"Ein Dorf mit Aussicht" steht in großen Buchstaben auf der Mappe, mit der sich die Gemeinde Harbke für den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" bewirbt. Der entstehende Lappwaldsee soll dabei als Trumpf ausgespielt werden, obwohl die Gemeinde schon heute ganz andere Pfunde zu bieten hat.

Harbke l Einige Tage ist es schon her, dass dem Bürgermeister der Gemeinde Harbke, Werner Müller, ein Schreiben zur neunten Auflage des Landeswettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" auf den Schreibtisch flatterte. Der Arbeitsaufwand war ihm bewusst und seinen Kollegen im Gemeinderat auch. "Wir haben überlegt, ob wir noch die Zeit und die Kraft haben, neben den Vorbereitungen der 975-Jahr-Feier, die Harbke im nächsten Jahr begeht, auch noch den Wettbewerb zu bewältigen", resümiert er im Volksstimme-Gespräch.

Bewerbungsmappe ist bereits fertig zusammengestellt

Doch die Pfunde, mit den Harbke wuchern kann, überzeugten auch die Gemeinderatsmitglieder. In der Ratssitzung im Fe-bruar fassten die Räte einstimmig den Beschluss, dass sich Harbke am Landeswettbewerb beteiligen soll. Und mehr haben die Harbker mit vereinten Kräften bereits geleistet: Unter Federführung des örtlichen Sozial- und Kulturausschusses haben Vertreter der ortsansässigen Vereine und fachkundige Einwohner umfangreiches Material für eine Bewerbungsmappe zusammengetragen.

Dabei haben sie alle geforderten Themenschwerpunkte nach und nach abgearbeitet. So spielen das Entwicklungskonzept und die wirtschaftlichen Initiativen ebenso eine Rolle wie die wirtschaftliche Entwicklung. Soziale und kulturelle Aktivitäten wurden umfassend betrachtet und auch die Baugestaltung und -entwicklung oder die Grüngestaltung.

Weitere Punkte, so hoffen die Harbker schon heute, soll der Schwerpunkt "Das Dorf in der Landschaft" bringen. Denn hier lenken sie den Blick besonders auf ein Kleinod, das am westlichen Ortsrand gerade im Entstehen ist: der Lappwaldsee. "Die Rekultivierungsmaßnahmen sind in diesem Bereich zwar noch nicht gänzlich abgeschlossen, aber der Lappwaldsee bietet schon jetzt ein imposantes Bild", heißt es in der Bewerbungsmappe. Von einem "außerordentlichen Entwicklungspotential für die Wohnqualität der Bevölkerung und für die Profilierung als touristisches Ziel mit Zukunft", das der See mit sich bringt, ist die Rede. "Wer hat schon die Möglichkeit, einen 400 Hektar großen See nahe des Ortes mitzuentwickeln?", kommentiert der Bürgermeister stolz. Stück für Stück entwickelt sich mehr, derzeit zum Beispiel auch einige Radwege um den See. Entsprechend haben die Harbker auch ihr Wettbewerbs-Motto gefunden: "Harbke - ein Dorf mit Aussicht".

Aber auch hinter dem, was jetzt schon vorhanden ist, so ist sich auch Werner Müller sicher, braucht sich Harbke nicht verstecken. "Wir haben unseren Park, die Schlossruine, den Lustwald, den Elm, eine gute Lage an der ehemaligen innerdeutschen Grenze und eine gute Anbindung an die Autobahn", zählt Bürgermeister Müller einige Punkte auf, die für ihn zeigen, dass das Dorf Harbke Zukunft hat. So sei auch der Park heute schon besonders im Sommer ein Anziehungspunkt, und wenn der Ruheforst im Lustwald entsteht, werde sich dort sicher noch mehr entwickeln. "Auch das Ortsbild wird sich weiter gestalten", ist er sich außerdem sicher.

Für Zukunft stehen aber nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern auch die 19Vereine und Arbeitsgruppen, die sehr aktiv sind. "Sie arbeiten auch gut zusammen", lobt der Bürgermeister, der seitens der Gemeinde immer Unterstützung zusichert, sofern es möglich ist. Vieles beruhe, so Müller, auf dem Ehrenamt - egal, ob in den Vereinen oder auch im Park.

Über die Grenzen hinweg besteht ein gutes Miteinander mit der Stadt Helmstedt - gerade auch im Hinblick auf das bevorstehende Jubiläum "25 Jahre Mauerfall". Bei der Planung von Wanderwegen ziehen die umliegenden Gemeinden ebenfalls mit an einem Strang.

Sanierung des Rathauses passt zum Wettbewerb

"Es ist viel passiert in den vergangenen Jahren", fasst Werner Müller zusammen und sieht zum Beispiel im Kulturhaus jetzt wieder ein "Herzstück der kulturellen Arbeit". Aber auch die Straßen inklusive des Grüns und auch zahlreicher Häuser links und rechts haben sich herausgeputzt. Ein i-Tüpfelchen ist vielleicht auch das denkmalgeschützte Rathaus, das zurzeit aufwendig saniert wird. "Auch das Rathaus hat eine Zukunft, sonst wäre es irgendwann einfach zusammengefallen, weil die Balken es nicht mehr getragen hätten", so Müller.

Wenn Bürgermeister Werner Müller die Mappe mit den Wettbewerbsunterlagen aufschlägt, findet er auch eine Urkunde von 2003. Damals hat Harbke schon einmal an dem Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" teilgenommen. Damals gab es einen Sonderpreis.

Und mit einem Preis liebäugelt die Gemeinde Harbke auch in dieser Wettbewerbsperiode. Auf Kreisebene stehen die Chancen vielleicht gar nicht so schlecht. Nach Aussage des zuständigen Mitarbeiters in der Kreisverwaltung, Holger Mühlisch, haben bis zum 31.März insgesamt 19 Orte aus dem Landkreis Börde ihre Teilnahmebereitschaft signalisiert. Das sind neben Harbke und Marienborn (beide Verbandsgemeinde Obere Aller) alle Ortschaften der Einheitsgemeinde Hohe Börde sowie die Orte Bülstringen, Wegenstedt und Calvörde (alle Verbandsgemeinde Flechtingen). "Das sind sechs mehr als in der letzten Wettbewerbsperiode, die im Januar 2013 beendet wurde", erklärte Mühlisch.

Nachdem die Orte ihre Teilnahmebereitschaft signalisiert haben, werden sie jetzt aufgefordert, ihre Präsentationen beim Landkreis einzureichen. Im September soll dann eine Bewertungskommission die Orte bereisen. "Mit diesem Zeitpunkt sind wir bisher gut gefahren", so Holger Mühlisch. Einer erfolgreichen Wettbewerbsteilnahme auf Kreisebene kann der Wettbewerb auf Landesebene und dann auf Bundesebene folgen.

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