Dietmar Wischmeyer ist zwar studierter Philosoph, aber in erster Linie erfolgreicher Comedian. Mit Formaten wie "Günther der Treckerfahrer" oder "Frieda und Annelise" strapaziert er beim Radiosender ffn das Zwerchfell seiner Hörer. Am 12. Mai ist er mit seinem neuen Programm "Deutsche sehen dich an - Reise zu den Quellen des Irrsinns" im Kulturhaus Salzwedel zu sehen. Daniela Decker hat nachgefragt, wohin ihn der Irrsinn getrieben hat.

Volksstimme: Was ist die Botschaft Ihres Programms?

Dietmar Wischmeyer: Die Botschaft ist die Leute zu unterhalten mit etwas, was sie in ihrem Alltag sowieso den ganzen Tag sehen. Ich gebe Ihnen nur einen anderen Blickwinkel auf alltägliche Dinge. Alles was ich da schreibe, kennen die Leute aus ihrem Alltag.

Volksstimme: In ihrem Programm nehmen Sie wirklich kein Blatt vor den Mund, sprechen vom Irrsinn des Alltags. Sind Sie denn selbst auch ein stückweit irre?

Dietmar Wischmeyer: (lacht) Ob ich irre bin, das kann ich ja selber gar nicht beurteilen, wenn ich es denn bin. Der Demenzkranke fühlt sich auch völlig normal. Ob ich irre bin weiß ich nicht, ich hoffe mal.

Volksstimme: Waren Sie denn schon mal beim Psychiater?

Dietmar Wischmeyer: Ich glaube, ich bin da ein bisschen Therapie resistent. Ich würde da aber auch nicht hingehen. Psychologen sind ganz furchtbar, ich hasse solche Menschen.

Volksstimme: Wieso?

Dietmar Wischmeyer: Im Zusammenhang als praktizierende Ärzte ist das ja völlig okay. Wenn man sich freiwillig in deren Obhut begibt, dann ist das alles in Ordnung. Wenn man einen Psychologen allerdings in privaten Zusammenhängen trifft und sie hinterfragen alles was man tut, meinen sie das wäre nur eine ¿manifeste Darstellung eines latenten Problems, das ungesagt bleibt\'. Und das ist eine Form von Gesprächen, die ich unter Erwachsenen nicht akzeptiere.

Volksstimme: Einen Satz fand ich ganz kurios "In der Klapse gibt es einen WLAN Hotspot". Erklären Sie mir das mal.

Dietmar Wischmeyer: Das glaub ich tatsächlich.

Volksstimme: Ein bestimmter Prozentsatz der Deutschen hat also einen Schuss in der Birne?

Dietmar Wischmeyer: Das war schon immer so. Die Meisten sind völlig bescheuert, bloß hat man davon nichts gewusst, weil die sich nicht äußern konnten. Mittlerweile gibt es Foren im Internet, da schreiben ja im Wesentlichen völlig durchgeknallte Idioten. Facebook, Twitter und VZ, da schreiben Leute, die sich ihrer Privatssphäre völlig offenbaren, das kann man doch nicht ernst nehmen.

Volksstimme: Na, das bietet Ihnen doch aber viel Futter fürs Programm ...

Dietmar Wischmeyer: Ja, das stimmt, dank diesen Leuten werde ich niemals in die Verlegenheit kommen, keine Themen mehr zu finden.

Volksstimme: Sie haben Philosophie studiert, wie kommt man auf die Idee, in seiner Karriere später so viel Blödsinn zu reden?

Dietmar Wischmeyer: Das ist ja kein Blödsinn, sondern leider die Wahrheit. Philosophie studieren und danach Arbeit finden sind zwei Sachen, die sich weitestgehend ausschließen. Diese Erfahrung macht jeder, der das Studium mal aufnimmt. Komischerweise führt es bei den meisten der Absolventen, die mir zumindest bekannt sind, zu befriedigenden Berufsabschlüssen. Irgendwas musste ich ja machen, was mit meinem Studium irgendetwas zu tun hat. Und das ist der Umgang mit Sprache.

Volksstimme: Was sagen Sie denn zu Menschen, die immer schlechte Laune haben und alles schwarz malen?

Dietmar Wischmeyer: Das finde ich ganz furchtbar. Ich finde die erste Bürgerpflicht ist Freundlichkeit. Ich bin ein großer Anhänger grundloser Freundlichkeit. Ich mag es nicht, wenn Leute griesgrämig auf mich zugehen und mich anpampen.

Volksstimme: Sie kommen nach Salzwedel, wie sieht es aus mit Ossi und Wessi-Witzen?

Dietmar Wischmeyer: Die mache ich gar nicht. Ich hatte mal eine Rubrik, wie der Ossi den Wessi sieht und umgekehrt, alle Vorurteile abgefrühstückt. Aber mittlerweile sind ja die Meisten im gesamtdeutschen Zusammenhang geboren und aufgewachsen. Was soll ich denen da noch erzählen? Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland, aber noch viel Größere gibt es zwischen Norden und Süden. Viele ziehen vom Norden in den Süden. Die Verstädterung wird zunehmen. München ist Bayern. Alle die in Bayern wohnen, wohnen eigentlich in München und drumherum.

Volksstimme: Mit der Abwanderung hat man hier in Salzwedel ja auch ein Problem ...

Dietmar Wischmeyer: Salzwedel ist ein anderes Phänomen, Salzwedel ist ja die ostdeutsche Stadt, die profitiert hat von der Grenzöffnung, weil sie das Zentrum war. Alles was westlich von Salzwedel lag, da sagen sich ja Fuchs und Hase nicht mal Gute Nacht, die kennen sich da gar nicht. Ein Freund von mir, der in der Nähe der Grenze gewohnt hat, freut sich, dass Salzwedel jetzt das Zentrum ist und er nicht mehr in das beschissene Uelzen fahren muss.

Volksstimme: Was fällt Ihnen denn sonst zu Salzwedel ein?

Dietmar Wischmeyer: Es ist eine lebendige Stadt, die sicherlich von ihrer Umgebung profitieren kann. Das ist sicherlich nicht die spannendste Gegend von Deutschland, vor allem das niedersächsische Wendland, da ist ja nun mal gar nix los. Wenn da der Atomprotest noch wegfällt, ist da ja wirklich völlig tote Hose. Da kann man nur hoffen, dass dieses Gorleben-Teil noch weiter geplant wird, sonst geht da ja gar nichts mehr. Das ist so ein Rückzugsgebiet von Alt-Hippies, das Wendland. Da würde ich lieber in Salzwedel wohnen würden, da sind glaub\' ich nicht so viele Westberliner-Althippies.

Volksstimme: Sie kennen Salzwedel, dann wissen sie ja auch, dass der Baumkuchen quasi das National-Gericht der Salzwedeler ist, oder?

Dietmar Wischmeyer: Ja.

Volksstimme: Und, schon gegessen?

Dietmar Wischmeyer: Ja sicher. Aber ich bin nicht so der Kuchenfreund.

Volksstimme: Fällt Ihnen denn spontanerweise ein Witz zum Baumkuchen ein?

Dietmar Wischmeyer: Wie man so wenig Kuchen mit so viel Arbeit erzeugen, da muss kein Mann von McKinsey dabei gewesen sein.

Volksstimme: Der war nicht schlecht. Gibt es denn Dinge, über die sie nicht lachen können?

Dietmar Wischmeyer: Über arg diskriminierende Witze, über Leute, die nichts dafür können. Ich bin nicht der Meinung, dass man keine Witze über Schwule oder Leute machen kann, die eine gesellschaftliche Minderheit sind. Warum sollte man darüber keine Witze machen, das ist albern. Aber über Leute, die sich überhaupt nicht wehren können, das sollte man lassen.

Volksstimme: Was geht Ihnen auf den Keks?

Dietmar Wischmeyer: Die kritiklose Technikgläubigkeit. Der Datenklauskandal von Sony, oder Apple, die Bewegungsdaten aufzeichnen und so weiter. Die Leute scheint das gar nicht zu kratzen. Die Leute machen ihre Privatdaten quasi freiwillig zum Datensatz von Fremdfirmen. Vom Privatleben können wir uns bald verabschieden. Nur weil Steven Jobs sich was ausdenkt, muss ich das doch nicht kaufen. Es gibt auch Luft-Boden-Raketen, die kauf ich mir auch nicht.

Volksstimme: Ist Ihnen persönlich irgendetwas peinlich?

Dietmar Wischmeyer: Wenn ich über andere Leute herziehe und die kriegen das irgendwie mit.

Volksstimme: Sonst noch was?

Dietmar Wischmeyer: Was andere machen ist mir auch peinlich. Fremdschämen ist ja auch so ein Wort des Jahres. Die Lindenstraße zum Beispiel, die kann man nur mit abgewandtem Kopf zum Fernseher ertragen. Da kann man Fremdschämen üben. Ich guck das auch jedes Mal, wende mich ab vom Grusel, weil es ekelerregend ist. Egal, worüber sie sich unterhalten, Politik, Abschaffung von Atomkraftwerken, Mindestlöhne oder was auch immer - die Art und Weise, wie sie das kommunizieren ist von Klischees, Peinlichkeiten und Oberflächlichkeiten so durchdrungen, dass ich mich ekel. Dann werden sie auch immer dicker und haben immer mehr Sex in dieser Sendung, das finde ich alles furchtbar. Das halte ich auch nicht mehr lange aus. Noch 500 Folgen, dann steig\' ich aus.

Volksstimme: Dann freuen Sie sich wahrscheinlich umso mehr, dass sie bald nach Salzwedel kommen ...

Dietmar Wischmeyer: Ich freue mich wie ein kleiner Hund auf seinen Knochen.