Eine Epoche geht zu Ende. Christian Burmeister ist der letzte Zivildienstleistende in der Klötzer SCA-Sozialstation. Der junge Mann ist fest entschlossen, nach dem Ende seiner Dienstzeit als Landmaschinenschlosser an seine Arbeitsstelle zurückzukehren. Dies wiederum bekümmert Pflegedienstleiterin Anke Landmann. Sie lobt den letzten Zivi und hofft, die Lücke in Zukunft mit Kräften des neuen Freiwilligendienstes schließen zu können.

Klötze. Mit Schwung wuchtet Christian Burmeister die Kisten in den Kofferraum des weißen Flitzers. Er hat nicht den Großeinkauf fürs Wochenende hinter sich, sondern eine Tour durch Klötze und Umgebung vor sich: Die Kisten bestehen aus wärmedichtem Styropor. In ihnen befindet sich Essen für zahlreiche Senioren der Region.

Er gehört zu den letzten seiner Art: Christian Burmeister. Er stammt aus Mellin und ist der letzte junge Mann, der in der Sozialstation Klötze des Sozialcentrums Altmark (SCA) seinen Zivildienst leistet. In zwei Monaten wird in Deutschland die Wehrpflicht ausgesetzt - und damit endet auch die Epoche der Zivildienstleistenden.

"Christian ist einer der besten Zivildienstleistenden, die wir je hatten"

"Für mich war es nie eine Frage, ob ich zur Bundeswehr gehe oder Zivildienst leiste", erzählt Christian Burmeister. Dass er ausgerechnet an die Klötzer Sozialstation des SCA geraten ist, hat er übrigens seiner Mutter zu verdanken. "Sie arbeitet bei der Caritas und wusste, dass es hier eine Zivi-Stelle gibt", erzählt er.

Von Hause aus hat er nur wenig mit der Betreuung älterer Menschen zu tun: Er arbeitet als Landmaschinenmechaniker in Tülau, wenige Kilometer hinter der altmärkisch-sachsen-anhaltischen Grenze. "Dort kann ich auch nach dem Abschluss meines Zivildienstes wieder anfangen", erzählt der Melliner. In seiner Freizeit kümmert er sich um Haus und Hof, fährt mit Freunden nach Salzwedel.

"Themen, mit denen man sonst nur selten zu tun hat

Was seine Dienstzeit in der Klötzer Sozialstation angeht, so bezeichnet er diese als eine "interessante und wertvolle Erfahrung". Einen Berufswechsel von den Traktoren und Mähdreschern hin zur Betreuung von Senioren kann er sich allerdings kaum vorstellen. Und dies selbst, wenn seine Aufgaben im SCA durchaus abwechslungsreich sind: von einfachen Hausmeistertätigkeiten über das Ausfahren des Essens auf Rädern bis hin zur Betreuung von Senioren samt Begleitung zum Arzt oder zu Ämtern.

Dass sie Christian Burmeister nicht zu einem Berufswechsel überreden konnte, mag gerade für Anke Landmann eine Enttäuschung sein: "Christian ist einer der besten Zivildienstleistenden, die wir je hatten. Er ist immer außerordentlich höflich und zuvorkommend. Und er sieht selbst, wenn etwas zu tun ist, packt die Aufgaben sofort an und ist natürlich sehr geschickt", lobt sie den Melliner.

Anke Landmann baut trotz dessen, dass es noch keine konkreten Nachfragen nach Stellen im Sozialzentrum gegeben hat, auf den neuen Freiwilligendienst: "Auch bei uns wird es die Möglichkeit geben, diesen zu absolvieren."

Im Gegensatz zum Freiwilligen sozialen Jahr gibt es hier keine Altersbeschränkung. "Der Freiwilligendienst wird vergütet und er ist sicher auch bestens geeignet, um beispielsweise einen Zeitraum bis zum Ausbildungsbeginn zu überbrücken oder um vor der Aufnahme einer Ausbildung im sozialen Bereich schon einmal ein paar Erfahrungen zu sammeln", wirbt Anke Landmann um Freiwillige.

Wer Interesse an einer solchen Stelle ebenso wie an einem Freiwilligen sozialen Jahr, einem Ausbildungsplatz oder einem Praktikum habe, könne in der Einrichtung auch ein paar "Schnuppertage" für den ersten Eindruck absolvieren.

Trotz der Entscheidung, in seinen alten Beruf zurückzukehren, sagt Christian Burmeister: "Eine Arbeit in diesem Bereich ist auf jeden Fall eine Bereicherung. Hier wird man mit Themen konfrontiert, die wichtig sind, mit denen man sonst aber nur selten zu tun hat - außer wenn es in der eigenen Familie plötzlich gilt, Menschen zu betreuen."

Was Christian Burmeisters Zeit in der Sozialstation angeht, so endet diese entweder Ende Juni oder Ende August: Das hängt von einer noch ausstehenden Regelung zum Ende der Wehrpflicht ab. Denn damit wird auch das Ende des Wehrersatzdienstes - als welcher der Zivildienst geschaffen wurde - geregelt.