Vor einer Woche hat Julia Kommerell ihre erste Ausstellung im Ökodorf "Sieben Linden" bei Poppau eröffnet. Für die Malerin soll das der Auftakt für weitere Aktionen mit Bewohnern, aber auch Künstlern der Region sein.

Poppau. "Hier gibt es mehr als Strohballenhäuser, Pflanzenkläranlagen oder Ökoessen", sagt Julia Komerell. Seit elf Jahren lebt sie im Ökodorf "Sieben Linden" und weiß das Leben in der kleinen Gemeinschaft zu schätzen. Für Kultur gab es in der Siedlung abseits des Ortes Poppau schon immer Platz, doch nun wollen Kommerell und andere Künstler noch stärker die Menschen der Region mit einbinden.

"Es gibt hier weit und breit keinen Ausstellungsort", sagt Kommerell. Diese Lücke will sie schließen und hat mit ihrer am 1. Mai eröffneten Ausstellung "Öffnungen" den Grundstein dafür gelegt. Im Besprechungsraum des Haupthauses hängen zwei Ölbilder. Sie heißen Licht 1 und Licht 2. Eines der Bilder ähnelt einer Darstellung der Milchstraße. "Damit war ich nach nur einer Woche fertig", sagt die Künstlerin. An dem zweiten Bildnis hat sie seit September bis kurz vor Eröffnung der Ausstellung gearbeitet. Neben den Malereien hängen im Flur des Hauses zahlreiche Zeichnungen. Ähnliche Arbeiten hat sie als Illustratorin für die Kinderzeitschrift "Benjamin" schon gemacht.

Während das Zeichnen mittlerweile zum Bestreiten ihres Lebensunterhalts beiträgt, ist das Malen weiterhin nur ein Hobby. Angefangen hat sie damit bereits in ihren Jugendjahren. Sie besuchte zwar einige Kurse, doch die meisten Kniffe und Techniken hat sie sich selbst erarbeitet.

"Kunst, Musik und Kultur sind ganz wesentliche Bestandteile eines nachhaltigen Lebens", sagt die Künstlerin. Aus diesem Grund wurde zu Beginn des Jahres die Kunstgruppe "Strchhlzschchtlchn" im Ökodorf gegründet. Darin steckt das Wort "Streichholzschächtelchen" und ist als Symbol auch in der Ausstellung von Julia Kommerell zu finden. Mittlerweile können die sechs Mitglieder ihren anfänglichen Arbeitstitel auch gut aussprechen und wollen unter diesem Synonym in Zukunft arbeiten. Zur Gruppe gehören auch die Musikerin Christiane Oberdorf, die Performancekünstlerin Suzan Noesen, die Mediatorin Elisabeth Reinecke, die Kunsthandwerkerin Nicoletta Geiersbach sowie die Autorin Johanna Roth. Die Frauen unterstützen sich gegenseitig und wollen von nun an für monatliche Kunsthöhepunkte sorgen.

Fortgesetzt wird die Ausstellungsreihe von Suzan Noesen am 5. Juni. Sie stellt Grafiken und Malereien aus. In den Sommermonaten sollen dann Künstler aus Beetzendorf und anderen Orten der Region folgen. Ausstellungen sind nicht nur im Haupthaus, sondern auch in Holzrohbauten oder anderen Orten auf dem Ökodorfareal geplant. "Kultur ist der Kitt, der alles zusammenhält und uns zum ganzen Menschen macht", schreibt Künstlerin Julia Kommerell in ihrer kurzen Vita. Diesen Gedanken wollen auch die übrigen Künstler mit ihren Aktionen leben.