Am Sonnabend heißt es wieder "Lie hört tau, Ampfurth helau" - der Ampfurther Karnevalverein startet seine Saison mit einer Prunksitzung vor den Senioren. Für die Ampfurther Narren ist es die Jubiläumssaison, sie feiern ihren "40".

Ampfurth l Die Gründung des Ampfurther Karnevalvereins war zunächst reine Frauensache. Die Idee, einen derartigen Verein zu gründen, brachte Bettina Bosse unters Volk. Mit Vera Gebhardt, Brunhilde Nehring sowie Ute Pasemann und Rita Zypro, die sich vor allem um die Tanzmädchen kümmerten, fand Bettina Bosse erste Mitstreiter. Aber mit der Vorbereitung der ersten Prunksitzung kamen auch die Männer ins Spiel. So war Schneidermeister Albert Hinze ein wichtiger Partner, der so manches Kostüm anfertigte.

Von Anfang an dabei war auch Ampfurths heutiger Ortsbürgermeister Achim Röttger. Seine "Karriere" im Karnevalvereins begann er als Polizist, gemeinsam mit seiner Frau bildete er auch ein Prinzenpaar, ehe er viele Jahre lang Sitzungspräsident war und damit dem Elferrat vorstand. Achim Röttger kann sich auch noch erinnern, dass Martin Triebswetter, damaliger LPG-Vorsitzender, erster Sitzungspräsident war.

Lothar Rummel, Conny Mortka oder Achim Pasemann waren etliche Jahre bewährte Büttenredner, heute sind es Tino Dunkel, Gabi Nowak und Julia Doppke.

Doch vor allem die vor einigen Jahren verstorbene Vera Gebhardt war als Kiepenfrau oder "Ampfurther Nachtausgabe" das Markenzeichen des ACC 74. Wenn die Karnevalisten über die Dörfer zogen, pro Saison wurden acht bis zwölf Veranstaltungen organisiert, dann war es Vera Gebhardt, die die Missstände in den Dörfern auf die Schippe nahm. Später setzte diese Aufgabe ihr Mann Frieder, ebenso bereits verstorben, als "Bördebote" fort. "Es war eine gute Zeit für den Karneval, doch heute fehlt leider der Nachwuchs", meint Achim Röttger.

"Für die Mädels war es eine echte Schule des Lebens, mit ihren Auftritten in der Öffentlichkeit erlangten sie viel Selbstbewusstsein."

Wenn Achim Röttger in Erinnerungen schwelgt, dann stellt er sich auch die Frage, wie viele Tanzmädchen wohl in all den Jahren durch die Prunksitzungen tanzten. "Für die Mädels war es eine echte Schule des Lebens, mit ihren Auftritten in der Öffentlichkeit erlangten sie viel Selbstbewusstsein", so der Ampfurther. Vor zwei Jahren gab er das Amt des Sitzungspräsidenten an Martin Niemann weiter. Doch dem ACC 74 ist er treu geblieben, agiert heute eher im Hintergrund. Auch Carmen Kolbe, die viele Jahre den Verein führte und ihr Mann Norbert, der die Technik betreute, sollen nicht unerwähnt bleiben.

Mit Ute Tuchen und Susanne Rummel hat eine neue Generation die Fäden des ACC 74 in die Hände genommen. Susanne Rummel tritt damit in die Fußstapfen ihrer Eltern, seit 19 Jahren ist sie dabei, begann als Tanzmädchen. Ute Tuchen hat sich ebenso dem Tanzen und dem Singen verschrieben, kam mit ihrem Mann als Prinzenpaar zum ACC 74.

Neben den Büttenreden werden die Prunksitzungen des Vereins vom Singen und damit den Schunkelrunden sowie den Tanzgruppen geprägt. "Es gibt drei Kindertanzgruppen. Die Ältesten dürfen bereits an den Abendveranstaltungen teilnehmen. Mit Ulla Dziewior haben wir hier eine Übungsleiterin, die schon viele Jahre dabei ist", so Susanne Rummel und Ute Tuchen. Beim ACC 74 gibt es auch drei erwachsene Tanzgruppen - die "Sexy Ladies", die "Hupfdohlen" und das Männerballett.

Noch ist für die aktuelle Saison kein Prinzenpaar gefunden worden. Da es sich aber um eine Jubiläumssaison handelt, könnte es mit Hubert und Gabi Nowak ein Königspaar geben.

"Und zwischen Weihnachten und Neujahr finden immer die Generalproben statt."

Wenn nun am kommenden Sonnabend die Senioren in Seehausen die Premiere des neuen Programms erleben, dann liegen hinter den Karnevalisten bereits Wochen der umfangreichen Vorbereitung. Wie Ute Tuchen und Susanne Rummel berichten, beginnen diese im September. Ab dann findet man sich 14-tägig zusammen, probt jede Gruppe noch für sich, werden Verträge in den Ortschaften für die Auftritte geschnürt. "Und zwischen Weihnachten und Neujahr findet eine Generalprobe statt", wie Ute Tuchen und Susanne Rummel sagen.

Im Verlauf der Jahre hat sich ein großer Fundus an Kostümen und Technik angesammelt. Seit 2013 kann der Elferrat an einem neuen Tisch Platz nehmen und nähen Birgit Dunkel sowie Marion Becker, wenn nötig, neue Kostüme. Für die Betreuung der Technik ist Guido Reber verantwortlich. Um sämtliche "Zutaten" für die Prunksitzungen von Ort zu Ort tranportieren zu können, stellt die Firma Bördeglas seit Jahren einen Transporter zur Verfügung.

Und wenn von 40 Jahren ACC 74 die Rede ist, dann darf nicht vergessen werden, dass seit einigen Jahren auch der Kinderkarneval so richtig zu feiern versteht - mit allem, was zu einer Prunksitzung gehört: Tanzmädchen, Büttenreden und Sitzungspräsident. Und zur neuen Saison sei nur soviel verraten: Die Zuschauer werden das Beste aus 40 Jahren ACC 74 erleben.

Den 40. Geburtstag feiern die Karnevalisten nach der Faschingssaison am 21. Juni im Rahmen des Ampfurther Burgfestes. Dann sind nicht nur alle Ampfurther Vereine mit von der Partie, sondern eingeladen werden auch die Karnevalvereine der Region.