In der Siedlung Zwölf Apostel ist die Aufregung groß. Obwohl die Stadt verkündet hat, dass alle Teiche untersucht und potentielle Gefahrenquellen beseitigt sind, ist die Umzäunung eines früheren Löschteichs in der Siedlung nach wie vor kaputt und das Gewässer Kindern problemlos zugänglich. In den 60er Jahren ist in diesem Teich bereits ein Kind ertrunken. Das Problem: Der Teich befindet sich auf einem privaten Grundstück.

Oschersleben l Als Sandor Hühn in unserer Mittwoch-Ausgabe der vorigen Woche las, dass das Oschersleber Ordnungsamt sämtliche Gewässer in seinem Zuständigkeitsbereich überprüft und potentielle Gefahrenquellen beseitigt hat, fiel ihm zunächst ein Stein vom Herzen. "Dann haben sie ja auch endlich den Zaun um unseren Löschteich in Ordnung gebracht", schlussfolgert Hühn, der mit Frau und zwei Kindern in der zwischen Oschersleben und Hornhausen gelegenen Siedlung Zwölf Apostel wohnt.

Doch so ganz traut der Familienvater der Sache, also der Aussage des Ordnungsamtsleiters Gerd Ludwig dann doch nicht. Er will sich lieber selbst überzeugen und marschiert zum Teich. Und siehe da, hier ist alles beim alten. Die Umzäunung ist so marode wie ehedem. Die Tür ist wie gehabt kaputt, sprich aus den Angeln gerissen und bietet wie seit Jahren freien Eintritt. Und wie auch seit Jahren besteht nach wie vor an mehreren Stellen ringsum die Möglichkeit, problemlos unten durch die Maschendrahtfelder zu schlüpfen.

"Eigentlich wollte ich ja noch einmal das Ordnungsamt direkt auffordern, diesen Missstand endlich zu beseitigen", sagt Sandor Hühn: "Doch wenn der Öffentlichkeit gesagt wird, dass alle potentiellen Gefahrenquellen beseitigt sind, dann soll die Öffentlichkeit auch erfahren, dass das nicht stimmt", so der besorgte Vater.

Bereits vor einem Jahr ist der Zustand des Löschteichs bei den Bewohnern der Siedlung Zwölf Apostel ein großer Aufreger gewesen. Nämlich nachdem ein siebenjähriger Junge in einem Teich in Andersleben ertrunken war. Und das nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass in den 60er Jahren auch in diesem Löschteich der Zwölf-Apostel-Siedlung ein Kind ertrunken ist.

"Ein Nachbar von mir ist nach dem Unglück in Andersleben sofort ins Oschersleber Rathaus gegangen und hat dort auf die Gefahren, die von unserem Löschteich ausgehen, aufmerksam gemacht", sagt Sandor Hühn, der vor dreieinhalb Jahren in die Siedlung Zwölf Apostel gezogen ist und den Teich schon immer mit etwas Skepsis beäugt. Inzwischen hat er zwei Kinder, die ein Jahr beziehungsweise drei Jahre alt sind, und ist damit noch besorgter. Zumal er inzwischen auch von dem tragischen Ereignis aus den 60er Jahren erfahren hat.

"Insgesamt wohnen in unserer Siedlung sieben Kinder im Alter von einem Jahr bis zu acht Jahren. Und ich möchte nicht, dass einem von ihnen etwas passiert. Deshalb erwarte ich, dass sich hier ganz schnell etwas ändert", sagt Sandor Hühn, als er der Volksstimme den Löschteich nebst offener Tür und den Zaun-Schlupflöchern zeigt.

"Im vergangenen Jahr sind hier Leute aufgetaucht, die sich wenige Minuten umgesehen und dann an den Zaun ein paar Schilder angebracht haben."

Dass Sandor Hühn das Umfeld des Löschteichs mit jemandem begutachtet, der Fotoapparat und Notizblock dabei hat, interessiert auch Nachbar Jörg Salditt, der sich schnell dazugesellt. Was kein Wunder ist, war es doch dessen Bruder Volker, der damals in diesem Löschteich im Alter von vier Jahren ertrunken ist.

Und nicht zuletzt deshalb ist auch Jörg Salditt über den Zustand der heutigen Löschteich-Umzäunung sehr verärgert. Salditt erinnert sich, dass sich in den 90er Jahren zum letzten Mal die damals noch vorhandene Feuerwehr Neubrandsleben um den Löschteich gekümmert hat. "Und im vergangenen Jahr sind hier nur Leute aufgetaucht, die sich wenige Minuten umgesehen und an den Zaun ein paar Schilder angebracht haben." Schilder, die noch immer hängen und warnen: "Betreten der Baustelle verboten. Eltern haften für ihre Kinder". Doch eine Baustelle ist der Löschteich bis heute nicht geworden, wie Sandor Hühn ganz besorgt feststellt.

"Es ist auch kein Löschteich mehr", sagt Oscherslebens Ordnungsamtsleiter Gerd Ludwig und weist darauf hin, dass sich der Teich und das unbebaute Grundstück ringsum in Privatbesitz befindet. Das sei schon immer so gewesen, auch wenn der Teich bis vor ein paar Jahren noch zur Löschwasserversorgung genutzt wurde, weil der Wasserdruck in der Siedlung gering ist. "Inzwischen gibt es aber eine Vereinbarung mit dem Trink- und Abwasserverband Börde, dass im Bedarfsfall der Wasserdruck in der Siedlung erhöht wird und die Feuerwehr die Hydranten nutzen kann", so der Ordnungsamtsleiter, der sich dennoch für den Hinweis der Einwohner über den Zustand der Umzäunung bedankt. Das Ordnungsamt habe den Grundstücksbesitzer, der nicht in Sachsen-Anhalt lebt, bereits einmal schriftlich aufgefordert, sich um die Sicherheit seines Grundstücks zu kümmern, sagt Gerd Ludwig, der den Stand der Dinge überprüfen und wenn erforderlich Maßnahmen einleiten will.

 

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