Die Gemeinde Eilsleben stellt die freiwilligen Zuwendungen für Neugeborene und Häuslebauer ab sofort ein. Das hat der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen. Gegen den Willen von Bürgermeister Manfred Jordan.

Eilsleben l Mit der Entscheidung seines Gemeinderats ist Jordan "nicht ganz glücklich". Auf Empfehlung des Sozial- ausschusses war auf der jüngsten Ratssitzung der Beschluss gefasst worden: Begrüßungsgeld und Baukostenzuschuss werden wieder gestrichen. Bis dato zahlte die Kommune freiwillig 500 Euro (bis 2010 das Doppelte) für die Neuankömmlinge und sogar 5000 Euro für jene, die sich für einen Hausbau in der Gemeinde entschieden haben. Seit 2008 gab es diese Familienförderung in Eils- leben und nach der kommunalen Neuordnung im Jahr 2010 auch in den Ortsteilen, die Manfred Jordan als "kleine, aber attraktive Starthilfe und als Dankeschön für die Entscheidung pro Gemeinde Eilsleben" ansieht. "Außerdem", so Jordan weiter, "waren diese Maßnahmen ein Alleinstellungsmerkmal hier in der Gegend, das womöglich auch dafür gesorgt hat, dass Familien herkommen oder hierbleiben."

Der Bürgermeister hadert mit dem Mehrheitsentscheid des Rats: "Diese beiden Beschlüsse wurden jetzt zurückgenommen, ohne dass Haushaltsprobleme vorliegen. Der Sozialausschuss erhofft sich dadurch mehr Nachhaltigkeit, aber was ist nachhaltiger als die bisherigen direkten Zuwendungen der Gemeinde?" Jordan zufolge sei nicht gewährleistet, dass das formal zunächst eingesparte Geld nun auch in Projekte für Familien, Kinder und Jugendliche investiert werde.

Ratskollege Wolfgang Dommes, Vorsitzender des Sozial- ausschusses, sieht das etwas anders. Er verteidigt den Schritt: "Wir haben die Empfehlung ausgesprochen, weil die Hauhaltslage eben nicht so ist, dass wir aus dem Vollen schöpfen können. Die Gelder auch unserer Gemeinde sind knapp bemessen, daher wollten wir die Familien- zuschüsse in eine andere Richtung lenken, eine, die allen etwas bringt." Absicht sei es demnach, mit den freiwilligen Aufgaben weiterhin eine lebenswerte Gemeindegestaltung zu verfolgen, indem man das Geld beispielsweise für die Badeanstalt, Spielplätze oder Jugendclubs verwendet.

Immerhin 12000 Euro hat die Gemeinde jährlich im Schnitt an Begrüßungsgeld ausgeschüttet. Der Baukostenzuschuss kam in sechs Jahren 30 Empfängern zugute - insgesamt also 150000 Euro. "Und trotzdem haben wir auch noch nebenher investieren können", sagt Manfred Jordan. Er ist sicher, dies wäre auch weiter möglich gewesen. Doch folgte die Mehrheit der 19 Ratsmitglieder der Auffassung des Sozial- ausschusses. So überbrachte der Bürgermeister den beiden Dezember-Ankömmlingen der Gemeinde in der Vorwoche letztmalig einen Begrüßungsscheck: Luisa Brentrop in Ovelgünne und Nick Rost in Eils- leben. Sie waren die Nummer 29 und 30 im Jahr 2013, die noch mit der 500-Euro-Unterstützung bedacht wurden.

"Es ist zwar schön, dass wir das alles in den vergangenen Jahren zahlen konnten", betonte Wolfgang Dommes gegenüber der Volksstimme, "aber uns ging es jetzt um eine langfristige und nachhaltigere Möglichkeit, das Geld für eine Attraktivitätssteigerung in der ganzen Gemeinde zu nutzen."

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