Hunderte Bürger haben zeitgleich in vier Ortschaften der Einheitsgemeinde Freitagnachmittag gegen die geplanten Schulschließungen protestiert. Sie kritisieren die Sparpläne des Kultusministers und fordern den Erhalt der kleinen Schulen. Die nächste Aktion kündigt das Bündnis "Grundschulen vor Ort" bereits für den 27. März vor der Magdeburger Johanniskirche an.

StadtWanzleben-Börde l Die Schulschließungspläne des Kultusministers bringen die Bürger der Stadt Wanzleben - Börde nicht mehr nur auf die Palme, sondern seit Freitag auch auf die Straße. Und zwar in Scharen. "Das letzte Mal haben wir vor 25 Jahren auf öffentlichen Plätzen demonstriert", erinnert sich Klein Wanzlebens Ortschef Horst Flügel in seiner Ansprache an die Menschentraube bei der Schul-Protest-Demo im Zuckerdorf Freitagnachmittag. Einen Tag zuvor hatte er noch gemeinsam mit den Mitgliedern des Schulfördervereins Flugzettel in die Briefkästen der Dorfbewohner gesteckt, um auf die Protestaktion aufmerksam zu machen.

In Begleitung von Polizei und Feuerwehr zogen hier rund 300 Demonstranten mit Plakaten und "Stirbt die Schule, stirbt der Ort"-Spruchbändern durch die Gemeinde bis hin zur Kita.

Zeitgleich machten auf dem Seehäuser Marktplatz ebenfalls rund 300 Bürger ihrem Unmut über die Schulschließungspläne öffentlich Luft. "Schließen die Schulen, wird der demografische Wandel in der ländlichen Region extrem beschleunigt", sorgt sich Ortschef Eckhard Jockisch, der fest an den Erhalt der Seehäuser Grundschule glaubt und festhält. "Aktuell werden rund 100000 Euro in das Schulgebäude investiert, um die Brandschutzauflagen zu erfüllen. Die Schulen zu erhalten, ist der einzig richtige Weg. Die Bildung unserer Jüngsten sollte uns etwas wert sein, daran sollte kein Politiker sparen. Der Rotstift muss an ganz anderen Stellen angesetzt werden", meint der 70-Jährige.

Das sieht auch Pfarrer Thomas Seiler so. "Grundschüler brauchen kein Computerkabinett. Sie brauchen Wurzeln, ein Heimatgefühl und ihre Schulfreunde im Ort, sowie Zeit zum Spielen und Kindsein. Doch das geht verloren, wenn man sie frühmorgens in den Schulbus steckt", sagt der Seehäuser, der dazu passend folgenden Liedtext vortrug: "Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern."

Auch Frank Müller vom Vorstand des Seehäuser Schul- und Kitafördervereins (rund 90 Mitglieder) ergriff das Wort. Er forderte alle Anwesenden auf, sich an der Unterschriftensammlung für die Online-Petition zu beteiligen. "Wir haben noch knapp 40 Tage Zeit. 16000 haben schon unterschrieben. 50000 lautet das erklärte Ziel", kündigt der Familienvater an.

Auch in Klein Wanzleben wurden fleißig Unterschriften gesammelt. Die lokalen Protestinitiativen in der Einheitsgemeinde im Kampf gegen die Schulschließungen wurden auch am Freitag wieder vom landesweiten Aktionsbündnis "Grundschulen vor Ort" unterstützt. In Seehausen wirbt Bündnisvertreter und Dreifach-Papa Ernst Romoser aus Ausleben ebenfalls für die Petition sowie für die nächste Protestaktion gegen die Grundschul-Schließungspläne, die am Donnerstag, 27. März, geplant ist. Die Großdemonstration soll vor der Magdeburger Johanniskirche, in dem derzeit der Landtag tagt, um 16 Uhr beginnen, informiert er. Dabei sollen auch die in den Orten gesammelten Unterschriftenlisten an den Minister überreicht werden, kündigt Horst Flügel an. Mit dabei sein werden auch Protestler aus den Schulstandorten Domersleben und Hohendodeleben. Die Schulfördervereine hatten hier bereits zu Schmückaktionen unter dem Motto "Sachsen-Anhalt wird bunt" aufgerufen.

Auch in Hohendodeleben verteilte Freitagnachmittag Ortschef Werner Jander bunte Wimpel an rund 100 Demonstranten, die den Weg zwischen der Schule "Friedrich von Matthisson" an der Feuerwehr vorbei bis hin zur Kita "Sonnenschein" schmückten, um ihren Protest symbolisch Ausdruck zu verleihen.

Im Rahmen der nächsten Sozialausschusssitzung am Montag, 31. März, steht unter anderem ab 19 Uhr im Wanzleber Rathauskeller auch die Änderung der Schuleinzugsbereiche für die Grundschulen in der Stadt zur Debatte. Für die Aufhebung jener Einzugsgrenzen hätte sich schon vor geraumer Zeit der Hohendodeleber Ortschaftsrat ausgesprochen, erklärte Ortsbürgermeister Werner Jander auf Nachfrage.

   

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