Bei 15 Einsätzen waren die 22 aktiven Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Hohendodeleben im vergangenen Jahr mehr als 750 Stunden im Dienst. Das Problem: Die Aufgaben müssen von immer weniger Einsatzkräften geschultert werden.

Hohendodeleben l Die Feuerwehrfrauen und -männer aus Hohendodeleben haben im vergangenen Jahr 750,5 Einsatzstunden bei 15 Einsätzen geleistet, die von der normalen Ölspur über Verkehrsunfall bis hin zu Brandeinsätzen reichten. Diese Bilanz zogen die Brandschützer bei ihrer diesjährigen Jahreshauptversammlung.

Ortswehrleiter Jörg Drebenstedt: "Die Anzahl der Einsätze liegt in etwa im Schnitt der letzten Jahre, die aber durch immer weniger Kameraden abgearbeitet werden müssen."

"In Sachsen-Anhalt ist in den letzten 10 Jahren dazu nichts passiert."

Wehrleiter Jörg Drebenstedt

Derzeit sind in der Feuerwehr Hohendodeleben noch 22 Kameraden aktiv. Trotz intensiver Bemühungen in der Nachwuchs- und Mitgliedergewinnung konnte noch kein steigender Trend erreicht werden. Die Zugänge würden sich in etwa mit den Abgängen die Waage halten, hieß es.

Vier Anwärter sollen demnächst die Reihen der Einsatzabteilung verstärken, sagte der Ortswehrleiter. Abschnittsleiter Ralf Lange zeigte auf, dass allein im ehemaligen Altkreis Börde seit 2006 so viele Mitglieder verloren gegangen sind, wie die gesamte Westliche Börde Mitglieder hat (das entspricht zwölf Ortsfeuerwehren).

Ortswehrleiter Jörg Drebenstedt mahnte an, dass er sich zu dieser gesamten Thematik allein gelassen fühle. Er fordert für die Mitgliedergewinnung landesweite Projekte. Als Beispiel führte er Schleswig-Holstein an, das zehn Jahre benötigt hat, bis entsprechende Projekte Wirkung gezeigt hätten. "In Sachsen-Anhalt ist in den vergangenen zehn Jahren dazu nichts passiert", ärgert sich Drebenstedt.

Somit ist zu erwarten, dass in den nächsten zehn Jahren weitere Mitglieder im Ausmaß von insgesamt zwölf Ortsfeuerwehren von der Liste verschwinden werden. Der Verlust an Mitgliedern sei in Hohendodeleben zum einen auf das Alter vieler Kameraden zurückzuführen, die nach und nach in Rente gehen. Ab 65 dürfen sie nicht mehr am Einsatzdienst teilnehmen, erklärt der Blaurock. Diese Fluktuation könne kaum durch nachrückende Kräfte ausgeglichen werden. Jörg Drebenstedt: "Außerdem hat unsere Ortswehr in den zurückliegenden Jahren auch deshalb einige Kameraden verloren, weil sie einfach keine Wohnmöglichkeit vor Ort gefunden haben und deshalb beispielsweise nach Magdeburg umgezogen sind. Warum wird hierzu auch seitens der Stadt so wenig unternommen, um Wohnraum, wie Baugrundstücke in Hohendodeleben zu schaffen?"

Dem allgemeinen Trend des Mitgliederschwundes versuchen die Hohendodeleber Kameraden aktiv mit der Ausbildung der Nachwuchskräfte in der Jugend- und Kinderfeuerwehr entgegenzuwirken. "Derzeit haben wir es aufgrund guter Arbeit in der Jugendabteilung geschafft, dass 11 von 22 Einsatzkräften jünger als 27 sind."

Aus der hier bereits seit mehreren Jahren aktiven Kinderfeuerwehr, die derzeit 13 kleine Brandschützer zählt, hätten im Vorjahr laut Brandschutzerzieherin Andrea Drebenstedt erstmals sechs Kinder in die Jugendfeuerwehr wechseln können, "die hoffentlich frühestens in acht Jahren die Einsatzabteilung unterstützen werden", hofft derweil der Ortswehrleiter.

Auch an der technischen Ausstattung der Wehr habe sich im zurückliegenden Jahr nicht viel verbessert. Das Rettungsgerät sei nun mehr als 20 Jahre alt, "tropfe wie eine Ölsardine" und verzeichnet selbst beim Schneiden älterer Fahrzeuge bereits massive Schwächen. Jörg Drebenstedt: "Eine Personenrettung aus modernen Fahrzeugen scheint mit diesem Gerät unmöglich zu sein."

Trotz der Kameradenanzahl können sich die Bürger in Hohendodeleben sicher fühlen, erklärt der Ortswehrleiter. Im Vorjahr waren tagsüber jeweils elf Kameraden einsatzbereit. "Sicherlich sind beim Rückblick auf 2013 die sechs Hochwasser- einsätze besonders zu erwähnen, aber im Großen und Ganzen ist die Hohendodeleber Wehr in der Lage, einen erfolgreichen Löschangriff zu starten", sagt er weiter.

Verbessert habe sich die Ausstattung in punkto Einsatzbekleidung. Drebenstedt: "Allerdings fehlen uns immer noch Dienstuniformen, vorallem für unsere Anwärter."

Kamerad Sascha Schmidt wurde bei der Jahreshauptversammlung zum Nachfolger des derzeit noch amtierenden stellvertretenden Ortswehrleiters Martin Gille gewählt, der 2015 aus dem Amt ausscheiden wird. Auch der Vorstand des Fördervereins musste mit Ablauf der Amtszeit neu gewählt werden. Den Vorsitz übernimmt von Sascha Schmidt sein Stellvertreter Daniel Pohl, der nun gemeinsam mit den 60 Mitgliedern und den Brandschützern für den 21. Juni einen Tag der offenen Gerätehaustür plant. "Vielleicht entscheidet sich dann doch der ein oder andere Bürger dafür, in der Feuerwehr oder im Verein mitzuwirken", rührt die Wehrleitung die Werbetrommel.

 

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