Altmärkische Hochzeitssuppe ohne Spargel - undenkbar. Doch wie sieht es mit der Altmark ohne Spargel aus? In Klötze könnte dies bald Realität sein. Die Agrargenossenschaften gehen in ihre letzte Spargelsaison oder haben auf private Verpachtung umgestellt.

Klötze. Einst war die Altmark überregional für ihren Spargel bekannt. Doch im Raum Klötze ist davon kaum noch etwas übrig geblieben. Die Agrargenossenschaften haben längst auf Privatverpachtung umgestellt. Die einhellige Meinung: Es rentiert sich nicht mehr.

"Seit mehr als vier Jahren verpachten wir nur noch", sagt Sabine Storbeck von der Agrargenossenschaft Jeetzeblick. 57 Reihen sind es noch. "Doch ab nächstem Jahr pflügen wir gar nicht mehr um", ergänzt sie. Ein Grund ist für die Buchhalterin, dass "die Leute kein Geld mehr ausgeben wollen für guten Spargel".

So sieht es auch Manfred Lehneke, Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft in Kusey. Viele kauften im Supermarkt ein. Die Kuseyer vermarkten ihren Spargel zwar noch selber - per Hofverkauf. Ein Kilo kostet dort fünf Euro. Doch damit werde auch bald Schluss sein. "Spargel ist ein auslaufendes Modell", sagt Lehneke. Seit 20 Jahren verpachten die Kuseyer parallel an Privatpersonen.

In Kunrau haben sie die gemeinschaftliche Vermarktung bereits aufgegeben, sagt Andreas Diebe, Leiter der Pflanzenproduktion. Zu teuer, es seien keine Arbeitskräfte da und "wir wollen uns nicht verzetteln", sagt er. Die 18 vorhandenen Reihen: privat vermietet.

Und in Immekath - nach eigenen Angaben von 1992 bis 1997 größter Spargelproduzent der Region - laufe die Spargelproduktion mit dieser Saison aus, sagt Geschäftsführer Gerhard Gottschlich. Auf zwei Hektar gebe es in diesem Jahr noch einmal Spargel. Das Angebot an Spargel im Umland sei zu groß, meint Gottschlich.

"Schade", sagt Heidrun Schmigowski aus Ristedt. Sie steht auf dem kleinen Feld der Genossenschaft zwischen Immekath und Dönitz. Seit ein paar Jahren hat die Ristedterin nun zwei Reihen gepachtet. "Immer die gleichen", sagt sie.

Sie kann sich aber auch noch gut an die Hochzeiten erinnern. "Da ging das Feld bis runter zur Straße", erzählt Heidrun Schmigowski. Mit anderen Frauen stand sie in der Halle der Agrargenossenschaft und hat die weißen Stangen an die Kunden gebracht. Mit dem Spargel belieferte die Genossenschaft auch die Gastwirte.

Auch diese haben reagiert und sich neue Produzenten gesucht. Eine Umfrage ergab, dass die Wirte weiterhin Spargel aus der Region beziehen. Nur eben nicht mehr aus der Region Klötze. Einzig die Inhaberin der Klötzer Mühle, Heike Nieber, gab an, ihren Spargel auch von einem privaten Anbieter aus Klötze zu bekommen. Ansonsten holen die Gastwirte das Gemüse aus Zicherie, Badel, Jeeben und bei den Marktständen in Klötze.

Über ihre Ausbeute kann sich Heidrun Schmigowski nicht beschweren. Vier bis fünf Kilo bringt eine Reihe pro Tag ein. Ein gutes Jahr, meint die Ristedterin. Auch wenn der Regen bislang weitgehend ausbleibt und es nachts empfindlich kalt ist. "Der Boden hat noch Nässe und ist richtig schön warm", sagt Heidrun Schmigowski.

Am liebsten mag sie den eigenen Spargel mit Butter und Semmelkrümeln. "Und der ist lecker", erzählt sie. Doch wenn die Genossenschaft keine Fläche mehr anbietet, werde sie sich den Spargel wohl auch kaufen müssen.