Matthias Lemme ist der neue Pfarrer in Steimke. Für seine Entsendungszeit bis Ende September ist er aus Hamburg in die Altmark umgesiedelt, hat sich für seine Arbeit einen mehr als 20 Jahre alten VW geliehen, die Gitarre mitgebracht und viele neue Ideen für die Arbeit in der Kirchengemeinde.

Steimke. Bis Ende September wird Matthias Lemme (33) die Altmark seine vorübergehende Heimat nennen. Von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM) entsandt, hat der gebürtige Hallenser nach dem Tod von Pastorin Iris Gottschling Mitte April die Pfarrstelle Steimke für die Orte Steimke, Jahrstedt, Kunrau und Immekath übernommen.

Matthias Lemme wurde in Halle/Saale geboren, ist in einer Pfarrersfamilie aufgewachsen, hat in der Hallorenstadt die Schule besucht, sein Abitur abgelegt und ein Literatur- und Kulturstudium begonnen, bevor er sich entschied, Theologie zu studieren. Neben Studiensemestern und Aufenthalten in Jerusalem, Hamburg und Chile, legte der junge Mann im Februar 2006 sein Studienexamen ab.

Danach entschied er sich für ein Volontariat bei der Deutschen Welle, bevor er im Jahr 2008 in der Hansestadt Hamburg ansässig wurde. Dort arbeitete er als Redakteur beim Magazin "Andere Zeiten" und begann in dieser Zeit auch sein Vikariat, die praktische Ausbildungszeit für Pfarrer in der evangelischen Kirche, in Hamburg-Altona. Bis Ende 2010 hat Matthias Lemme dort unter anderem die Gottesdienste mitgestaltet und sich um die Gemeindearbeit gekümmert.

Jetzt ist er nun in der Altmark, in einem Landstrich, den er bis April dieses Jahres nicht kannte, auch wenn er wie Halle, seine Geburtsstadt, zu Sachsen-Anhalt gehört. Seit er am 10. April bei einem Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden der Gemeinde als Pfarrer in Entsendung vorgestellt wurde, hatte er jedoch schon Gelegenheit, Land und Leute hier ein wenig näher kennenzulernen. Gottesdienste mit mehr als 100 Besuchern, wie sie beispielsweise in Hamburg-Altona an der Tagesordnung waren, gibt es hier nicht. Oft sind es nur zwei Hände voll Besucher, die zu seinem Gottesdienst in die Kirche kommen, aber das stört den 33-Jährigen nicht. Traditionen, so hat er seit dieser Zeit erfahren, werden hier in der Kirchengemeinde groß geschrieben. "Doch sind die Menschen auch offen für neue Impulse in der Kirchenarbeit. Und die möchte ich gern setzen", kündigt er im Volksstimme-Gespräch an. Für ihn sei es nach eigenen Angaben wichtig, "bei den Gemeindegliedern hier das Bewusstsein zu stärken, dass die Kirche in der Fläche, wie sie es hier ist, etwas näher zusammenrücken muss". Zentrale Veranstaltungen sollen dabei helfen.

Solch ein neuer Impuls in der Kirchenarbeit wird sicher das für den 24. Juni in Immekath geplante Fest zum Johannistag sein. Nach einem abendlichen Gottesdienst mit Kindstaufen in der Immekather Kirche sollen sich die Gemeindeglieder aus allen Orten des Kirchspiels Steimke am Johannisfeuer zum Grillen und gemeinsamen Singen treffen. Dann wird Matthias Lemme sicher auch seine Gitarre dabei haben, denn das Musizieren auf der Gitarre gehört auch wie das Lesen zu seinen liebsten Hobbys.

Zu den neuen Impulsen die der junge Pfarrer bis Ende September, dem Ende seiner Entsendungszeit in Steimke, auch setzen möchte, gehören Bibelgesprächsabende, die einmal pro Monat stattfinden sollen. Bei diesen Veranstaltungen möchte Matthias Lemme, aufbauend auf die in Hamburg gemachten guten Erfahrungen mit solchen Gesprächsabenden, Bibeltexte gemeinsam mit den Gemeindegliedern erarbeiten und entdecken: "Das ist eine Freude und ist interessant", weiß er aus seiner Arbeit in Hamburg.

Ihm ist der Tatendrang, die Kirchenglieder für die neuen Akzente begeistern zu wollen, förmlich anzumerken. Immerhin plant er auch einen gemeinsamen Gottesdienst zum Ferienbeginn, zum Schulanfang, aber auch eine Fahrt mit den Konfirmanden nach Mecklenburg, sucht immer wieder das persönliche Gespräch mit seinen Gemeindegliedern. "Ob die für all das, was ich machen möchte, offen sein werden und meine Pläne bei ihnen Begeisterung finden werden, weiß ich so noch nicht ganz genau. Aber ich merke, dass die Menschen hier ein großes Interesse daran haben, etwas gemeinsam zu machen. Daran möchte ich in meiner täglichen Arbeit anknüpfen."

In seiner täglichen Arbeit hat er schon viele herzliche Menschen kennengelernt und findet die Altmark schön und die unmittelbare Nähe zu einer Stadt wie Wolfsburg toll.

Ein "richtiges" Zuhause hat er indes noch nicht gefunden, und so wohnt er derzeit im evangelischen Landjugendzentrum (elz) in Kusey.

Was er als Stadtkind hier vermisst, ist das schnelle Internet. "Jetzt, wo man es nicht hat, lernt man es erst richtig zu schätzen", schmunzelt Matthias Lemme, der einen geliehenen roten, 21 Jahre alten VW und sein Handy zu seinen derzeit wichtigsten Begleitern zählt, um den Kontakt zu den Gemeindegliedern zu haben. Mit dem Handy möchte er zu jeder Zeit für seine Kirchenglieder erreichbar sein und bittet, seine Handy-Nummer in diesem Beitrag auch zu erwähnen: 0163/6393668. Kommunikation ist ihm nämlich wichtig; privat und dienstlich.