Oebisfelde-Weferlingen (gri). Drei Jahre ist es jetzt her, dass sich unter dem Dach des Paritätischen die Selbsthilfegruppe (SHG) anonymer Alkoholiker gründete. Auf diese Zeit, die immer mit persönlichen Höhen und Tiefen jedes einzelnen Mitgliedes verbunden ist, schauten die Mitglieder der SHG am Dienstagabend zurück.

Acht bis zehn Männer und Frauen bilden den festen Kern der Selbsthilfegruppe. Immer dienstags um 18 Uhr treffen sie sich in den Räumen am Schildplatz, jede zweite Woche ist Steffen Rißmann vom Paritätischen dabei, um Unterstützung zu geben wenn das gewünscht wird und erforderlich ist.

"Die Fluktuation war zwischenzeitlich ziemlich groß. Das lag daran, dass auch welche gekommen sind, die das wegen eines entzogenen Führerscheins mussten. Die kommen, haken das ab und gehen wieder", erzählt Klaus B*. "Das haben wir nicht so gerne, denn die Anonymität ist wichtig hier. Und das Vertrauen. Wir müssen sicher sein, dass hier im Raum bleibt, was hier gesprochen wird. Und bei so kurzfristigen Besuchern ist das vielleicht nicht immer so sicher", sagt er.

Das Schwierigste, waren sich alle Mitglieder der Gruppe einig, sei sich einzugestehen, dass man ein Problem habe. Genauso schwierig sei es, den Schritt zu machen und Hilfe zu suchen. "Der Weg in eine Selbsthilfegruppe ist immer noch schambesetzt. Vor allem auch bei Frauen", bestätigt Steffen Rißmann. Dabei sei die Dunkelziffer derjenigen, die Hilfe beim Weg aus der Alkoholabhängigkeit bräuchten, sehr hoch. Dabei könne in einer Selbsthilfegruppe gute Hilfe geleistet werden.

"Wenn\'s im Kopf angekommen ist, ist die Chance groß, dass man aus der Sucht auch rauskommt", sagt Klaus B. Allerdings habe es auch schon Mitglieder in der SHG gegeben, die nicht trocken waren. Die würden dann aber nicht fallengelassen. Es werde weitere Hilfe, etwa eine Langzeittherapie, Arztbesuche und die Versorgung, organisiert. "Es ist wichtig, dass man weiß, wohin man sich wenden kann", weiß auch Torsten K*. aus Erfahrung.

Sei der Weg aus der Sucht erst geschafft, sei es wichtig, Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Dabei schwingt auch der berechtigte Stolz mit, es geschafft zu haben. "Ich bin seit fast zweieinhalb Jahren trocken. Ich hab auch keinen Schmack mehr, der ist weg", erzählt Karsten F.*. Mit gemeinsamen Unternehmungen in der Gruppe, teilweise auch mit den Angehörigen, werde das Leben wieder lebenswerter. Gemeinsame Kegelabende, Fahrten zu Therapieeinrichtungen, um auch andere Therapieformen kennzulernen und Hilfesuchenden Ratschläge geben zu können, Grillabende und Ausflugsfahrten standen bereits auf dem Programm der SHG.

Aber auch aktuelle Probleme aus dem ganz normalen Alltag eines trockenen Alkoholikers werden bei den wöchentlichen Treffen besprochen. So müsse auch beim Arztbesuch oder beim Einkauf genau darauf geachtet werden, ob in Medikamenten oder Lebensmitteln Alkohol enthalten ist. Im Hustensaft könnten das schon mal 40 Volumenprozent sein, selbst im alkoholfreien Bier bis 0,5 Volumenprozent. In Lebensmitteln wie etwa der Kindermilchschnitte und auch in Säften und Kuchen müsse der Alkoholgehalt nicht angegeben werden, wenn er unter 1,2 Volumenprozent liege, berichtete Steffen Rißmann.

(*Namen geändert.)