockeren Runde waren auch die Einwohner aus dem niedersächsischen Parsau und aus Zicherie.

Aus dem Treffen sollte kein Politikum werden, wie Jahrstedts Ortsbürgermeister Uwe Bartels sich wünschte. "Wir wollen keine großen Reden schwingen, sondern an den Tag der Grenzöffnung erinnern, Kontakte vertiefen und wieder mehr zusammenwachsen", erläuterte der Ortschef. "Vieles läuft sonst wieder auseinander. Doch die deutsche Teilung darf nicht in Vergessenheit geraten."

In ihrer kurzen Begrüßung erinnerten Bartels und Wiele an Verbindungen, die es von jeher zwischen beiden Orten gab: Die Kaiserwinkler gingen in Jahrstedt zur Schule, Landwirte fuhren auf der Kopfsteinpflasterstraße in Richtung Jahrstedt zu ihren Feldern, mehr als hundert Kaiserwinkler sind gebürtige Altmärker. "Die Verbindungen waren mit der Grenze auf einen Schlag zerschnitten", sagte Bartels. Diese Zeit dürfe niemals vergessen werden.

Dafür sorgten auch die zumeist älteren Gäste des Frühlingsfestes mit ihren Erinnerungen an die Zeit der Trennung. Beispielsweise Martin Schwerin und Hermann Beinhauer aus Kaiserwinkel. "Unsere Kinder ließen einen Drachen steigen. Der landete direkt hinter dem Grenzgraben", erzählte Hermann Beinhauer. "Als die Grenze geöffnet wurde, holten wir uns den Drachen wieder. Er war noch völlig in Ordnung."

Als es die Grenze noch gab, konnte Hermann Beinhauer auf die andere Seite schauen. Doch wuchernde Pflanzen versperrten ihm die Sicht. "Einmal sah ich eine Grenzpatrouille, die fuhr dort lang und war plötzlich weg. Nach der Grenzöffnung sah ich, warum: Dort war eine verborgene Straße", erinnerte sich Hermann Beinhauer.

Diese und andere Erinnerungen machten an dem Nachmittag die Runde. Die Niedersachsen und Sachsen- Anhalter saßen gemütlich zusammen, klönten und stärkten sich mit Gegrilltem, das die Feuerwehr anbot.

Uwe Bartels und Eckhard Wiele freuten sich über die Resonanz auf das Frühlingsfest. Eine Neuauflage soll es auch 2012 geben.

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