Sie wurden geradezu mit Komplimenten überschüttet, die jungen "Damen", für die die Reithalle in Kunrau am Freitag zum Laufsteg wurde. "Sehr interessant und begehrlich" war da ebenso zu hören wie "äußerst charmant", "schönes Gesicht", "tolle Bewegung". Diese Worte galten allerdings nicht zweibeinigen Schönheiten, sondern Pferden, genauer gesagt Jungstuten, die sich um eine Staatsprämienanwartschaft bewarben.

Von Meike Schulze

Kunrau. Im Grunde waren es natürlich die Züchter und Besitzer, die ihre edlen Schönheiten schick herausgeputzt auf den Laufsteg schickten und sich von der Zuchtjury ein angemessenes Urteil erhofften. Nach drei- oder vierjähriger Aufzucht der Tiere wurde in Kunrau nun der nächste Meilenstein gesetzt. 38 Aussteller aus dem nördlichen Sachsen-Anhalt nutzen die Chance, um ihre Pferde von Juroren des Pferdezuchtverbandes Brandenburg-Anhalt bewerten zu lassen, zu denen unter anderem der Zuchtleiter Dr. Ingo Nörenberg gehörte,

Den Auftakt machten die Kaltblutstuten. Hier legten die Zuchtrichter besonderes Augenmerk auf den Schritt, der bei den starken Arbeitstieren besonders ergiebig sein sollte. Aber auch das "Gesamtpaket Kaltblutpferd" musste stimmen, damit es von den Juroren die erhoffte Bewertung mit einer 7,5 (auf einer Skala bis 10) oder besser gab. Denn ab dieser Benotung ist die Staatsprämienanwartschaft gegeben, und es besteht der Ausblick auf eine erfolgreiche Fortführung der Pferdezucht. "Ein toller Jahrgang", befand Nörenberg, der die Schau moderierte, als nacheinander alle neun Stuten im Stand, Schritt und Trab begutachtet waren.

Antonia ist Typschönste

Dieses Lob bezog sich hauptsächlich auf die gut platzierten der kräftigen Damen. Ob mit den hinten platzierten Tieren weitergezüchtet werden sollte, stellte Nörenberg in Frage, "wenn wir bedenken, was wir wollen und sehen, was wir schon in den Ställen stehen haben, ist das nicht unbedingt eine Bereicherung".

Als herausragende Siegerin haben er und seine Richterkollegen Antonia ausgemacht, die im Ring als "ausgeglichenste und typschönste" Kandidatin mit einer 8,1 im Endring an erster Stelle ging. So wie sie haben auch die drei nächstplatzierten Kaltblutstuten die Möglichkeit, am 21. Juni in Krumke die Leistungsprüfung abzulegen und dann die Aussicht auf die Teilnahme an der Staatsprämienschau, die im August in Magdeburg stattfindet.

Am größten war das Aufgebot bei den dreijährigen Warmblutstuten der Rasse Deutsches Sportpferd. Wobei sich schon bei der Einzelpräsentation eine klare Favoritin herauskristallisierte: Lady Ann, die mit einer 8,4 die Tageshöchstnote bekam. "Sie ist mit Sicherheit eine Kandidatin für die Bundesstutenschau im Juni", befand der Zuchtleiter.

Mit einer 8,1 und 8,0 gingen die Reservesiegerin Quambina und die drittplatzierte Quellita aus der Bahn. Beide sind Halbgeschwister, da ihre Züchter jeweils den Bundeschampion Quaterback als Vater ausgesucht hatten. Dieser steht ebenso wie der Vater der Siegerstute, Lord Fantastic, in Diensten der Stiftung Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse). "Insgesamt sind wir mit den gezeigten Stuten sehr zufrieden", lobte Dr. Nörenberg die Arbeit der Züchter.

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