Bereits Mitte der 70er Jahre gab es rund um Lüdelsen einen Wanderweg. Nun wurden die Schilder erneuert, ein Flyer gedruckt, in die auch Erkenntnisse der jüngsten Ausgrabungen an den Großsteingräbern eingeflossen sind. Am Sonnabend wurde der Archäologisch-historische Wanderweg Lüdelsen offiziell eröffnet.

Lüdelsen. "Der Wanderweg ist nicht der erste seiner Art in Sachsen-Anhalt, er ist der zweite", sagte am Sonnabend Dr. Rosemarie Leineweber vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Sie beglückwünschte nicht nur Hartmut Bock, Vorsitzender des Vereins Junge Archäologen Altmark, sondern auch alle Ehrenamtlichen, die zur Weiterentwicklung des Wanderwegs beigetragen haben. Es sei nicht nur wichtig, dass der Wanderweg von der Region angenommen, sondern auch in bestehende Tourismuskonzepte eingebunden werde. Glückwünsche kamen auch von Bürgermeister Carsten Borchert sowie vom Männergesangverein unter der Leitung von Ines Förster. Dort singt auch Vereinschef Hartmut Bock mit.

Der Wanderweg ist vier Kilometer lang und verrät dem Besucher Wissenwertes über die insgesamt acht Stationen (siehe Info-Kasten). Um den Wanderweg gut zu vermarkten, hat der Verein "Junge Archäologen" in Zusammenarbeit mit dem Landesamt einen Flyer erstellt.

Archäologisch wertvoll ist die Route, weil sie an drei Großsteingräbern vorbeiführt. Seit dem Jahr 2007 hat das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel an den großen Monumenten, insbesondere am Königsgrab, Ausgrabungen vorgenommen und dabei wichtige neue Erkenntnisse gewonnen. "Wir wissen nicht viel über die Zeit vor 5000 Jahren, aber wir haben herausgefunden, dass die Gräber nicht mit einem Mal entstanden, sondern erst im Laufe von einigen hundert Jahren", sagte Dennis Demnick von der Universität Kiel. Die Fakultät will jedoch nicht nur Gräber öffnen, sondern auch mehr über die Menschen vor einigen tausend Jahren erfahren. Auf dem Gelände der Kindertagesstätte wurden bereits Reste eines Hauses entdeckt. Eine komplette Ausgrabung ist zum Jahresende oder auch im nächsten Jahr geplant. "Außer Bodenverfärbungen und Tonscherben werden wir nicht viel finden, aber das wäre ein handfester Nachweis für eine Siedlung zur Entstehungszeit der Großsteingräber vor etwa 5000 Jahren", sagte Demnick.

Historische Leckerbissen enthält der Wanderweg im Bezug auf die verschwundenen Dörfer der Altmark. Seit dem Mittelalter sollen laut Hartmut Bock 300 Dörfer verschwunden sein. Dazu gehört auch die Wüstung Nieps, die ein Anlaufpunkt des Wanderweges ist. Lüdelsen selbst verschwand für knapp 200 Jahre, bis um 1600 die Wassermühle errichtet wurde. Gegen 1800 bauten Bürger den Ort wieder auf. Um auch für Schulklassen interessant zu sein, enthält der Wanderweg mit gekennzeichneten Bäumen auch einen biologischen Lernaspekt.

Nach den zahlreichen Begrüßungsreden auf dem Hubertusplatz begaben sich die Gäste auf den Weg zum Königsplatz, um dort bei Gegrilltem und kühlen Getränken den Eröffnungstag ausklingen zu lassen. Den symbolischen Scherenschnitt an der Brücke nahe der Wassermühle übernahm das jüngste Mitglied des Vereins, Jan Förster (11). Er wurde dabei von Fritz Paschke (14) unterstützt.

   

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