Dem Stadtrat eine "Verjüngungskur" verpassen. Schneller Entscheidungen fällen, aber alle Generationen einbinden. Selbst mitbestimmen, statt über sich bestimmen lassen. Dafür stehen die vier Kandidaten bis 30 für die Genthiner Stadtratswahl 2014.

Genthin l Am 25. Mai hat Genthin die Wahl. Für den Stadtrat stehen vier Kandidaten bis zum 30. Lebensjahr auf dem Wahlzettel. Heute stellen wir sie vor.

Politisches Interesse und Heimatverbundenheit

Als studentischer Assistent wirkt Alexander Otto seit kurzem im Wirtschaftsrat Sachsen-Anhalts mit. Das politische Interesse entwickelte sich durch ein Praktikum im Genthiner Rathaus im fünften Semesters seines Studiums der Bildungs- und Sozialwissenschaften in Magdeburg sowie als Mitglied der Jungen Union im Jerichower Land.

Die amtierende Kartoffelkönigin Caroline Lange war einige Male als Wahlhelferin aktiv. Nun steht sie selbst als Stadtrats-Kandidatin der CDU zur Wahl. "Ich habe Respekt vor der Aufgabe, halte es aber für eine gute Sache." Man wachse ja schließlich an seinen Aufgaben.

"Wenn ich meinen Kirchturm nicht sehe, bin ich unglücklich", sagt der 28-jährige Willi Bernicke. Für den gebürtigen Genthiner ist es nicht das erste Mal, dass er Stadtratsluft schnuppern würde. Damals war er, nach Selbsteinschätzung, mit 21 noch etwas zu jung. Nun, etwas gesetzter, tritt er zum zweiten Mal an.

"Gerade in einer Kommune hat man viele Möglichkeiten sich politisch zu engagieren" sagt der Kandidat für die SPD Udo Krause. Der 30-jährige ist selbstständiger Versicherungsfachmann in Burg. Der Tucheimer kennt die Region von klein auf, sagt er.

Als junger Mensch in die Kommunalpolitik?

Ottos Motto: Innovative, moderne Mandatsträger für eine modernere Stadtpolitik. Junge Menschen im Genthiner Stadtrat? Für den 22-Jährigen bedeutet dies eine mögliche schnellere Entscheidungsfindung. "Die zahlreichen Erfahrungen vermischt mit Parteiansichten und persönlichen Interessen im derzeitigen Stadtrat ziehen die Entscheidungsfindung in die Länge."

Die staatlich geprüfte Erzieherin Lange setzt auf eine Mischung zwischen Jung und Alt im Stadtrat bei den Entscheidungen über die Geschicke Genthins. In die Sitzungen hat sie bereits reingeschnuppert. "Eine Verjüngungskur im Stadtrat würde das Miteinander aller Generationen in Genthin fördern.", sagt Lange.

Bernicke meint: "Es ist die Aufgabe der jüngeren Genthiner ihre Themen in den Stadtrat zu bringen." Der Bürokaufmann organisierte mit 16 seine erste Demonstration gegen einen Naziaufmarsch.

Krause war schon in Russland und England unterwegs. Entschied sich dann, zurück zu kehren und in die Kommunalpolitik zu gehen. "Ich sehe eine zunehmende Verkrustung der Strukturen im Stadtrat. Wenn man selbst nicht aktiv wird, läuft man Gefahr bestimmt zu werden", dass sei nicht seine Art.

Angesicht des demografischen Wandels sei es eine Pflicht der Jugend, sich für die eigene Kommune zu interessieren. Da sind sich alle einig.

Was muss sich in der Kanalstadt ändern?

Otto sieht in der Kommunalpolitik die Gelegenheit für ein jugendlicheres Genthin aktiv zu werden. Karrierechancen und Berufsfindung sind für ihn wichtige Punkte, die er als Projektleiter von "Genthin2020" bereits aktiv angegangen ist. Den Volkspark beleben, den Wasserturm restaurieren. Das sind weitere Anliegen, die für den Jüngsten nicht aus den Augen verloren werden dürfen.

Öffentliche Grünanlagen erhalten und ein attraktives Umfeld für junge Familien schaffen. Wegweisend für die 26-Jährige Lange für die Zukunft der Kanalstadt. Engagement für soziale Anliegen steht bei ihr an erster Stelle.

Als Angestellter in der Innenstadt ist deren Erhalt und Förderung für Kandidat Bernicke wichtig. Das Stichwort ist hier "noch mehr Attraktivität". "Und wenn man erstmal nur ein paar Tische für Gäste vor die Cafés stellt." Die scheinbare "Zweiteilung" Genthins ist ihm auch ein Anliegen. Er selbst hat schon in Genthin-Süd gewohnt. Mit kleinen Dingen würde der Kandidat der Partei "Die Linke" anfangen. Zum Beispiel die Möglichkeit schaffen, vor Ort Geld an einem Automaten abheben zu können.

Eine Mehrgenerationenpolitik, die Vereinsarbeit fördern und mehr Bürgerbeteiligung, wenn die Genthiner es denn wollen. Der Ausbau der ländlichen Fahrradwege und mehr Unterstützung von Kinder- und Jugedneinrichtungen. Das steht auf der Agenda des 30-Jährigen Tucheimers Krause.

Was es noch zu sagen gibt...

"An der Jugend darf nicht gespart werden, darunter leidet das Image der Stadt" sagt der Kandidat Otto.

Ob er künftig zu Sitzungen im Rathaussaal Platz nimmt, wird am 25. Mai beschlossen. Letztlich sei die Stadtratswahl eine Personenwahl, wo Sympathien entscheidend sind. "Ich bin gespannt, ob die Wähler bereit sind, sich für einen neuen Weg zu entscheiden und freue mich auf den Wahltag."

"Der Weg zu einer Entscheidung ist nicht so wichtig, er muss funktionieren und moralisch vertretbar sein."