Lange stand die Zukunft des Apenburger Burgfestes auf der Kippe. Jetzt ist sicher: Das Mittelalterspektakel kann auch in den nächsten Jahren stattfinden. Nach dem Rückzug der Gemeinde soll eine gemeinnützige GmbH gegründet werden, die als organisatorisches Dach für das Traditionsfest fungiert.

Apenburg. Die Erleichterung stand ihm ins Gesicht geschrieben, als Burgfest-Cheforganisator Andreas Schwieger gestern zur Pressekonferenz bat. Schließlich hatte er nicht weniger zu verkünden als die Fortführung der Traditionsveranstaltung, für deren Weiterentwicklung sich der Apenburger in den vergangenen Jahren wie kein anderer ins Zeug gelegt hatte. Doch nachdem die Gemeinde Anfang des Jahres beschlossen hatte, als Träger für zukünftige Burgfeste nicht mehr zur Verfügung zu stehen (wir berichteten), stand das Mittelalterspektakel, das alljährlich tausende Besucher aus der gesamten Altmark anlockt, plötzlich vor dem Aus.

Schwieger streckte seine Fühler in alle Richtungen aus, um eine Lösung für das Burgfest zu finden. "Ich habe mit der Kirche gesprochen, mit dem Landrat, dem Landesverwaltungsamt und Stiftungen", erklärte er. Die Bildung eines Burgfest-Vereins als Träger, wie von der Gemeinde angeregt, stand für den Apenburger allerdings nicht zur Debatte. Stattdessen brachte er die Gründung einer gemeinnützigen GmbH mit dem geschichtsträchtigen Namen "Siegel von Apenburg" ins Gespräch. "Diese unterscheidet sich wesentlich von einer normalen GmbH, da sie beispielsweise eventuell anfallende Gewinne nicht abführen, sondern lediglich reinvestieren darf", erklärte Andreas Schwieger. Zudem sei es möglich, Spenden entgegenzunehmen, die der Geber steuerlich absetzen kann.

Gemeinde springt letztmals als Träger ein

Die Gründung der gGmbH ist seit vergangenen Donnerstag auf den Weg gebracht. Als geschäftsführender Gesellschafter wird Schwieger selbst eingesetzt. Allerdings ist nach Auskunft der eingeschalteten Anwältin nicht damit zu rechnen, dass die neue Gesellschaft bis zur 14. Auflage des Burgfestes am 3. und 4. September ihre volle Geschäftsfähigkeit erlangt hat. "Um aber die Vertragsabschlüsse mit den Künstlern, Händlern und Ausstellern nun endlich auf den Weg zu bringen, hat sich die Gemeinde bereit erklärt, die Trägerschaft überbrückend zu übernehmen", heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung von Schwieger und dem Flecken Apenburg-Winterfeld.

Während einer kurzfristig anberaumten Ratssitzung zum Thema, die am vergangenen Dienstag weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, kam auch der Vorschlag auf den Tisch, dass sich die Gemeinde an der gGmbH beteiligt. Unter anderem könne sie ausgewählte Sachwerte wie die Musikanlage, die Bühne, das Toilettenhäuschen und die Stände, die allesamt in den vergangenen Jahren im Rahmen des Leader plus-Projekts "Kulturpunkt Alte Burg" angeschafft beziehungsweise gebaut wurden, einbringen. Vorteil: Die Rechtsnachfolge des nur noch auf dem Papier existierenden Kulturpunkts wäre besiegelt und möglichen Rückforderungen von Fördergeldern ein Riegel vorgeschoben worden. Doch der Rat entschied sich mehrheitlich gegen eine Beteiligung. Stattdessen soll die Nutzung der Leader-Anschaffungen jetzt durch einen Pachtvertrag geregelt werden. "Der liegt mir bereits vor und ist annehmbar", meinte Andreas Schwieger gestern.

Schwieger: "Jeder kann sich einbringen"

Der Apenburger betonte, dass mit der Gründung der gGmbH ein symbolisches Haus geschaffen werde. "Es hat ein Dach, schützt vor Wind und Regen und warm ist es auch", so Schwieger. Nun müsse in dieses Haus nur noch Leben einkehren. Denn die Gesellschaft "Siegel von Apenburg" soll keine Ein-Mann-Schau werden. "Sie versteht sich als Plattform für alle kreativen Kräfte unseres Ortes und der Umgebung. Jeder kann sich einbringen. Die Themen sind vielfältiger, als so mancher ahnt, wobei das Mittelalter und seine Geschichte aber den Kernpunkt bilden sollen", erklärte der "Burgfest-Vater".

Auch künftig werde man auf die Hilfe vieler Freiwilliger angewiesen sein, um das Großereignis zu stemmen. "Wir haben die Burg im Ort und eine reichhaltige Geschichte, mit der sich auch in die Zukunft schauen lässt. Deshalb sind alle, die Spaß am Leben und ihren Lebensmittelpunkt in Apenburg haben, eingeladen, mitzuwirken", appellierte Schwieger an die Bürger des Ortes.

Nachdem jetzt Planungssicherheit besteht, laufen die Vorbereitungen für die 14. Auflage auf Hochtouren. Im Mittelpunkt soll diesmal das Jahr 1343 stehen, in dem Apenburg abgebrannt wurde. Dazu bauen Mitglieder einer Kalbenser Sekundarschul-Arbeitsgemeinschaft an einer Kulissenstadt, die am Burgfest-Sonnabend gestürmt und in Schutt und Asche gelegt werden soll. Am Sonntag folgt dann der Wiederaufbau, bei dem die noch heute existierende, neun Jahre vor dem Brand gegossene Brakteaten-Glocke der Apenburger Kirche die Hauptrolle spielt. Ein von den Mädchen und Jungen der Kinderkirche angefertigter Nachbau soll symbolisch in das wiedererrichtete Gotteshaus einziehen. Für das Laienspiel an beiden Tagen sind Apenburger und Freunde des Mittelalters aufgerufen, sich zu beteiligen. Ausstaffiert mit Bauernkluft und ihren täglichen Arbeitsgeräten als Waffen sollen sie sich gegen das Heer der Berufskrieger zur Wehr setzen.