Heute ist der bundesweiter "Tag der erneuerbaren Energien". Im Vorfeld wurde am Donnerstagnachmittag eine neue Bioraffinerie in Hadmersleben offiziell in Betrieb genommen. Rund zehn Millionen Euro hat der Hadmersleber Investor und Landwirt Urban Jülich in den Bau investiert.

Hadmersleben l Auf dem Gelände der ehemaligen Kiesgrube am Ortsrand von Hadmersleben ist eine beeindruckende Anlage zur Produktion von Biomethan entstanden. Am 28. März 2012 war mit dem Bau begonnen worden.

Zur offiziellen Inbetriebnahme waren zahlreiche Hadmersleber Bürger, Landwirte der Region und weitere Gäste wie Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens (CDU), der Präsident des Landesbauernverbandes, Frank Zedler, sowie Vertreter des Landkreises und das Stadtoberhaupt Oscherslebens, Dieter Klenke (parteilos), gekommen.

Für Kiesgrube wurde Bergbaurecht aufgehoben

Es war ein nicht ganz einfacher Weg, bis die Bioraffinerie-Anlage mit gebührlichem Abstand zum Ort errichtet werden konnte. Der ursprünglich geplante Standort lag zu nah an der örtlichen Bebauung und hatte eine Bürgerinitiative auf den Plan gerufen. Investor Urban Jülich hat so manchen Kampf ausgefochten, ehe er in der alten Kiesgrube nach einer Aufhebung des Bergbaurechtes bauen konnte. Um so bedauerlicher für ihn, dass er ausgerechnet am Tag der offiziellen Inbetriebnahme das Bett hüten musste. Seine Frau Babette und die vier Söhne Josef, Samuel, Henry und Noah haben ihn jedoch würdig vertreten.

In seinem Grußwort ging Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens darauf ein, dass Sachsen-Anhalt durchaus als Vorreiter in Sachen erneuerbarer Energien bezeichnet werden könne. Mit der Inbetriebnahme von gleich vier Bioraffinerien in Elsteraue (Burgenlandkreis), Hadmersleben, Niederndodeleben und Zerbst kann der Anteil erzeugten Biogases im Land noch weiter erhöht werden. Bis zum Jahr 2030 will Sachsen-Anhalt 26 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien decken. Zum neuen Energieeinspeisegesetz (EEG) sagte Aeikens, dass der Gesetzesentwurf der Bundesregierung nun auf dem Tisch des Landwirtschaftsministeriums Sachsen-Anhalts gelandet sei und die Novelle nun auf das Land zugeschnitten werden müsse.

Auf die Hadmersleber Bioraffinerie eingehend, meinte der Minister zudem, dass diese sehr gut in die Region passe, sie werde von einem Landwirt hier vor Ort betrieben und damit blieben auch die Steuergelder hier.

Silage und Hühnermist werden zu Biogas verarbeitet

In einer anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema "Grüne Energien! Zukunft oder Sackgasse?" betonte Landesbauernverbandschef Frank Zedler, dass die Bioraffinerien in den Händen der Landwirte gut aufgehoben seien und dort auch bleiben sollten, weil sie ein wichtiges weiteres Standbein für die Landwirte sind. Zudem sind die Anlagen ein guter Weg, auch Reststoffe zu verwerten, womit sich der Kreislauf von Anbau und Verarbeitung, aber auch zwischen Tier- und Pflanzenproduktion, wieder schließt.

Da die Hadmersleber Bioraffinerie bereits arbeitet, wurde der symbolische Akt der offiziellen Eröffnung etwas abgewandelt, indem eine Eiche auf dem Gelände gepflanzt wurde. Anschließend hatten die Besucher die Gelegenheit, die Anlage kennenzulernen. Mitarbeiter Peter Frehde und Anlagenleiter Sebastian Schrader erklärten, wie Maissilage, Rübenpressschnitzelsilage und Hühnertrockenkot sowie Gülle - täglich rund 120 Tonnen - vergoren würden und daraus Biogas entstehe. Dieses wird in der Hadmersleber Anlage weiter veredelt, bevor es in das öffentliche Erdgasnetz eingespeist wird. Das Endprodukt ist nahezu mit dem fossilen Erdgas identisch und besitzt die gleichen Energiewerte. Die entstehenden Reststoffe werden als Dünger wieder auf die Felder ausgebracht.

Anlage arbeitet 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr

Die Hadmersleber Bioraffinerie kann 53 Millionen Kilowattstunden pro Jahr produzieren. Derzeit betreuen vier Mitarbeiter die Anlage 365 Tage im Jahr. "Wir sind weiter am Wachsen", sagte Sebastian Schrader. Auch Lehrlinge werden hier ausgebildet.

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