Die Stadt Oschersleben schiebt weiter ein Loch im Haushalt vor sich her. Im Etat für 2011 beträgt es 1,38 Millionen Euro und ist im Vergleich zum Vorjahr, als in der Kasse 2,71 Millionen Euro fehlten, deutlich kleiner geworden. In erster Lesung beschäftigten sich die Mitglieder des Oschersleber Finanz- und Rechnungsprüfungsausschusses sowie des Hauptausschusses mit dem Haushalt für dieses Jahr.

Oschersleben. Weil die Stadt Oschersleben auch für dieses Jahr keinen bei Einnahmen und Ausgaben ausgeglichenen Haushalt vorlegen kann, muss sie der Kommunalaufsicht des Kreises ein Haushaltskonsolidierungskonzept bis 2014 vorlegen. In dem ist festgeschrieben, wie sich Verwaltung und Stadtrat vorstellen, aus den roten Zahlen zu kommen. Mit diesem Konzept beschäftigten sich jetzt die Mitglieder des Finanz- und Rechnungsprüfungsausschusses sowie des Hauptausschusses in einer gemeinsamen Sitzung das erste Mal. Beschlossen ist noch nichts. Auf Anregung von Bürgermeister Dieter Klenke (parteilos) nehmen die Fraktionen das Streichpapier mit, um es bis zur Sitzung des Stadtrates am 26. Januar zusammen mit dem Haushaltsplanentwurf 2011 zu beraten.

Im Konzept macht die Verwaltung dem Rat Vorschläge, wo die Stadt Oschersleben Geld einsparen und wo sie mehr einnehmen kann. Bestandteil des Sparvorschlags ist wiederum die mögliche Schließung des Oschersleber Freibades in der Breitscheidstraße, die nunmehr von Marco Eisemann vom Fachamt für Finanzen ins Jahr 2013 verschoben wurde. Der Verwaltungsmann stellte seine Anregung in den Raum, das Freibad zu schließen und die Volksschwimmhalle im Peseckendorfer Weg mit einem Anbau aufzuwerten, um auch im Sommer eine Bademöglichkeit zu haben. Das könne jedoch erst 2014 oder 2015 realisiert werden. "So lange müssen die Oschersleber ohne Freibad auskommen", zeigte der Finanzexperte eine bittere Konsequenz auf. Von der Schließung des Freibades verspricht sich die Stadt Einsparungen von jährlich 84 100 Euro, die sich aus nicht geplanten Betriebskosten ergeben.

"Die Leute müssen aktiver werden und Einrichtungen wie das Freibad mehr nutzen", forderte SPD-Stadtrat Werner Mormann die Oschersleber auf, mehr baden zu gehen. Wenn das die Bevölkerung nicht tue, sei sie mit daran Schuld, wenn das Freibad geschlossen werde. "Wir können keinen zwangsweise dazu verpflichten, so und so viele Badestunden zu absolvieren", bezeichnete Bürgermeister Klenke die Bemerkung von Mormann als "frommen Wunsch".

Wie im Haushaltskonsolidierungskonzept nachzulesen ist, hat die Volksschwimmhalle im Jahr 2010 einen Ertrag von 128 200 Euro erbracht. Dem steht ein Aufwand für Technik und Personal von 757 800 Euro gegenüber. Beim Freibad liegt das Missverhältnis zwischen Einnahmen und Aufwand bei 22 100 Euro zu 294 100 Euro.

Neu in das Haushaltskonsolidierungskonzept aufgenommen hat die städtische Finanzverwaltung um ihren Leiter Eisemann den Vorschlag, die jährliche Förderung von 66 400 Euro für das Schauaquarium in der Triftstraße ab 2012 komplett zu streichen. "Die absolute Streichung der Förderung für das Schauaquarium finde ich nicht angebracht", sagte Norbert Kurzel (Freie Bürger Initiative). Vielmehr plädiere er dafür, die Zuschüsse schrittweise zu verringern. "Das ist nicht machbar, mit halber Leistung kann der Betreiber nicht auskommen", befand Bürgermeister Klenke. Kündige die Stadt den Vertrag über die Förderung, werde der Betreiber das Schauaquarium schließen müssen, befürchtete der Bürgermeister.

Das bestätigte Andreas Die-tel als Inhaber des Schauaquariums gestern gegenüber der Volksstimme. "Dann muss ich sofort zumachen", sagte er schockiert angesichts der möglichen Streichung der Zuschüsse durch die Stadt ab 2012. Wenn es so weit komme, brauche er auch einen gewissen zeitlichen Vorlauf. "Das sind Tiere und keine Bücher, die man einfach ins Regal stellen kann", verdeutlichte Dietel, der zudem betonte: "Wenn ich das Schauaquarium schließen muss, gibt es so etwas in Oschersleben nie wieder".