Wozu benötigt die Einheitsgemeinde Ortschafsträte? Als verlängerten Arm gegenüber den Bürgern? Oder vielleicht doch eher als kompetente Partner vor Ort? Beispiele in Sachen Baumpflanzung und -pflege aus Ristedt und Kunrau zeigen, dass hier noch nicht alle offenen Fragen über die Zusammenarbeit geklärt sind.

Ristedt/Kunrau. Falsch beschnittene Bäume, falsch ausgehobene Pflanzlöcher - ein ländlicher Weg nahe der Ortschaft ist ein heiß diskutiertes Thema im Ristedter Ortschaftsrat. Denn an einer Stelle, an der es ohnehin eng für landwirtschaftliches Gerät ist, sollte nun auch noch ein Baum gepflanzt werden. Insgesamt waren auch für weitere zwölf Bäume bereits Pflanzgruben ausgehoben. Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Beckmann während der Ortschafstratssitzung: "Die eine habe ich aber wieder zugeschoben. An dieser Stelle genüber einem Betonkasten kann kein Baum wachsen. In ein paar Jahren kommen die Nutzer dieses Betriebsweges dann nämlich einfach nicht mehr durch. So geht das einfach nicht!"

Eine Information von Amts wegen hatte es tatsächlich nicht gegeben. Dieter Neuschulz, Leiter des Bauamtes der Einheitsgemeinde, erklärt gegenüber der Volksstimme: "Es handelt sich bei diesen Nachpflanzungen ganz einfach um einen Garantiefall, also um eine Pflanzung anstelle von noch fehlenden Bäumen auf einer bereits festgelegten Fläche." Es sei einfach nicht üblich, in solchen Fällen jedesmal die Ortschaftsräte über derartige Pflanzungen zu informieren und sich mit diesen abzustimmen.

Informiert worden sei indes die Verwaltung des Altmarkkreises, da in dem Bereich unsachgemäß Bäume verschnitten worden seien. Dies sei unabhängig von den insgesamt 13 Ersatzbäumen, um die es in diesem Bereich geht. "Dabei handelt es sich um verschiedene Laubbäume. Darunter sind auch einige Obstgehölze", versucht Neuschulz die Pflanzung den Ristedter Ortschafsträten doch noch schmackhaft zu machen.

Dass es sich um Ersatzpflanzungen handelt, war inzwischen auch in Ristedt bekannt. Beckmann verweist allerdings darauf, dass es an der besagten Stelle wohl nicht ohne Grund bereits Probleme mit Neupflanzungen gegeben habe. Will heißen: Beim holzigen Nachwuchs wünschen sich die Ristedter mehr Mitsprache.

Auch das Beispiel Kunrau zeigt, dass Bäume ein besonders sensibles Thema sind. Denn auch auf der dortigen Ortschaftsratssitzung waren sie Thema. Hier sollten keine Gehölze an aus Sicht der Einheimischen unpassenden Stellen gesetzt werden, hier ging es um den Baumschnitt. Von "Baumfrevel" war die Rede in der im Kunrauer Schloss versammelten Bürgerschaft, davon, dass ein solch rigoroses Kappen von Bäumen früher eine Straftat gewesen sei.