Ilse Zelle aus Niedersachsen hat die Suche nach Spuren ihres Urgroßvaters nach Drackenstedt geführt. Ihr Uropa Joachim Karl Friedrich Knaake hat hier zum Ende des 19. Jahrhunderts 20 Jahre als Pfarrer gearbeitet. Damals hat er auch eine stattliche Sammlung von Luther- und Reformationsschriften zusammengestellt.

Drackenstedt l Glücklich blickte Ilse Zelle auf das Foto ihres Urgroßvaters Joachim Karl Friedrich Knaake (1835 - 1905), das in der Drackenstedter Kirche auf sein Wirken aufmerksam macht. Beate Schmidt von Gemeindekirchenrat machte sie auf die Sammlung der Porträts der einstigen Drackenstedter Pfarrer aufmerksam und lieferte somit einen weiteren Mosaikstein für Ilse Zelles Forschungen. Darauf hat Ilse Zelle gehofft, als sie dieser Tage nicht nur den Weg ins Magdeburger Kirchenarchiv, sondern auch an Knaakes Wirkungsstätte Drackenstedt antrat.

Beate Schmidt freute es. "Es ist schön, wenn jemand etwas der Vergangenheit entreißen will", sagte sie. Und genau damit hat Ilse Zelle im Dezember des vergangenen Jahres intensiv begonnen. Grundlage für ihre Forschungsarbeit sind Erzählungen ihres Vaters. So hatte der ihr unter anderem berichtet, dass Joachim Karl Friedrich Knaake anlässlich Martin Luthers 400. Geburtstag im Jahr 1883 einen ersten Band von Luthers Werken herausgegeben hat. Dieser wurde im gleichen Jahr auch an Kaiser Wilhelm I. überreicht. Unterdessen arbeitete Joachim Karl Friedrich Knaake wohl schon am Aufbau einer zweiten Sammlung, die ungefähr 4000 Luther- und Reformationsschriften umfasste.

Genau in dieser Zeit war Joachim Karl Friedrich Knaake Pfarrer in Drackenstedt (1881 - 1901) und er hatte, wie Beate Schmidt feststellte, gerade im neuen Pfarrhaus reichlich Platz. Vermutlich zehn Jahre hat er hier noch gelebt und gearbeitet. "In dem Pfarrhaus gab es ein großes Archiv mit etwa 40 Quadratmetern Grundfläche und auch an anderen Stellen im Haus war viel Platz für Bücher", sagte sie. Ilse Zelle wusste von vorherigen Recherchen schon, dass ihrem Urgroßvater die Pfarrstelle in Drackenstedt zugewiesen worden war, wohl damit er besser an seinen Forschungen arbeiten konnte. "Das war wohl sozusagen einen Luxus-Pfarrstelle", sagte sie. Beate Schmidt nickte: "Seine Arbeit als Pfarrer war überschaubar." Vermutlich war er, so resümierten die beiden Frauen, besessen von der Arbeit an den Luther-Schriften.

Für Ilse Zelle brachte ihre Forschungsarbeit, nachdem sie pensioniert wurde, auch ein großes Stück mehr Selbsterkenntnis. "Man entdeckt bei den Recherchen auch viel von sich selbst: So hatte mein Urgroßvater ebenso wie ich den Hang danach, den Dingen auf den Grund zu gehen. Geschichte interessiert mich genauso wie ihn", erklärte die einstige Religionslehrerin, die auch schon früher mit ihren Schülern einige Geschichtsprojekte angeschoben hat. Und so steht für sie auch fest, dass sie ihr Wissen über ihren Uropa auch für die Nachwelt schriftlich festhalten möchte. Bis es soweit ist, werden in dem Projekt, das vorrangig mit per Fernleihe ausgeliehenen Büchern begann, sicher auch noch einige Reisen an die Wirkungsstätten Knaakes folgen.