Der kleine Tom, Sohn von Jessika Jacob aus Ristedt, brauchte wegen einer Schädeldeformation vor über einem Jahr eine Kopforthese. Seine Mutter kämpft nun dafür, dass ihre Krankenkasse die Kosten für die Behandlung übernimmt.

Ristedt l Jessika Jacob aus Ristedt, wohnhaft in Trier, ist von ihrer größten Sorge befreit: Die Schädeldeformation ihres Sohnes Tom ist seit über einem Jahr behoben. Doch aufatmen kann die 28-Jährige noch nicht. Ihre Krankenkasse, die IKK gesund plus, weigert sich standhaft, die Kosten für die Behandlung ihres Sohnes zu bezahlen. "Es ist ein schwieriger Fall mit den Schädeldeformationen. Sie gelten laut Sozialgesetzbuch nicht als Krankheit und deswegen übernimmt die Krankenkasse nicht die Kosten", erklärt IKK-Pressesprecher Gunnar Mollenhauer.

Angefangen hatte alles, als Jessika Jacob in Ristedt ihre Eltern besuchte. "Mutti fragte sofort, was denn mit Toms Köpfchen los sei", berichtet die junge Mutter. Daraufhin sei ihr erst aufgefallen, dass mit seinem Kopf etwas nicht stimmt. Tom war da gerade über vier Monate alt, die Zeit, in der Ärzte die Schädeldeformation noch behandeln können.

"Verformungen des Kopfes kommen bei Babys recht häufig vor"

Dabei sind Schädeldeformationen bei Säuglingen nichts Ungewöhnliches. "Verformungen des Kopfes kommen bei Babys recht häufig vor, da bei der Geburt ein sehr großer Druck auf den Schädel des Kindes wirkt", erklärt Dr. med. Heida Ewertowski, Kinderärztin in Klötze. "Meistens gibt sich das dann aber von allein, doch bei einigen Kinder bleibt das und dann muss so schnell wie möglich gehandelt werden."

Das dachte sich auch Jessika Jacob und suchte sofort mit Sohn Tom die Klötzer Kinderärztin in ihrer Praxis auf. Die Ärztin überwies die Mutter nach Konz zu dem Osteopathen Stefan Schmitt. "Der Osteopath hat Tom eine Salbe verschrieben, mit der ich zwei Wochen lang seinen Kopf eincremen musste", erinnert sich Jessika Jacob. Doch nach den zwei Wochen war keine Verbesserung zu sehen. Der Osteopath schickte Tom mit seiner Mutter nach Bonn zu dem Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen Dr. Holger Maas. Dieser riet der Mutter zu einer Helmtherapie, der Behandlung der Deformation durch das Tragen einer speziell angepassten Kopforthese. (Kurzwort aus orthopädisch und Prothese, Anmerk. der Red.) Dafür scannte der Spezialist am 4. Oktober 2010 den Kopf des kleinen Tom.

"Eine Woche später bekam Tom den Helm", weiß seine Mutter. Drei Monate lang musste der Säugling den Helm 23 Stunden am Tag tragen. "Alle drei bis vier Wochen sind wir wieder nach Bonn gefahren, um den Helm anpassen zu lassen", berichtet Jessika Jacob. Nach Ablauf der drei Monate war der Kopf von Tom in Ordnung. "Sein Köpfchen sieht jetzt ganz toll aus", freut sich seine Mutter.

"Bei einem Turmschädel hätte die Kasse die Kosten übernommen"

Einziger Wermutstropfen sind die Arztkosten in Höhe von 647,41 Euro und die Kosten für die Kopforthese in Höhe von 1819 Euro. Denn der Antrag auf Kostenübernahme der Helmtherapie, den Jessika Jacob bei der IKK gesund plus gestellt hat, wurde abgelehnt. Besonders ärgerlich für die 28-Jährige ist, dass die Krankenkasse zunächst glaubte, dass Tom einen Turmschädel hätte, eine Krankheit, bei der die Schädelplatten übereinander wachsen.

Um dies zu prüfen, musste sie einen Arzt in Trier aufsuchen, der jedoch die Aussage von Dr. Heida Ewertowski und Dr. Holger Maas untermauerte, es handele sich wirklich um eine Schädeldeformation. "Hätte der Arzt festgestellt, dass Tom einen Turmschädel hätte, dann hätte die Krankenkasse die Kosten übernommen", ärgert sich Jessika Jacob. Doch in punkto Schädeldeformation lehnt die Krankenkasse weiterhin Zahlungen ab.

"Die Hauptsache ist, dass Tom geholfen wurde"

"Bei der Helmtherapie handelt es sich um eine recht neue Behandlungsweise, deswegen gibt es auch noch keine Untersuchungen, ob die Kinder nicht doch Schäden davontragen", erklärt IKK-Pressesprecher Gunnar Mollenhauer. Aus diesem Grund hatte das Sozialgericht, bei dem Jessika Jacob Klage eingereicht hatte, der Mutter mitgeteilt, dass nach der Gesetzlage sie den Fall verlieren würde.

Die Mutter von Tom verzichtete daraufhin, die Krankenkasse weiter zu bewegen, die Kosten für die Helmtherapie zu übernehmen. "Die Hauptsache ist, dass Tom geholfen wurde", betont sie. Ärgerlich ist die 28-Jährige dennoch, besonders, da ihr bekannt ist, dass andere Krankenkassen sehr wohl die Kosten für die Behandlung von Schädeldeformationen übernehmen.