Sülzetal. Ist es nur ein Gerücht, dass die Gemeinde Sülzetal ein neues Feuerwehr-Fahrzeug angeschafft hat? Diese Frage geistert zurzeit durch das Sülzetal. Nein, es ist kein Gerücht und deshalb sorgt die Anschaffung für dicke Luft, weil der Gemeinderat nicht informiert war.

Bei dem neuen Fahrzeug handelt sich um einen Einsatzleitwagen, den jede Einheits- und Verbandsgemeinde gemäß Dienstverordnung 100 vorzuhalten hat, um komplexe Schadenslagen bewältigen zu können, erklärt Feuerwehr-Fachmann und Gemeindewehrleiter der Gemeinde Sülzetal, Marco Dahlke.

Schon länger war die Anschaffung dieses besagten Fahrzeuges im Gespräch, doch immer fehlte es an Geld. Im vergangenen Jahr zeichnete sich eine mögliche Lösung ab, doch noch ein Fahrzeug kostengünstig für die Gemeinde zu beschaffen.

Verkäufer ließ sich nicht weiter vertrösten

Bekanntlich fuhr Bürgermeister Erich Wasserthal mal einen Jeep, aufgemotzt als Feuerwehrjeep. Diesen Jeep gab das Ortsoberhaupt als Dienstwagen ab. Das Fahrzeug wurde fortan von der Gemeindewehrleitung genutzt, war aber in seiner Bauform als Einsatzleitwagen nicht geeignet. So wurde in Ansprache mit Ordnungsamtsleiter Rudi Wenzel im Frühjahr des vergangenen Jahres versucht, den Jeep zu verkaufen.

Zu dieser Zeit fand sich jedoch kein Interessent. Zudem hätte der Verkaufserlös aufgrund des fehlenden Gemeinde-Haushaltes nicht für ein neues Fahrzeug zur Verfügung gestanden.

"Im August/September 2010 starteten wir den zweiten Verkaufsversuch mit dem Hintergrund, den Erlös in das entsprechende Führungsfahrzeug zu stecken. Der Verkauf gelang. Wir bekamen 21 000 Euro für das Fahrzeug. Jedoch zog sich nun die Ausgleichsbeschaffung hin. Es war nicht so einfach ein Fahrzeug zu finden, dass den Anforderungen entsprach. Zum einen sind gebrauchte Einsatzleitfahrzeuge sehr schwer zu bekommen, zum anderen fehlte noch immer der Haushalt", berichtete Marco Dahlke weiter.

Mitte Oktober fand sich dann ein passendes Fahrzeug. Es wurde Probe gefahren, die erforderlichen Angebote eingeholt. Der T5 war mit Abstand das günstigste Fahrzeug. Der Vertrag wurde aufgesetzt. Doch abermals wurde die Gemeindewehrleitung um Geduld gebeten. Eine Gemeinderatssitzung musste abgewartet werden. Diese fand schließlich am 25. November statt.

Doch wurde an diesem Tag zwar der Haushalt der Gemeinde Sülzetal für das Jahr 2010 beschlossen, aber versäumt, den Verkauf des Jeeps und den beabsichtigten Kauf des Einsatzleitwagens bekanntzumachen. Schließlich wollte sich der Verkäufer des T5 nicht länger gedulden, und so wurde das Fahrzeug ohne Wissen des Gemeinderates gekauft. Eben auch, weil derartige Fahrzeuge rar und sehr begehrt sind.

Im Übrigen folgten ja im Dezember noch zwei weitere Gemeinderatssitzungen, doch der Einsatzleitwagen wurde mit keiner Silbe erwähnt. Womit sich der Gemeinderat und auch die Verwaltung monatelang beschäftigte, ist hinlänglich bekannt: Der Einsatz der Konjunkturmittel für die Grundschulen ging hin und her.

"Ein Einsatzleitwagen als Neufahrzeug dieser Größe, wie wir es nun angeschafft haben, kostet ca. 65 000 Euro. Wir haben bisher den Kaufpreis von 18 950 Euro bezahlt, Folgekosten, die durch den Umbau entstehen, werden sich auf etwa 2000 Euro belaufen. Damit bleiben wir in etwa in dem Verkaufserlös des Jeeps und haben der Gemeinde keine zusätzlichen Kosten beschert. Für den Komplettausbau wollen wir in den Gemeinde-Haushalt 2011 weitere Mittel aufnehmen lassen, die wären aber auch ohne den Kauf notwendig gewesen", erklärt Marco Dahlke.

Einsatz nicht allein für Osterweddingen

Kritische Fragen gab es auch, wieso das Fahrzeug in Osterweddingen steht. "Auch wenn das Fahrzeug in Osterweddingen steht, kann es aber dennoch bei komplexen Schadenslagen zu jedem Einsatz als Führungsunterstützung hinzugerufen werden. Der Standort Osterweddingen wurde auch gewählt, weil hier die meisten vorhanden Führungskräfte, die höchste Anzahl an Verbands-, Zug- und Gruppenführern vorhanden ist. Außerdem steht es als Führungsfahrzeug für die Gemeindewehrleitung zur Verfügung", erklärt der Gemeindewehrleiter weiter.

Erich Wasserthal, der nun in der Kritik steht, weil sich der Gemeinderat übergangen fühlt, ist stocksauer: "Die Ein- und Ausgaben sind im Haushalt 2010 eingestellt. Das hat alles seine Richtigkeit. Dennoch ist mir klar, dass wir uns diese nun unschönen Diskussionen hätten ersparen können."

 

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