Ein Brachflächenkataster wird derzeit für die Altmark erstellt. Die beiden Landkreise beauftragten die BIC Altmark GmbH mit diesem Projekt. Deren Leiter Thomas Barniske stellte den Hauptausschussmitgliedern des Verbandsgemeinderates das Vorhaben vor.

Beetzendorf. "Hintergrund für dieses Kataster ist die Flächenversiegelung, die in Deutschland an jedem Tag um 117 Hektar zunimmt", erläuterte Thomas Barniske. Dem solle Einhalt geboten werden. Es sollen brachliegende Flächen erfasst und so entwickelt werden, dass diese in die vorhandene Struktur des Gebietes passen. Das Projekt sei im Rahmen des Regionalbudgets vom Wirtschaftsministerium bewilligt worden. Bis Ende Oktober müsse es fertig sein.

"Unter Brache verstehen wir unbebaute oder bebaute Flächen, die mindestens fünf Jahre nicht genutzt wurden und mindestens 2000 Quadratmeter groß sind", sagte Thomas Barniske. Diese Definition treffe auf stillgelegte Betriebe, ehemalige militärische Liegenschaften, alte Siloanlagen sowie Gewerbegebiete, die nach der Wende erschlossen wurden, aber nicht gefüllt seien, zu, nannte er einige Beispiele. Landwirtschaftliche Nutzflächen seien außen vor.

Die Brachen würden erfasst, unabhängig vom Eigentümerstatus. Dies funktioniere aber nur in Kooperation mit den Bürgermeistern vor Ort. Aufgenommen werden könnten beispielsweise auch leerstehende Bahnhöfe.

"Wir haben das Brachflächenkataster in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck schon einmal durchgespielt. Dort haben uns Eigentümer dann teilweise gefragt, ob wir ihnen beim Verkauf helfen könnten", berichtete Barniske.

Durch die Ausweisung der Brachflächen könnten potentielle Möglichkeiten für erneuerbare Energien wie Photovoltaik erschlossen werden, fügte er hinzu. "Jetzt kommt der Haken. Nach CO2 sollen die Flächen jetzt noch mit Solaranlagen zugekleistert werden", entfuhr es Hauptausschussmitglied Mark Wöllmann. Die Altmark werde wohl zur Müllkippe. Denn auch gegen Windkraft sowie überdimensionierte Schweine- und Rinderställe müsse gekämpft werden.

"Uns geht es darum, die Brachflächen einer Nutzung zuzuführen. Die Kommunen haben ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht, denn die Erfassung soll nicht das Baurecht übergehen", stellte Thomas Barniske klar. Hauptsächliches Ziel sei es, die Neuversiegelung zu minimieren, fügte er hinzu. Die Daten würden sicher auf einem Server liegen. Zudem seien die beiden Altmarkkreise Auftraggeber für die Studie, ergänzte Verbandsgemeindebürgermeisterin Christiane Lüdemann.

Heinrich Schmauch merkte an, dass die Gemeinde Beetzendorf keine Hilfe erhalten habe, als sie nötig gewesen wäre. Er erinnerte an das einstige Internat, das ein jämmerliches Dasein fristet, und an das alte Kulturhaus, von dessen Dach die Ziegel fallen. Er wende sich jede Woche an das Bauordnungsamt mit der Bitte, die Absperrung zu erneuern. "Und als wir Fläche für den Straßenbau auf der stillgelegten Bahnstrecke brauchten, ging das nicht, weil die Verbindung nicht entwidmet ist", nannte er ein weiteres Beispiel. Harald Heuer sagte: "Ich sehe persönlich keinen Sinn in diesem Kataster. Und ich habe auch keine Zeit, Zuarbeiten zu leisten." Mark Wöllmann machte seine Bedenken deutlich: "Ich habe Angst, dass durch die Erfassung Vorranggebiete ausgewiesen werden. Es werden wohl bald Listen mit den Eigentumsverhältnissen deutschlandweit kursieren. Und wir werden weiter zugemüllt."

Fritz Kloß sah das Brachflächenkataster dagegen positiv. "Wenn uns jemand einen Solarpark hinsetzt, könnten wir dafür sogar Knete bekommen", sagte er. Doch das scheitere am nicht vorhandenen Flächennutzungsplan für Diesdorf.

Das Projekt wird mit 80 Prozent vom Land gefördert. Die übrigen 20 Prozent tragen die altmärkischen Landkreise. Christiane Lüdemann wird die weitere Zuarbeit abstimmen und hofft auf eine gute Kooperation mit den Bürgermeistern.