Eine neue Ausstellung gibt im Ummendorfer Börde-Museum Einblicke in das Leben von Ernst Massute. Nach einem Java-Aufenthalt wurde der Apotheker in der Magdeburger Börde heimisch.

Ummendorf l Ernst Massute lebte von 1864 bis 1927 und hat mit seiner Apothekerlehre, seinem Pharmaziestudium, der Ausbildung zum Zuckerchemiker und einem Aufenthalt in Java einige Schlaglichter in seiner Biografie. Doch vielleicht wäre das heute längst vergessen, wenn es in der Löwen-Apotheke in Altenweddingen nicht einen alten Schrank gegeben hätte, in dem ein Mann namens Dietrich Wolff schon als Kind so gern stöberte. Dietrich Wolff war lange Zeit Apotheker in Altenweddingen und ist ein direkter Nachfahre von Ernst Massute, sein Enkel nämlich.

"Meine Eltern haben den Inhalt des Schrankes streng gehütet", berichtete er am Montagabend vor einem großen Publikum im Ummendorfer Börde-Museum. Doch ihn hielt das nicht davon ab, eines Tages mit der Aufarbeitung der Geschichte des Großvaters zu beginnen - vor etwa zweieinhalb Jahren tauchte er ernsthaft in die Materie ein. Besonders Massutes Aufzeichnungen von seinem Java-Aufenthalt hätten ihn begeistert.

"Zwei Veröffentlichungen hat es vorab gegeben, im Jahre 2012 kam denn die Idee mit der Ausstellung", erinnerte sich Dietrich Wolff. Einen Partner für die Aufarbeitung der Geschichte fand er in dem Historiker Guido Skirlo aus Langenweddingen, einem Freund seines Sohnes Martin. "Die Sammlung in der Apotheke in Altenweddingen bietet Arbeit für mehr als ein Historikerleben", erklärte dieser aber zur Ausstellungseröffnung.

Dass Ernst Massute ein kritischer Beobachter seiner Umwelt war, bewiesen Dietrich Wolff und Guido Skirlo, als sie Auszüge aus den Tagebücher Ernst Massutes vorlasen. "Er hat seinen Tagebuchaufzeichnungen auch zahlreiche Skizzen hinzugefügt", erklärte Guido Skirlo, bevor er einen kleinen Einblick in Massutes Lebenslauf gab.

Bedeutsam in diesem Lebenslauf war auch die Zeit, in der der in Küstrin geborene Massute auf Java lebte und arbeitete. In fünfeinhalb Jahren, von 1892 bis 1897, hat er dort in sechs verschiedenen Zuckerfabriken gearbeitet und sein Wissen vervollkommnet. Diese Zeit hat auch in der Ausstellung im Ummendorfer Museum einen großen Raum bekommen. Viele Exponate verführen den Betrachter heute zu einem gedanklichen Ausflug nach Asien. Ernst Massute nutzte seinen Aufenthalt dort auch, um Erlebtes und Gesehenes akribisch in Wort und Bild festzuhalten. Er studierte Land und Leute und brachte so neben feinteiligen Tagebuchaufzeichnungen sowie diversen Zeichnungen und Fotos auch Zeugnisse der materiellen Volkskultur Javas mit in seine neue Heimat. Seine neue Heimat wurde eben 1905 Altenweddingen, wo er die Löwen-Apotheke kaufte.

Die bis Montag kommissarisch eingesetzte Leiterin des Börde-Museums, Sabine Vogel, zeigte sich von der Ausstellung begeistert und bezeichnete sie als ein besonderes Projekt in 25 bis 30 Jahren Museumsmitarbeit. "Die Ausstellung vermittelt Zeitgeist, aber auch die Aufbruchstimmung im Unternehmertum", erklärte sie Bezug nehmend auf das Bestreben, andere Kontinente zu entdecken und doch wieder in die Heimat zurückzukehren.

Dietrich Wolff und Guido Skirlo wissen, dass sie bei der Aufarbeitung der Geschichte erst am Anfang stehen. Doch beide sind vom Drang, weiter zu recherchieren, ergriffen. "Ich lege mich jetzt fest, dann ist der Druck da: Wir werden die komplette Geschichte Ernst Massutes als Buch herausgeben", gab Dietrich Wolff ein weiteres Ziel an. Schließlich, so betonte er, war Ernst Massute eine Keimzelle einer Dynastie von Landapothekern im Umkreis von Magdeburg. In drei Jahren feiert die Löwen-Apotheke in Altenweddingen - mit Martin Wolff heute noch von einem direkten Nachfahren Massutes geführt - übrigens ihr 175-jähriges Bestehen.

Die Ausstellung ist zu den regulären Öffnungszeiten des Börde-Museums jeweils von dienstags bis sonntags von 12bis 17 Uhr anzusehen.

 

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