Studenten der Fachhochschule Magdeburg-Stendal dokumentieren derzeit den historischen Bahnhof im Zentrum Oscherslebens. Im Rahmen eines sogenannten Projektstudiums sollen sie auch Ideen über eine künftige Nutzung ausloten.

Oschersleben l "Das ist ein sehr interessantes Gebäude. Hier könnte einmal etwas Großes entstehen", sagt Jana Wohlfahrt. Ihrer Kommilitonin Lisa Haferung gefallen vor allem die vieler Räume und versteckten Ecken des im 19. Jahrhundert erbauten Bahnhofsgebäudes. "Unsere Aufgabe ist es jetzt, den gesamten Bau durchzumessen, eine Zeichnung anzufertigen und mit dem Fotoapparat den Ist-Zustand zu dokumentieren. Anschließend müssen wir unsere neuen Pläne mit den alten Grundrissen vergleichen", erklärte Haferung weiter. Auch die Aufnahme von Schäden, alter Rohrleitungen oder des Zustands der Fußböden gehöre dazu. "Wir haben beispielsweise Schimmelbefall und Risse in den Wänden festgestellt", erklärte die dritte im Bunde, Johanna Fritz. "Da wird noch viel mehr entdeckt werden, wenn erst einmal der Putz runter ist", wirft Jana Wohlfahrt ein.

Drei Gruppen dokumentieren und entwickeln

Die drei jungen Frauen sind Studentinnen am Fachbereich Bauwesen an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal. Im Rahmen eines sogenannten Projektstudiums unterstützen sie die kommunale Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Bewos, die den historischen Bahnhof und das dazugehörige Gelände in den vergangenen Jahren gekauft hat. Mit sieben weiteren Studienkollegen bilden die drei Studentinnen die Gruppe eins. Ihre Aufgabe ist es, das klassizistische Gebäude aufzunehmen und vorhandene Grundrisse zu überprüfen, bauliche Veränderungen zu dokumentieren sowie die Schädigung an der Substanz darzustellen. Ihre Werkzeuge hier sind Kugelschreiber, Fotoapparat, Lasermessgerät und Klemmbrett.

Weitere Studenten werden in den kommenden Wochen ebenfalls von Magdeburg nach Oschersleben kommen. So ist die Gruppe zwei mit der Vorbereitung erforderlicher Planungen für das Außengelände betraut. Als Grundlage dienen den angehenden Bauingenieuren bereits vorhandene Dokumentationen.

Die Gruppe drei darf sich kreativ einbringen: Auf Grundlage der von den ersten beiden Gruppen ermittelten Daten sollen die Studenten Ideen entwickeln, wie das Gebäude und die anliegende Fläche in der Zukunft genutzt werden könnten.

"Zu meiner Hochschulzeit habe ich während des Projektstudiums auch an einem alten Bauwerk gearbeitet. Das ist für die Studenten eine sehr gute Möglichkeit, in die Praxis losgelassen zu werden", begründet Bewos-Geschäftsführer Thomas Harborth die Einbeziehung der künftigen Bauingenieure. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, plant er ein Symposium mit den Studenten, auf dem alle Ergebnisse vorgestellt werden sollen.

Die Bewos hatte den in den Jahren 1842 bis 1846 errichteten Bahnhof vor etwa zwei Jahren gekauft und das anliegende Areal mit einer Größe von etwa 14000 Quadratmetern im vergangenen Winter erworben. Harborth und die Hälfte der Stadträte hätten hier am liebsten das künftige Kombibad gesehen. Doch eine Stadtratsentscheidung vom 12.Februar schob diesem Vorhaben endgültig einen Riegel vor.

In den vergangenen Wochen jedoch konnten mit Fördergeldern in Höhe von rund 55000 Euro schon einmal Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dazu gehörten unter anderem der Abriss der zahlreichen vom Verfall bedrohten Schornsteine, die Schließung defekter Fenster sowie die Beräumung von Schutt.

 

Bilder