Am Ende ging es ganz schnell: Mitte März gab das Bundesumweltministerium seinen Widerstand auf, drei Wochen später verkündete das Bundesverkehrsministerium, dass die Linienbestimmung für die B 190n abgeschlossen sei. Seit 2008 hatte das Ministerium daran gearbeitet. Sachsen-Anhalt kann mit der Feinplanung für die dreispurige, 70 Kilometer lange Bundesstraße von der Landesgrenze zu Niedersachsen bis Seehausen beginnen, die für die Region sowohl Segen als auch Fluch ist.

Berlin/Salzwedel. Mit dem Bundesumweltministerium hatten die Verkehrsplaner einen schwergewichtigen Kritiker. Aus naturschutzfachlicher, aber auch aus verkehrlicher Sicht war es von der Trassenführung westlich von Salzwedel in Richtung Bad Bodenteich wenig angetan. Denn die rund 30 Kilometer lange neue Straße wird den sensiblen Biotopverbund Grünes Band zerschneiden.

Umstrittenes Gutachten zum B 71-Ausbau

Im Sommer vergangenen Jahres mussten deshalb die Verkehrsministerien Sachsen-Anhalts und Niedersachsen ein bis heute nicht veröffentlichtes Gutachten erstellen, ob der Ausbau der B 71 eine bessere Alternative darstelle. Das Ergebnis: Ein Ausbau der vielbefahrenen B 71 sei nicht die "ganzheitlich günstigere Variante". Altmärkische, aber auch niedersächsische Bürgerinitiativen bezeichneten dieses Gutachten als eine Gefälligkeitsarbeit. Denn laut der Untersuchung könnten lediglich fünf Prozent der vorhandenen B 71 für einen Ausbau genutzt werden.

Doch erst nach dem Rückzug des Bundesumweltministerium Mitte März hatte des Bundesverkehrsministerium freie Hand. Und quasi als Abschiedsgeschenk für den aus dem Amt scheidenden Landesverkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) verkündete der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), am vergangenen Freitag, dass die Linienbestimmung für die B 190n abgeschlossen sei (wir berichteten). Noch dazu die vom Bund vorgeschlagene Linie genau jener Vorzugstrasse entspricht, die das Landesverkehrsministerium nach dem Raumordnungsverfahren veröffentlicht hat. Eine Punktlandung also.

Ferlemann betont, dass sich der umstrittene Straßenneubau westlich von Salzwedel - 4000 Altmärker protestierten per Unterschrift dagegen - die "ganzheitlich günstigste Variante" sei. Auch wenn dafür 15,5 Hektar Wald gerodet und rund 600 Hektar versiegelt werden. Billig wird dieser Abschnitt nicht. Ferlemann wies darauf hin, dass Querungshilfen, sprich Wildbrücken, bei der neuen Trasse notwendig werden. Bislang werden die Kosten für den Neubau auf rund 80 Millionen Euro geschätzt. Ob es dabei bleibt, gilt abzuwarten.

Weiterführung nach Havelberg klemmt

Als Segen empfinden hingegen die Altmärker den Ausbau der B 190 in Richtung Seehausen. Immerhin werden Orte wie Pretzier, Ritzleben, Binde, Kläden und Leppin Ortsumgehungen erhalten. Und doch gibt es auch bei diesem Projekt einen Wermutstropfen: Die Linienbestimmung ist bislang nur bis Seehausen erfolgt. Die Weiterführung der B 190n über Havelberg in Richtung Großraum Berlin liegt auf Eis. Brandenburg hat dazu keine Stellungnahme abgegeben, so Ferlemann. Die Weiterführung der B190n östlich von Seehausen könnte durchaus Opfer von Verteilungskämpfen innerhalb der brandenburgischen Politik werden.

Der Dachverband der Bürgerinitiativen "Westliche Altmark", der sich für den Ausbau der vorhandenen Bundesstraßen 248, 71 und 190 einsetzt, hält indes nicht still. Am 1. Mai lädt er zu einem Mahn- und Gedenkgottesdienst mit anschließender Podiumsdiskussion in die Lagendorfer Kirche ein. Die Predigt wird Superintendent Matthias Heinrich halten. Beginn ist um 14 Uhr. Für die Kinder sei ein kleines Programm vorbereitet.