Die Kommunale Beratungsstelle "Besser leben im Alter durch Technik" kommt immer mehr auf Touren. Neuerdings gibt es auch regelmäßige Beratungen im Wanzleber Rathauskeller.

Wanzleben l Neben Halberstadt ist Wanzleben die einzige Stadt, die seit kurzem eine sogenannte Kommunale Beratungsstelle "Besser leben im Alter durch Technik" betreibt. Bevor am Mittwoch interessierte Bürger zur ersten offiziellen Beratung in den Rathauskeller kommen konnten, wurde das Projekt vor einigen geladenen Gästen präsentiert.

Der Beratungsstellenleiter Thomas Schatz und sein Mitarbeiter Klaus Jacobs wollen schwerpunktmäßig dabei behilflich sein, die Lebensqualität im Alter zu wahren und ältere Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Zahlreiche Hilfsmittel, die den Alltag im Alter erleichtern, haben sie schon gefunden und wollen sie nun denen, die diese gebrauchen könnten, näher bringen. "Gewissenmaßen sind wir auch Klinkenputzer für die Industrie, denn in den vergangenen Jahren sind viele Assistenzsysteme für die älteren Menschen entwickelt worden, aber die gehen mit Scheu daran vorbei", fasste Thomas Schatz zusammen. Er ist sich seiner Aufgabe, auch die Angst vor den technischen Hilfen zu nehmen, bewusst.

"Alt werden wollen viele, aber keiner will alt sein", brachte Wilfried Köhler als Leiter der Stabsstelle Demografie im sachsen-anhaltischen Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr ein Phänomen auf den Punkt. Dennoch steht die Alterspyramide in Sachsen-Anhalt bereits auf dem Kopf. Das heißt, es gibt mehr alte als junge Menschen, nachdem das Land seit der Wende 600000 Menschen einerseits durch Abwanderung, andererseits aber auch durch weniger Geburten verloren hat und die Lebenserwartung gestiegen ist. Da es künftig aber an Pflegekräften fehlen wird, sei es, so Köhler, wichtig, dass die Menschen möglichst lange selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben können. "Und darum müssen die Menschen die Hilfsmöglichkeiten für das Alter kennenlernen", ergänzte er. Das dazugehörige Modellprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, in dem insgesamt 22 Kommunen wie Wanzleben ein neue Betätigungsfeld ausprobieren, begrüßte er: "Nach den zwei Jahren muss man dann eine Bilanz ziehen und das Ganze vielleicht ausbauen."

Uwe Witczak, Leiter des Beratungszentrums in Halberstadt, der ebenfalls nach Wanzleben gekommen war, erwartete, dass sich in den Beratungsstellen Kompetenz, Innovation und Kreativität verbinden. Andererseits ist dieses besondere Beratungsangebot aber auch ein Experiment, da es sich von anderen bisherigen Beratungen unterscheidet.

"Ich denke, die nächsten zwei Jahre werden spannend", erklärte auch Petra Hort als Bürgermeisterin der Stadt Wanzleben - Börde. Nach Aussage von Thomas Schatz haben die ersten Interessenten bereits eine Beratung in Anspruch genommen. Da das Interesse über die Grenzen der Ortsteile der Stadt Wanzleben - Börde hinausreicht, soll das Beratungsangebot künftig nicht nur auf die Einheitsgemeinde beschränkt bleiben. Und auch zur ersten Beratungsstunde im Rathauskeller herrschte schon Betrieb. Einige Senioren ließen sich gern die technischen Alltagshelfer erklären und stellten schnell fest, dass sich der Technikbegriff in dem Fall nicht nur auf Computer beschränkt.

Die Beratung findet künftig jeden Dienstag von 11 bis 14 Uhr im Wanzleber Rathauskeller statt. Gern aber würden die Mitarbeiter der Kommunalen Beratungsstelle ihr Angebot auch bei Seniorenveranstaltungen vorstellen. Termine können unter der Telefonnummer 039209/44763 vereinbart werden.