In der Domersleber Heimatstube gibt es eine Menge über frühere Generationen zu entdecken. Auch ein Blick in die schriftlichen Dokumentationen, die sich hier im Fundus befinden, ist immer wieder lohnenswert für diejenigen, die sich einmal auf die Spuren der dörflichen Geschichte begeben möchten

Domersleben l Das dörfliche Leben zu Großmutters Zeiten lebendig werden zu lassen, haben sich einige Frauen in Domersleben schon vor zwölf Jahren auf die Fahnen geschrieben. Auf der ersten Seite des Gästebuches in der Heimatstube steht als Datum der 21.April 2002.

Seitdem hat die Interessengemeinschaft einiges an Material und Inventar zusammengetragen. Küche und Stube wirken, als seien die Bewohner gerade mal ausgegangen. Stattdessen nehmen Sigrid Kramer, Gisela Pätz, Karin Nielebock, Petra Volkmann, Rosemarie Mendt und Irmgard Krause hier jeden Dienstag von 17bis 19 Uhr interessierte Gäste in Empfang, um ihnen einen Ausflug in die Geschichte zu ermöglichen.

So wie die Stube und die Küche in der Heimatstube sahen vielleicht auch die Räumlichkeiten in den Domersleber Häusern aus, die einst in einer mehrbändigen Chronik aufgeführt wurden. Ein Blick hinein zeigt, dass Straße für Straße aufgeführt sind und mindestens auf einer Seite die Geschichte jedes Domersleber Hauses dargestellt ist. Für den Zeitraum von mehreren Jahrhunderten sind die Besitzerwechsel aller Häuser vermerkt. Und zu jeder Darstellung gehört auch ein Foto des jeweiligen Hauses. "Die Aufzeichnungen enden so in den 1960/1970er-Jahren", erklärte Petra Volkmann, die die Geschichte äußerst spannend findet.

"Man schafft es leider nicht, alles durchzulesen", bedauerte Sigrid Kramer ein wenig und beschrieb somit auch den Umfang der vorhandenen Unterlagen über einen Teil der Dorfgeschichte. "Wir freuen uns aber, dass wir diese Unterlagen in unserem Fundus haben", fügte sie hinzu. Dass diese mühsame Aufarbeitung eigentlich unbezahlbar sei, darin sind sich die Damen einig.

Und so ging am Mittwochnachmittag das große Blättern los. Trotzdem manche Straße inzwischen einen anderen Namen hat und auch die Hausnummern in der Chronik teilweise nicht mehr mit der Gegenwart übereinstimmen, fand sich der, der Interesse hatte, schnell zurecht. "Was war denn in dem Haus?" und "Wer hat denn früher dort gewohnt?" waren die zentralen Fragen, die nicht nur die Frauen der Interessengemeinschaft an diesem Tag beschäftigten.

Wegen des verlängerten Osterwochenendes hatten sie die Öffnungszeiten der Heimatstube um einen Tag nach hinten verschoben und auch noch um drei Stunden verlängert. "Wir wollten auch Berufstätigen, die später von der Arbeit kommen, die Gelegenheit geben, einmal in die Bücher zu gucken", so Rosemarie Mendt, die wie ihre Mitstreiterinnen gern Rede und Antwort stand. Und wer den Damen eine Weile zuhörte, merkte schnell, dass auch sie noch die eine oder andere Geschichte über die Häuser des Dorfes und die Ackerstücken am Ortsrand kennen, die noch nirgends niedergeschrieben ist. Bei einer Tasse Kaffee kamen angeregte Gespräche schnell in Gang.

Und sie freuten sich, dass ihre Einladung doch an manchen Stellen auf offene Ohren gestoßen ist und so die Tür der Heimatstube in den fünf Stunden manches Mal klappte.

Domersleber oder auch ehemalige Domersleber, die sich für die Geschichte ihrer Wohnstätten interessieren, können auch an den nächsten Öffnungstagen der Heimatstube gern in den Unterlagen blättern. "Wir haben auch in der Vergangenheit, wenn mal jemand gefragt hat, schon manches Mal helfen können", so Sigrid Kramer.